“Wir werden weiter Druck machen” – Aufbruchstimmung in Gorleben

2016-07-10 Gorleben - 54Das war kein normaler Sonntag an den Atomanlagen in Gorleben – dort findet stets um 13 Uhr ein Protestspaziergang um die festungsartigen Mauern des sogenannten Endlagerbergwerks statt, um 14 Uhr folgt dann das ökumenische Gorlebener Gebet. Mal waren es sechs, mal waren es sechzig Menschen, die ihrem Protest sonntags Ausdruck verliehen. An diesem Sonntag waren es fast 200, eskortiert von einigen Traktoren der Bäuerlichen Notgemeinschaft.

Das war immerhin der erste Spaziergang nach der Abgabe des Berichts der Endlagerkommission in Berlin – und so viel lässt sich aus den Empfehlungen dieses Gremiums herauslesen – der Salzstock Gorleben-Rambow ist weiter im Spiel.

Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V. (BI) hatte eigens ihre mobile Bühne, den Musikalischen Mehrkampfwagen (MMKW), flott gemacht, denn nach der kraftvollen Demonstration am Dienstag in Berlin war klar: Vor Ort muss ebenfalls ein Zeichen gesetzt werden.

Für Martin Donat, den BI-Vorsitzenden ist klar, dass der Kommissionsbericht nicht dazu taugt, ein bestmögliches Endlager zu finden:

“Die geologischen Kriterien sind schwammig und unscharf, es wird weiter auf politischen Protest und politische Mehrheiten ankommen.”

BI-Sprecher Wolfgang Ehmke: “Gorleben ist der erste Standort, der als Atommülllager genannt wurde, also sind wir auch die ersten, die protestieren und es werden sicher noch andere Initiativen dazu kommen. Es wird nicht zwangsläufig auf Gorleben hinauslaufen, aber Gorleben hat einen besorgniserregenden “Vorsprung”, die Bundesanstalt für Geowissenschaften (BGR) hat mittlerweile eine Aktenlage pro Gorleben geschaffen. Wir aber haben auch einen Vorsprung nach fast 40 Jahren Widerstandsgeschichte, das ist unsere Erfahrung. Die werden wir in die Auseinandersetzung einzubringen wissen.”

Die Fokussierung auf das politische Berlin und die Endlagerkommission sei nun vorbei, das empfinden die Anti-Atom-Aktivisten auch als eine Chance, sich um Anti-Atom-Themen zu kümmern wie die Atomanlagen in Gronau und Lingen, die vom Atomausstieg völlig ausgenommen wurden.

Kerstin Rudek kündigte an, dass man sich seitens der Bürgerinitiative im Herbst an Kundgebungen zur Stilllegung dieser Anlagen beteiligen werde: “Die Kommissionsarbeit ist am Ende – wir noch lange nicht!”

Dazu passt auch, dass das Gorlebener Gebet seit über 25 Jahren und an diesem Sonntag exakt der 350. Sonntagsspaziergang stattfand. Den langen Atem hat der Anti-Atom-Widerstand im Wendland hinreichend unter Beweis gestellt.

Die Veranstaltung wird jedoch ein Nachspiel haben: Die BI beschwert sich über das “aggressive Fotografieren und Filmen” durch das Sicherheitspersonal auf dem Bergwerksgelände.

Wolfgang Ehmke, Pressesprecher, 0170 510 56 06
Foto: Ingrid und Werner Lowin

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Musterbeispiel für eine verfehlte Atommüllpolitik, jedoch als möglicher Standort bei der Endlagersuche fortgeschleppt:

Aus Gorleben kann viel gelernt werden. So, wie in Gorleben, geht es eben nicht!
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