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BI bleibt wachsam – wir messen selbst

Strahlenquelle Zwischenlager

KOMPAKT
  • Die Fachgruppe Radioaktivität misst mit einem eigenen Messgerät seit Mitte 2026 die Radioaktivität um das Zwischenlager selbst
  • Weitere Messungen in der Region und an "verdächtigen" Gegenständen sind geplant
  • Ideen und Feedback gerne an fachgruppe_radioaktivitaet@bi-luechow-dannenberg.de

Die Betreiberin BGZ hat die Verlängerung der Zwischenlagerung in Gorleben um weitere 20 Jahre beantragt – und da ein zentrales Endlager weiterhin in weiter Ferne liegt, werden die CASTOR-Behälter wohl weitere 100 Jahre in der bestehenden Halle verbleiben. Ohne nennenswerte bauliche Veränderungen und damit weitgehend ungeschützt vor aktuellen Drohnen- oder Terrorangriffen.

Vor diesem Hintergrund hat die Fachgruppe Radioaktivität der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg ein aktuelles Gammaspektrometer angeschafft, um die Strahlenbelastung vor Ort selbständig überprüfen zu können. Die folgenden Abschnitte stellen die aktuelle Emission des Zwischenlagers in Bezug zur Belastung durch natürliche Quellen. Anschließend werden ersten Messungen präsentiert, die rund um das Zwischenlager Gorleben und das ursprünglich als Endlager geplante, daneben liegende Salzbergwerk durchgeführt wurden.

Strahlenquelle Zwischenlager

In Brennelemente-Zwischenlager Gorleben (BZG) befinden sich seit 2011 insgesamt 113 Behälter mit hochradioaktivem Abfällen, darunter 5 Behälter mit abgebrannten Brennelementen aus den Atomkraftwerken Neckar-Westheim, Philippsburg und Gundremmingen, und 108 Behälter mit in verglasten Abfällen aus der Wiederaufbereitungsanlage La Hague. Das Zwischenlager und die CASTOR-Behälter selbst wurden für 40 Jahre gebaut und genehmigt. Die Genehmigung ist befristet bis Ende 2034, eine Verlängerung um 20 Jahre wurde von der Betreiberin bereits beantragt.

Teil der Genehmigungsauflagen ist das Einhalten einer maximalen zusätzliche Strahlenbelastung von 0,3 Millisievert/Jahr (mSv/a) am Anlagenzaun. Im Rahmen der kontinuierlichen Umgebungsüberwachung führt die BGZ hierzu Messungen an definierten Messpunkten durch und veröffentlicht diese jeweils im "Jahresbericht Umgebungsüberwachung".

Aus den detaillierten Darstellungen im Jahresbericht 2025 ist erkennbar, dass die Jahresdosis am Werkzaun mit Beginn der Castor-Einlagerung und abhängig von der Anzahl eingelagerter Behälter kontinuierlich ansteigt, spätestens jedoch seit Erreichen der max. Anzahl von 113 CASTORen im Jahr 2011 bis heute wieder, wie zu erwarten, um ca. 3% pro Jahr natürlich abklingt. Quantitativ betrachtet bleibt der gemessene Wert mit aktuell 0,12 mSv/a deutlich unterhalb des maximal genehmigten Grenzwerts von 0,3 mSv/a. Wichtig zu erwähnen ist, dass die gemessene Ortsdosisleistung nahezu ausschließlich auf Neutronen zurückgeht, wohingegen aus den Castoren austretende Gamma-Quanten spätestens durch den Erdwall innerhalb Betriebsgeländes wirksam abgeschirmt werden.

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Bild 1) Zeitlicher Verlauf der Jahresdosis am Werkzaun des Zwischenlagers Gorleben im Bezug zur Behälteranzahl, aus: BGZ Jahresbericht Umgebungsüberwachung Gorleben 2025

Natürliche Strahlenbelastung

Im Vergleich dazu beträgt die gesamte natürliche Strahlenexposition eines Menschen in Deutschland durchschnittlich 2,1 Millisievert im Jahr. Je nach Wohnort, Ernährungs- und Lebensgewohnheiten reicht sie von 1 mSv bis 10 mSv. Quelle: bfs.de.

Dazu zählen vermeidbare oder zumindest bewusst in Kauf genommene Belastungen wie das Rauchen, häufige Langstreckenflüge oder der Verzehr von teils noch immer belasteten Pilzsorten infolge der Tschernobyl-Katastrophe von vor über 40 Jahren. Auch koninuierlich aus dem Untergrund austretendes Radon-Gas erhöht die äußere Strahlenbelastung für Menschen in den betroffenen Regionen teils deutlich.

Der Landkreis Lüchow-Dannenberg zählt dabei zu den Regionen mit sehr geringer äußerer Strahlenbelastung. Diese liegt aufgrund der typischen Bodenbeschaffenheit bei deutlich unter 1 mSv/a, während sie in Regionen mit granitreichen Böden (z.B. Harz, Schwarzwald) um ein Vielfaches höher liegen kann.

