BLOG

Kundgebung in Lüchow am Tag nach der Wahl in Sachsen-Anhalt

Liebe Antifaschist:innen und Demokrat:innen,

mein Name ist Timo Moccaldi, ich bin Grüner und lebe im Wendland. Ich habe sieben Jahre für die Grünen in der sachsen-anhaltischen Landespolitik gearbeitet und stehe unter dem erschütternden Eindruck meines Besuchs am Wochenende in Magdeburg.
Das Wochenende begann vielversprechend: Am Samstag war ich gemeinsam mit 15.000 Menschen auf dem Domplatz bei einer Kundgebung für Demokratie. Das habe ich in meiner ganzen Zeit in Magdeburg nicht gesehen – etwas ein Drittel davon kam laut kleiner Abstimmung aus anderen Teilen der Republik, so viel Solidarität – bekannte Bands waren da, es war alles angerichtet für ein Fest der Demokratie. Meine Hoffnung war geweckt.
Um den Einzug in den Landtag zu schaffen hatten wir Grüne im Wahlkampf Unterstützung von mehr als 1000 Freiwilligen aus dem ganzen Bundesgebiet. Diese Solidarität war eine Zutat zum besten Ergebnis, das wir je in Ostdeutschland hatten. Doch, was nutzt es?

Was nutzt es, wenn der blaue Balken bei fast 44 Prozent steht und die Faschisten mit dem BSW eine Mehrheit haben und regieren werden? Zumindest sieht es derzeit danach aus. Was nutzt es, wenn Demokrat:innen nicht mehr die Hälfte der Stimmen im Landtag haben?

Heute nach einer schlechten Nacht, am Morgen nach der Landtagswahl, bin ich in Magdeburg bei Freunden aufgewacht. Mir ging die Rede von Marina Weisband durch den Kopf, die sie zum 80. Befreiungstag des KZ Buchenwald hielt: Ich zitiere:

„Wenn der Faschismus kommt, scheint noch immer die Sonne. Die Vögel singen. Sie gehen zur Arbeit. Alles ist normal.“

Heute Morgen war der Himmel grau, Vögel waren nicht zu hören, aber draußen vor der Tür war in der Tat alles normal: Meine Freund:innen verließen das Haus gingen zur Arbeit. Ein paar Meter weiter wurde in der Straße ein Gartenzaun aufgebaut. Die Straßenbahnen fuhren, Menschen gingen ihrem Alltag nach.

Doch zurück zur grünen Wahlveranstaltung: Menschen aus der queeren Community berichteten mir von ihrer landesweiten Chatgruppe. Gestern Abend sagten darin zwei Drittel, sie wollen das Bundesland verlassen. Sie verlieren ihre Heimat.

Das wird nicht die einzige Gruppe sein, die das Bundesland verlassen wird. Auch Freunde von mir sind zu großen Teilen ratlos, was sie tun sollen, überlegen zu gehen, oder zu bleiben.  Menschen haben Angst. Denn, so Marina Weisband weiter in ihrer Rede:

„Trans Menschen verlieren ihre Rechte. Und Asylsuchende. Und Immigranten. Und Behinderte. Und Muslime. Und Juden. Und linke Journalisten. Und dann andere Journalisten. Und ich. Und Sie. Und niemandem ist mehr klar, wann es eigentlich zu spät wurde.“

Wir wissen noch nicht, wie schlimm es in Sachsen-Anhalt werden wird. Das Wahlprogramm der AfD lässt es vermuten. Lassen sie taktische Zurückhaltung walten, ob der Bundestagswahl 2029 und der anstehenden Landtagswahlen bis dahin?

Ich bin mir jedoch sicher, dass die AfD versuchen wird, ähnliche Ergebnisse einzufahren und aus dem Landtagswahlkampf mit ihrem fascist poster boy Siegmund Lehren ziehen.

Wir Demokrat:innen hingegen dürfen uns nicht auseinanderdividieren lassen, sondern müssen gemeinsame, bessere und erfolgreichere Wege gegen den Faschismus finden. Ich möchte euch dazu ein Beispiel aus Sachsen-Anhalt mitgeben:

Die Kampagne der Grünen war auch erfolgreich, weil wir uns sich nicht zurückgezogen und Veranstaltungen in geschlossene Mehrzweckhallen verlegt haben, sondern offensiv auf Menschen zugegangen sind. Alle Demokrat:innen sollten genau das gemeinsam machen – noch offensiver mit Kolleg:innen am Arbeitsplatz, in Gemeinschaften, im Freundes- und Familienkreis zu diskutieren, zu sprechen, und versuchen, die die verunsichert sind, die noch nicht verloren sind, sondern wankelmütig, auf demokratischen Boden zurückzuholen oder sie zu überzeugen dort zu bleiben. Ja, ich weiß das ist verdammt anstrengend aber notwendig.

Redet mit ihnen, überzeugt sie vor allem, dass faschistische Politik nicht „nur“ einzelnen Gruppen schadet, sondern im Sinne von Marina Weisband, am Ende immer, wirklich immer auch ihnen selbst!

Wir kämpfen gemeinsam weiter für die Demokratie! Vielen Dank, dass ihr heute da seid. In diesem Sinne: Keine Angst, keine Angst, keine Angst! Danke.

Die Rede hat Timo gehalten am 7.9.2026 vor dem Gildehaus in Lüchow

Avatar-Foto

Timo Moccaldi

Timo ist Kreisgeschäftsführer von Bündnis 90 / Die Grünen im Wendland.

Kontakt

Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.
Rosenstr. 20, 29439 Lüchow
Tel. 05841-4684
FAX: 05841-3197
buero[ätt]bi-luechow-dannenberg.de

Öffnungszeiten

Montag-Mittwoch 10.00h - 15.00h
Donnerstag 12.00-18.00h
Freitag & Samstag geschlossen

Unser Spendenkonto

IBAN: DE 24 2585 0110 0044 0607 21
BIC-Nummer: NOLADE21UEL