Transmutationsforschung – die Atomlobby sucht neue Arbeitsfelder


Unter dem Titel “Strahlentherapie für Atommüll” berichtet die Frankfurter Rundschau sehr positiv über die Transmutationsforschung: “Wenn sie Erfolg haben, löst sich das Endlager-Problem von allein: Frankfurter Physiker arbeiten daran, hochgiftigen, strahlenden Atommüll aus Kernkraftwerken unschädlich zu machen. Sie wollen die Lagerdauer von Uran verkürzen.”(5.4.12)

Dazu passt als Warnung eine Pressemitteilung der BI “Müll und Umwelt” e.V. aus Eggenstein/Karlsruhe , die wir in leicht gekürzter Form hier dokumentieren:

Mit tatkräftiger Unterstützung des grünen Umweltministeriums Baden- Württemberg hat das Institut für Transurane (ITU) am 23.3. 2012 nun auch noch den gemeinderätlichen Segen für die Weiterentwicklung von Brennstoffen für die 4. Generation von Atomkraftwerken erhalten.

Ein grüner Umweltminister genehmigt dem ITU die Fortsetzung ihrer atomfreundlichen, die Umwelt verseuchenden und gefährdenden Arbeit und setzt dabei auch noch auf Freiwilligkeit:

Es heißt zwar:

„Diese Selbstverpflichtung sieht ausdrücklich vor, dass die Mitwirkung des ITU an der Entwicklung von Generation-lV-Reaktoren (auch: Brennstoffentwicklung) ausgeschlossen wird.“

Aber es heißt auch:

„Schwerpunkt liegt auf Verfahren zur Reduzierung der Mengen und der Radiotoxizität hoch radioaktiver Abfälle, indem die langlebigen Nuklide abgesondert und zu Brennstoffen und Targets für die Transmutation verarbeitet werden.“ (Institute for Transuranium Elements, 12.03.2012, in einer Selbstdarstellung)

Und diese neuen Brennstoffe ermöglichen dann die Weiterführung der Atomwirtschaft, ohne sie gebe es keine Generation-IV-Reaktoren.

Die alten Genehmigungen gelten weiter, sie werden nur durch eine freiwillige Selbstbeschränkung des ITU begrenzt. So darf weiter mit
großen Mengen an Plutonium und Uran und nun neu auch noch mit 350 Kilogramm genehmigten Thorium hantiert werden.

Das gesamte Mediation- und Genehmigungsverfahren verlief von Seiten des ITU und nun auch des Umweltministeriums unter dem Deckmantel der so genannten Sicherheitsforschung in Atomanlagen. Diese wird aber in Deutschland nicht mehr benötigt, da wir 2022 aus der Atomenergie aussteigen und die direkte Endlagerung beschlossen haben. Alles, was das ITU forscht und forschen will, betrifft also nicht die energiewirtschaftlichen und damit auch wissenschaftlichen
Erfordernisse Deutschlands.

Die von einer grün-roten Landesregierung erteilte Genehmigung ist eine Gefälligkeitsgenehmigung, ein Kotau vor der immer noch starken Atomlobby in Deutschland und Europa. Noch schlimmer, sie ermöglicht mit unseren Steuergeldern die Renaissance der Atomwirtschaft – mit allen ihren verheerenden gesundheitlichen, wirtschaftlichen und
gesellschaftlichen Folgen einschließlich der nie auszuschließenden militärischen Nutzung. Sie stärkt damit darüber hinaus auch noch die mit 500 Wissenschaftlern völlig falsche Forschungsausrichtung des KIT- Nord (ehemals Forschungszentrum Karlsruhe) an der 4. Generation und der Fusion.

Von der neuen Landesregierung hätten wir eine andere Haltung erwartet, die eine nachhaltige Forschung in Sachen regenerativer Energieformen, energiesparender Systeme und optimierter Endgeräte erwartet. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt müsste jetzt auch der ‚sichere Einschluss‘ oder der Abriss unserer Atomreaktoren in den nächsten Jahrzehnten sein. Stattdessen wird der Irrweg der Forschung an einer neuen Generation von Atomreaktoren (die nichts anderes als die alte Plutoniumwirtschaft beinhaltet und deren Akzeptanz fördern soll) mit Erlaubnis und Segen eines grünen Umweltministers und einer grünen Wissenschaftsministerin fortgesetzt, wie auch das ITU erkannt hat:
“ITU JETZT MIT ÖKO-SIEGEL” – so auf ihrem Schwarzen Brett zu lesen.

BI „Müll und Umwelt e.V.“, 28.3.2012

Wolfgang Oberacker, Gruppe gegen Atomenergie, Gellertstr. 12 D-76344 Eggenstein/Karlsruhe
Tel 0049-0721-706002
Fax 0049-0721-7818622
info@oberacker.de

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Musterbeispiel für eine verfehlte Atommüllpolitik, jedoch als möglicher Standort bei der Endlagersuche fortgeschleppt:

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So, wie in Gorleben, geht es eben nicht!


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