Beseitigung der Bohrschlammgrube in Luckau

Anwohner*innen fordern schärfere Überwachung der Schadstoffe

Anwohner*innen der Bohr- und Produktionsschlammgrube in Luckau/Landkreis Lüchow-Dannenberg, die in diesem Jahr beseitigt werden soll, sind nicht zufrieden, wie der verantwortliche Verursacher, ExxonMobil, vorgehen will. Auf einer von ihnen organisierten Informationsveranstaltung am 15. Februar forderten die 35 Anwesenden einstimmig weitere Informationen über die dort verbuddelten gefährlichen Abfälle sowie weitergehende Überwachungsmaßnahmen während und auch nach den Rückbaumaßnahmen. Das Schreiben sollte mittlerweile beim zuständigen Landesbergamt (LBEG) und dem Verursacher ExxonMobil angekommen sein.
Hier der Text:
Forderungen betreffs der geplanten Sanierung der
Schlammgrube Luckau (Wustrow West Z1)

Sehr geehrte Damen und Herren,
am 15.02.2018 fand eine Versammlung von Anwohnern der Gemeinde Luckau statt. Auf dieser Versammlung haben wir, zu den bereits von ExxonMobil zugesagten Sicherheitsmaßnahmen, folgende Forderungen beschlossen:
- Es muss zweifelsfrei festgestellt werden, um welche Stoffe und Umweltgifte es sich bei der zu sanierenden Schlammgrube handelt. Die bisherige Annahme, es handele sich lediglich um „gering belastete“ Bohrschlämme ist nicht hinreichend belegt.
1992 wurden im Grundwasser die Schadstoffparameter CSB, AOX, Phenol, Chlorid, Sulfat, Arsen, Barium, Blei, Cadmium, Chrom, Molybdän, Nickel und Zinn in relevanter Größenordnung festgestellt.
Quecksilber war nicht im Untersuchungsprogramm enthalten. All diese Parameter plus zusätzlich Quecksilber und Radionuklide Radium-226, Radium-228 sowie Blei-210 sind in das zu aktualisierende Untersuchungsprogramm aufzunehmen und dessen Ergebnisse offen zu legen.
- Die tatsächliche Fließrichtung des Grundwassers muss festgestellt werden.
Auf dieser neuen Basis müssen weitere Grundwasser-Messstellen eingerichtet werden, um geeignete Messungen durchzuführen.
- Das Ausmaß des kontaminierten Grundwassers muss genau festgestellt werden. Und gegebenenfalls ist das Grundwasser in diesem Bereich zu sanieren.
- Während der Entsorgung Luftschadstoffmessung vor Ort und an den nächsten Wohnhäusern.
- Es muss alles restlos entsorgt werden, auch die kontaminierten Böden unter der Schlammgrube.
- Wo genau verbleiben die gefährlichen Abfälle (Deponien, Bodenreinigungsanlagen, usw.)?

