Japanische Delegation im Wendland

Bald zwei Jahre ist es her, dass Vertreter der Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) Japan und insbesondere Fukushima besucht haben. Nun kam eine japanische Delegation für mehrere Tage ins Wendland. Überschattet war ihr Aufenthalt von der Hochwasserkatastrophe, traumatisch für Menschen, die von den Folgen eines Tsunamis und eines Super-Gaus betroffen waren.

Juni 2013: Delegation japanischer Anti-Atom-Aktivisten in Gorleben

Juni 2013: Delegation japanischer Anti-Atom-Aktivisten in Gorleben

Chieko Shiina, Bio-Bäuerin aus Fukushima, hat nach der Nuklearkatastrophe ihre Existenzgrundlage verloren. Sie widmet sich fortan voll und ganz dem politischen Kampf für den Atomausstieg und der Einrichtung einer selbst verwalteten Krankenstation, weil von offizieller Seite die Folgen der radioaktiven Verseuchung heruntergespielt werden. Im Gepäck hat sie Zeitungsberichte und Bilder über ein großes Kinderfest in Fukushima: “Das soll Normalität suggerieren”, sagt sie. Rund 40% Kinder seien jedoch von Schilddrüsen-Anomalien betroffen. Die Ärzteorganisation IPPNW ging im März auf einer Pressekonferenz davon aus, dass es zusätzliche 117.000 Krebsfälle durch Fukushima geben könnte. Da offiziell die Strahlenfolgen ignoriert werden, sei die selbst verwaltete Krankenstation, für die die BI Spendengelder sammelt, eine wichtige Hilfsmaßnahme.

Dass in Japan die Menschen weiterhin massenhaft gegen das Wiederanfahren der Atomkraftwerke auf die Straße gehen, wussten Shiina und Yosuke Oda zu berichten. Yosuke Oda ist der Vorsitzende der Nationalkonferenz für die sofortige Abschaltung aller Atomkraftwerke (NAZEN). So kamen zuletzt Anfang Juni über 80.000 Menschen in Tokio zusammen. Im Fokus ihrer Kritik steht die Politik des Premierministers Shinzō Abe, der die Unterhauswahlen am 16. Dezember 2012 gewann. Paradox sei, so die Gäste, dass trotz der Nuklearkatastrophe die Liberaldemokratische Partei die Wahlen für sich entscheiden konnte und mit Abe ein Atomkraftbefürworter zum Premier ernannt wurde. Die Aktivisten berichteten, dass im Gegenzug die Vernetzung der Aktivisten in Japan immer besser funktioniere. Großen Anteil daran hat NAZEN. Gegründet nach dem Super-Gau in Fukushima ist NAZEN ein Dachverband für über 700 kleinere Initiativen.

“Uns geht es um eine weitere internationale Vernetzung und den persönlichen Kontakt zu deutschen Aktivisten. Hintergrund ist, dass AKW-Gegner auf der ganzen Welt gegen international operierende Konzerne kämpfen und es nur durch eine gute Vernetzung untereinander möglich ist, dieser Übermacht entgegen zu treten”, sagte Oda auf einer Info-Veranstaltung der BI im Dannenberger Ost-Bahnhof.

Ein reger Austausch von Informationen und Meinungen gehörte zum Besuchsprogramm. Ursprünglich wollten die japanischen Gäste auch mit nach Magdeburg zum Prozessbeginn gegen Atomkraftgegner aus dem Wendland trecken, doch erst kam das Hochwasser, dann wurde der Prozess vertagt. Buchstäblich ins Wasser fiel auch ein Besuch beim Gartower Fotojournalisten Alexander Neureuter, der im Mai drei Wochen lang in Japan war und zahlreiche Interviews geführt hat. Allerdings waren sie bei der Montags-Mahnwache in Dannenberg und bei Übergabe der BI-Petition gegen das Endlagersuchgesetz in Berlin dabei, die Atommülllagerung, so Oda, würde in Japan überhaupt nicht thematisiert. Brennend interessierten sie sich auch für die Frage “Wie weiter nach der Atomkraft”. Die Tatsache, dass im Wendland schon mehr Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen als verbraucht wird, wurde bei einer Besichtigung der Windkraftanlagen in Klennow mit Begeisterung aufgenommen und sollte Mut machen, diese Techniken auch in Japan voran zu treiben.

“Auf jeden Fall möchten wir den Kontakt aufrecht erhalten”, betonten Kerstin Rudek, Martin Donat und Lennart Müller seitens der BI.

Am 14. März 2015 wird in Dannenberg/Elbe im Gedenken an die Reaktorkatastrophe für Atomausstieg weltweit demonstriert. (Siehe Termine)

NDR zu 40 Jahre

Martin Donat im Interview, Beitrag zu 40 Jahre Gorleben:

Neuer Flyer

Abschalten!

KLP 2017

Camp & Festival

Internationalistisches Anti-Atom-Sommercamp und Free Flow Festival in Gedelitz am 7.-16. August 2017

Atomtransporte…

...rollen regelmäßig durchs Wendland. Eine Stellungnahme der BI.


Gorleben-Fachexpertise

Musterbeispiel für eine verfehlte Atommüllpolitik, jedoch als möglicher Standort bei der Endlagersuche fortgeschleppt:

Aus Gorleben kann viel gelernt werden.
So, wie in Gorleben, geht es eben nicht!


Neun Experten nehmen Stellung.

Kommission am Ende