Die Standortentscheidung vor 40 Jahren

Treckerdemo, Podiumsdiskussion, Filmabend, Party, Eselswanderung, Gorleben-Gebet und Literatur: der Gorleben-Widerstand erinnert mit vielfältigen Veranstaltungen an die 40 Jahre Auseinandersetzung um die Nutzung der Atomenergie in Deutschland und den Plan, in Gorleben ein gigantisches „Nukleares Entsorgungszentrum“ zu errichten.

22. Februar 1977: Mit Spannung wird in Lüchow der Standortbeschluss für ein „Nukleares Entsorgungszentrum“ in Niedersachsen erwartet. Um 16.30 Uhr kommt die Hiobsbotschaft und macht Gorleben in einer Minute zum bekanntesten Dorf der BRD – und seitdem ist alles anders als bisher.

An diesem Tag saß Lilo Wollny aus Vietze mit ihrem Mann nichtsahnend vor dem Fernseher. “Als damals dieser Albrecht strahlenden Gesichts auf dem Bildschirm erschien und verkündete, dass es Gorleben werden würde – ein richtiger Schock! Es war so, als wenn uns der Boden unter den Füßen weggerissen würde.“

Es waren Frauen wie Marianne Fritzen, Lilo Wollny und einige Landwirte, die bereits unter dem Namen „Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg“ gegen ein AKW bei Langendorf/Elbe kämpften. Nun wurde es eine Nummer größer im Kampf gegen die Atomkraft. Am 2. März 1977, wenige Tage nach der Standortbenennung, wurde die BI als eingetragener Verein, mit Büro, gemein und nützlich, ausgerufen. Schon zwei Wochen später, am 15. März, demonstrierten rund 16 000 Menschen auf dem abgebrannten Waldgelände nahe Trebel.

Was folgte sind 40 Jahre Protest und Widerstand, verwaltungsrechtlichen Auseinandersetzungen – mit unzähligen Demonstrationen und Aktionen, mit einer Dauerdebatte und mit Höhen und Tiefen. Mit Bespitzelung, Diskriminierung und Kriminalisierung. Doch das Mehrgenerationenprojekt des Gorleben-Widerstands hat durchgehalten. Musste durchhalten, denn bis heute ist nichts wirklich geklärt.

Zweimal wurde eine Wiederaufarbeitungsanlage verhindert – in Gorleben und im Westkreis, in Dragahn. Dennoch hat sich die Atomindustrie in den Wald hineingefressen: In Gorleben stehen 113 Castorbehälter in einer Halle, immer wieder werden marode Fässer im benachbarten Fasslager entdeckt. Eine Konditionierungsanlage, die ursprünglich die hochradioaktiven Abfälle aus den Castor-Behältern in endlagerfähige Behälter umpacken sollte, ist zum Glück nicht in den heißen Betrieb gegangen. Und unter Tage gibt es im Salzstock Gorleben ein Bergwerk, Gorleben ist bei der angeblich offenen Endlagersuche als einziger Standort „gesetzt“.

Die Abfälle strahlen im Gorlebener Tann´ vor sich hin und es bleibt festzustellen, dass in Deutschland immer noch Atomanlagen in Betrieb sind und dass auch europa- und weltweit die Atomkraftnutzung sich überhaupt nicht erledigt hat. Deshalb bleibt die Rückschau auf die Vergangenheit zugleich eine Mahnung: Der Widerstand gegen die Atomkraftnutzung und den sorglosen Umgang mit den strahlenden Hinterlassenschaften hat sich nicht erledigt, der Kampf geht weiter.

Wolfgang Ehmke, Pressesprecher, 0170 510 56 06

  • Chronologie des Widerstands
  • Für Journalist_innen bietet die BI für den 18. Februar einen besonderen Service: Sie können einen der Treckerkonvois in einem historischen „Feuerwehr-Einsatzbus“ begleiten und sich während über die 40 Jahre Widerstandsgeschichte informieren. KWP 2016

    Der Bus startet vom Parkplatz des Rundlingsdorfs Lübeln um 11Uhr. Eine Anmeldung ist erbeten unter gerhardwharder@web.de

25.05. – 05.06.2017
NDR zu 40 Jahre
Martin Donat im Interview, Beitrag zu 40 Jahre Gorleben:
Neuer Flyer
Abschalten!
Camp & Festival
Internationalistisches Anti-Atom-Sommercamp und Free Flow Festival in Gedelitz am 7.-16. August 2017
Atomtransporte…

...rollen regelmäßig durchs Wendland. Eine Stellungnahme der BI.


Gorleben-Fachexpertise

Musterbeispiel für eine verfehlte Atommüllpolitik, jedoch als möglicher Standort bei der Endlagersuche fortgeschleppt:

Aus Gorleben kann viel gelernt werden.
So, wie in Gorleben, geht es eben nicht!


Neun Experten nehmen Stellung.

Kommission am Ende