40 Jahre und kein bisschen leise… Podiumsdiskussion am Tag der Standortbenennung Gorlebens

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Für die Menschen im Wendland ist der 22. Februar 1977 „der Tag“, der Tag, der alles veränderte, der immense politische Verwerfungen – nicht nur im Wendland – zur Folge hatte. Ministerpräsident Ernst Albrecht hatte Gorleben als Standortort für das „Nukleare Entsorgungszentrum“ aus dem Hut gezaubert, erst kurz zuvor kam Gorleben ins Spiel, wie man inzwischen aus den Akten weiß. Ein gigantischer militär-industrieller Komplex auf rund 12 Quadratkilometern sollte entstehen, im Zentrum die Plutoniumfabrik. Im Neusprech: der „Entsorgungspark“ hätte im Kern eine „Wiederaufarbeitungsanlage“ mit einer Brennelementefabrik und oberirdischen Abfalllägern zur Folge gehabt.

Geblieben ist das zähe Ringen um die Errichtung eines nuklearen Endlagers, geblieben sind Fasslager und Castorhalle und eine „Polit-Konditionierungsanlage“ (PKA). Denn die veraltete Pilotkonditionierungsanlage ist nur auf dem Papier genehmigt und wird, so vermutet die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI), nur aus politischen Gründen nicht verbannt: sie gilt als Entsorgungsnachweis für kaputte Castorbehälter in der ganzen Republik.

Viele Menschen haben vieles bewegt in den 40 Jahren. „Wir haben Geschichte geschrieben“, betont BI-Sprecher Wolfgang Ehmke selbstbewusst: Atomausstiegsgeschichte. Denn die nicht abreißenden Proteste, die Mitte der 90er Jahre noch einmal verstärkt bei den Demos und Blockadeaktionen gegen die Castortransporte aufflammten, hatten den Anti-Atom-Protest in der Republik nicht einschlafen lassen. „Wir haben auch industriepolitisch Geschichte geschrieben, denn unser „Gorleben soll leben“, die ersten Solar- und Windkraftwerke, die Bastler und Tüftler verwiesen auf Alternativen zur Nutzung der Atomkraft und waren Wegbereiter für den heutigen Durchbruch der Erneuerbaren Energien“, unterstreicht die BI. „Wir haben dem Demonstrationsrecht zum Durchbruch verholfen und mit unserem Selbstbewusstsein dafür gesorgt, dass Menschen heute mutig auf die Straße gehen und sich von Kriminalisierung nicht einschüchtern lassen, und das auf besondere Art: mit dem Schalk im Nacken.“

„Wenn wir am Tag der Standortentscheidung zurückblicken und uns fragen, ob es statt des Knüppel-aus-dem-Sack“ in der Zukunft eine demokratische Atommüllpolitik geben könnte, dann können wir diese Erfolge gar nicht in den Mittelpunkt rücken“, bedauert Ehmke. Zu sehr dränge sich der Eindruck auf, dass Gorleben im Endlagerpoker nur eine Ehrenrunde vergönnt sei. „Das bleibt unser drängendes Problem!“

Hier sind Bilder von der gut besuchten Podiumsdiskussion:
“Gorleben: Vier Jahrzehnte vergeudete Zeit – Wo ist der Atommüll in 40 Jahren?”
22. Februar um 19.00 Uhr Gasthaus Sültemeier, Dünsche

Moderation: Kerstin Rudek (BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.)

Einführung Wolfgang Ehmke (BI)

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Podium: Hanna Poddig (Contratom) / Ursula Schönberger (atommüllreport/AG Schacht KONRAD) / Jochen Stay (.ausgestrahlt) / Hans-Werner Zachow (Bäuerliche Notgemeinschaft Lüchow-Dannenberg) / Martin Donat (BI)

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Wolfgang Ehmke, Pressesprecher, 0170 510 56 06

Fotos: Ingrid und Werner Lowin

25.05. – 05.06.2017
NDR zu 40 Jahre
Martin Donat im Interview, Beitrag zu 40 Jahre Gorleben:
Neuer Flyer
Abschalten!
Camp & Festival
Internationalistisches Anti-Atom-Sommercamp und Free Flow Festival in Gedelitz am 7.-16. August 2017
Atomtransporte…

...rollen regelmäßig durchs Wendland. Eine Stellungnahme der BI.


Gorleben-Fachexpertise

Musterbeispiel für eine verfehlte Atommüllpolitik, jedoch als möglicher Standort bei der Endlagersuche fortgeschleppt:

Aus Gorleben kann viel gelernt werden.
So, wie in Gorleben, geht es eben nicht!


Neun Experten nehmen Stellung.

Kommission am Ende