Luckau, den 15.2.2018
Dieser Brief ging im Auftrag der Versammlung, einstimmig verabschiedet, mit der Bitte um Stellungnahme an:
Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) und ExxonMobil, Landkreis Lüchow-Dannenberg, Samtgemeinde Lüchow, Gemeinderat Luckau
Hintergrund:
Bis zum Jahr 1991 wurden von der ExxonMobil-Vorgängerfirma BEB Erdgas Erdöl GmbH in Luckau diverse schadstoffbelastete Bohr- und Produktionsabfälle von der Erdgassuche und -förderung in der Luckauer Schlammgrube kostengünstig „entsorgt“. Im Laufe der Jahre wurde immer offensichtlicher, dass diese giftigen und möglicherweise radioaktiven Schadstoffe auch in hoher Konzentration im umgebenden Grundwasser nachweisbar waren. “Beispielsweise der gemessene Wert für Cadmium im Grundwasser wurde um das 12-fache überschritten, bei Blei 5-fach und bei Arsen 30-fach”, fasst Wasserwirtschaftsingenieur Bernd Ebeling zusammen. Daher erfolgte in Abstimmung mit den zuständigen Behörden eine Abdeckung der gefährlichen Abfälle durch eine Bentonit-Abdichtung, um Auswaschungen durch eindringendes Wasser zu verhindern.
Diese Maßnahme hatte jedoch keinen nachhaltigen Erfolg. Grundwassermessstellen zeigen bis heute erheblich zu hohe Konzentrationen an Chloriden – Ursache „nicht bekannt“. Eine Überprüfung des Grundwassers auf weitere Gifte, wie Schwermetalle, Quecksilber und krebserzeugende Kohlenwasserstoffe ist bisher nicht dokumentiert.
Dennoch beantragte ExxonMobil beim zuständigen Landesbergamt die Entlassung aus der Bergaufsicht, um die Verantwortung für die eingelagerten Schadstoffe loszuwerden. Dem stimmte der Landkreis Lüchow-Dannenberg in Kenntnis der nicht gelösten Probleme nicht zu, so dass nunmehr die Beseitigung der Giftgrube vom Verursacher ExxonMobil vorgenommen wird.
Auf einer Gemeinderatssitzung am 23. Januar stellte ExxonMobil die vorgesehenen Maßnahmen vor. Auf genauere Nachfragen der Anwohner, beispielsweise was genau in der Grube eingelagert worden war, konnte oder wollten die zahlreich erschienenen Vertreter des Erdgas-Konzerns keine Antworten geben. Sie stellten sehr ausführlich vorgesehene Verkehrssicherungsmaßnahmen für den Abtransport der gefährlichen Abfälle per LKW dar. Aber bei Nachfragen, ob und welche Gifte bei den Arbeiten in die Umgebung geraten könnten, wurde lediglich auf „homöopathische Dosen“ verwiesen. Die bei den Grundwassermessstellen festgestellten hohen Chloridwerte wurden damit verharmlost, dass sich ja auch im Mineralwasser Chlorid nachweisen lasse. Dass für die Arbeiter Schutzanzüge vorgesehen seien, habe nichts mit einer Gefährdung der Anwohner zu tun. Die Emissionen an der Giftschlammgrube würden regelmäßig während der Arbeiten gemessen, und die Flächen nachts mit Planen abgedeckt. Wie dadurch allerdings die Ausgasung von flüchtigen Kohlenwasserstoffen verhindert werden kann, blieb offen. Immerhin wurde zugesagt, dass eine Messeinrichtung auch auf dem Grundstück einer Anwohnerin aufgestellt werde – allerdings nicht in der Nacht und an den Wochenenden.
„Wir halten es für unabdingbar, dass diese Giftgrube nun endlich beseitigt werden soll“, so Corinna Pelch, eine Nachbarin der Schlammgrube. „Aber das kann und darf doch nicht zulasten der Gesundheit von Anwohnern gehen“. Und ExxonMobil dürfe auch nicht sofort nach dem Rückbau aus der Verantwortung gelassen werden. „Wir fordern die Einrichtung weiterer Grundwassermessstellen um das Grubengelände herum, und deren Überwachung hinsichtlich Schadstoffen über weitere Jahre“. Nur so könne sichergestellt werden, dass „wir nicht auch in Zukunft Angst vor den Hinterlassenschaften der Erdgas- und Erdölindustrie haben müssen“.
“Dazu gehöre, so weitere Dorfbewohner und Mitglieder der Anti-Fracking-Gruppe der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, dass die Luftschadstoffmessungen auch außerhalb der Arbeitszeiten und am Wochenende durchgeführt, nachvollziehbar aufgezeichnet und öffentlich zugänglich werden. Eine weitere Messstelle sei auch im Dorf einzurichten2, so Francis Althoff.
Ansprechpartner für diese PM:

Francis Althoff, Mob. 0170 939 4684
Bernd Ebeling, Mob. 0171 501 1762

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