Endlagersuche nur Behördensache?

BI fordert Beteiligung der Zivilgesellschaft von Beginn an

Bei der Endlagersuche ist die Abfrage geologischer Daten durch die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) auf geologische Landesämter und – sollten diese unvollständig erscheinen, auf wissenschaftliche Einrichtungen beschränkt. Das teilt die Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen mit (Bundestagsdrucksache 19/02055).

Derzeit trägt die BGE geologische Daten zusammen und will in einem ersten Schritt Regionen ausschließen, die den gesetzlich festgelegten Mindestanforderungen für die Errichtung eines nuklearen Endlagers für insbesondere hoch radioaktive Abfälle nicht entsprechen.

Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) beharrt darauf, dass auch aus der Zivilgesellschaft derartige Daten an die BGE übermittelt werden können. Der zuständige Leiter der BGE-Abteilung, Dr. Jörg Tietze, hatte sich nach Aussagen der Bürgerinitiative offen dafür gezeigt. Auf einer Tagung des Nationalen Begleitgremiums zu diesem Thema war sogar die Rede davon, ob es eine Plattform für Whistleblower aus den Landesbehörden geben sollte, damit wichtige Daten nicht zurückgehalten werden, um auf diesem Weg ein Bundesland bei der Endlagersuche herausfallen zu lassen.

„Ein solches Misstrauen ist auf dem Hintergrund der trickreichen und lügenhaften Gorleben-Geschichte nachvollziehbar“, so BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. „Wir werden jetzt an das niedersächsische Umweltministerium herantreten mit der Aufforderung, der BGE unser Wissen zu historischen Tiefbohrungen aus der Zeit des Kalifiebers vor 100 Jahren zu übermitteln, denn gerade im Bereich Vietze und Brünkendorf gab es Tiefbohrungen ins Salz, die nicht korrekt oder gar nicht verschlossen wurde. Das gleiche gilt für Gasbohrungen im Raum Lenzen zu Zeiten der DDR.“

Das ist gut dokumentiert in dem Beitrag des Kulturhistorikers Ulrich Reiff.

Auf diesem Weg, so die Hoffnung der Gorleben-Gegner, wird das endlich auch aktenkundig. „Zusammen mit der Tatsache, dass es einen Einbruchsee auf der anderen Elbseite gibt, der über dem Salzstock Gorleben-Rambow liegt, wird hoffentlich auch klar, dass Gorleben schon im ersten Schritt rausfallen muss.“

Wolfgang Ehmke, Pressesprecher, 0170 510 56 06

Nachtrag:

Der Kulturhistoriker Dr. Ulrich Reif stieß bei seinen Recherchen zum “Kalifieber” zu Beginn des letzten Jahrhunderts darauf, dass wenigstens fünf Bergbaugesellschaften zwischen 1907 und 1929 “mindestens acht Tiefbohrungen auf Kali bzw. Erdöl direkt im Bereich der Salzstruktur Gorleben-Rambow oder in deren unmittelbarer Nachbarschaft” niedergebracht hatten.

Teufen von 481, 840 und 1035 Metern wurden erreicht. Dabei wurden Bohrlöcher nicht ordnungsgemäß verfüllt, Reiff fand zum Teil chaotische Zustände vor, so blieb u.a. wegen Insolvenzen das Bohrgestänge in den Bohrlöchern. Schon damals, so schließt Reiff aus den historischen Protokollen aus dem Jahr 1907, warnten Revierbeamte und Bergamt vor der “großen Gefahr durch eindringendes Wasser”.

Dass auch in den 60er Jahren Tiefbohrungen in den Salzstock Gorleben bei der Suche nach großen Trinkwasservorräten vorgenommen wurden, hatte im Juli 2009 der Hydrogeologe Prof. Dr. Dieter Ortlam bestätigt. Dabei wurden 150 Bohrungen bis zu 600 Meter Tiefe vorgenommen.

siehe: Franfurter Rundschau vom 02.09.2009, Experte Dieter Ortlam: Geologen waren gegen Gorleben (archiviert auf castor.de)

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