Zahlreiche Messstationen überwachen bundesweit kontinuierlich die äußere Strahlenbelastung und sind öffentlich einsehbar. Als Beispiel nahe Gorleben ist die Messstation in Gedelitz zu nennen.

BI bleibt wachsam

Wie hinlänglich bekannt hat die Betreiberin BGZ den Antrag auf die Verlängerung der Zwischenlagerung in Gorleben um weitere 20 Jahre bereits eingereicht. Da das geplante zentrale Endlager unverändert in weiter Ferne ist, ist damit zu rechnen, dass CASTOR-Behälter samt Zwischenlagerhalle sich weitere 100 Jahre hier in Gorleben befinden werden. Nach aktueller Planung ohne jegliche bauliche Änderungen, und damit kaum geschützt gegen Drohnen- und Terrorangriffe von außen. Daher die zentrale Forderung der BI nach zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen für alle bundesweiten Zwischenlager. Kein einfaches "Weiter so" - die BI ist nicht gegen Zwischenlager, sie ist für stärkere Sicherung der Zwischenlager.

Eine weitere Forderung ist das Etablieren einer kontinuierlichen und transparenten Überwachung von Zwischenlagergebäude und CASTOR-Behältern auf Alterungsprozesse und mechanische Instabilität. Zwar ist nicht zu erwarten, dass das die Strukturen im Inneren der Behälter plötzlich mechanisch versagen - dennoch sind schleichende Instabilitäten vorstellbar, die frühzeitig erkannt werden müssen, um im Rahmen eines Notfall- und Reparaturkonzepts rechtzeitig gegensteuern zu können. Während erste Schritte in Richtung eines kontinuierlichen Monitorings der Behälter und ihres Inneren über ortsaufgelöste Gamma-, Neutronen- und Temperatur-Messungen im Rahmen von Forschungsvorhaben unterwegs sind, liegt besagtes Notfall- und Reparaturkonzept leider noch in weiter Ferne.

Neu: Gamma-Spektrometer

Vertrauen ist gut, Wachsamkeit ist besser - aus genau diesem Grund hat die BI sich entschlossen, ein aktuelles Gamma-Spektrometer anzuschaffen und der Fachgruppe Radioaktivität bereitzustellen. Ziel: Überwachung der Ortsdosisleistung an ausgewählten Stellen in der Region sowie Ortung und Identifizierung möglicher radioaktiver Quellen. Das Spektrometer misst dabei die Energie und Intensität von Gammastrahlung, die von natürlichen oder künstlichen Radionukliden ausgeht. Damit lässt sich sowohl sich die natürliche Hintergrundstrahlung bestimmen, als auch bei lokalen Anomalien klären, ob diese auf natürliche Quellen (z.B. Granitg) oder künstliche Kontaminationen (z.B. durch Unfälle oder Ablagerungen) zurückgehen. Besonderheit eines Spektrometers ist dabei, dass über das Energiespektrum der Gammaquelle einzelne Nuklide identifiziert werden können, so z.B.

  • 40K als natürliches, auch im menschlichen Körper und der Nahrum vorkommendes Kalium-Isotop
  • 137Cs als Cäsium-Isotop und Zerfallsprodukt der Kernspaltung und Hauptverursacher europaweiter radioaktiver Belastung nach der Katastrophe von Tschernobyl
  • 232Th als am häufigstes Thorium-Isotop, welches in Granitgestein enthalten ist und sich dort anhand seiner Zerfallsprodukte nachweisen lässt
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Bild 2 a) Gammaspektrometer Radiacode 110

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Bild 2 b) Die Platzierung des Geräts am Knöchel verbessert die Erkennung bodennaher Strahlungsquellen

Test: Granit im Garten

Als Testanordnung für die Ortung und Identifizierung radioaktiver Quellen dienten Granitsteine im heimischen Garten (Bild 3 a). Umgeben von Granit ergab sich eine Ortsdosisleistung am Spektrometer von immerhin 250 nSv/h, gleichbedeutend mit ca. 2.2 mSv/a, also ca. das dreifache der natürlichen Hintergrundstrahlung von 0.7 mSv/a in unserer Region.

In Bild 3 b) das sich ergebende Gamma-Energiespektrum nach 7 h Messzeit. Die violett überlagerten Linien identifizieren eindeutig Isotope der Thorium-Zerfallsreihe - der große mittige Peak zeigt 40K.

Kurz: das Gerät funktioniert.

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Bild 3 a) Messanordnung: Umgeben von Granit

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Bild 3 b) Ergebnis: Granit-Spektrum nach 7 h Messzeit mit Zerfallslinien der Thorium-Zerfallsreihe

Erster Einsatz: Sonntagsspaziergang

Die jeden Sonntag 13:00 stattfindenden, traditionellen Sonntagsspaziergänge bieten die Gelegenheit zu ersten ernsthaften Messungen. Diese finden an geradzahligen Wochen um das Bergwerg des ehemalig geplanten Endlagers, an ungeradzahligen Wochen um das Zwischenlager Gorleben statt. Mit dem Spektrometer am Bein geht es um also im typischen Spaziertempo um die Stätten.

Komfortabel lassen sich nun nicht nur Messwerte aufnehmen, sondern dieselben auch als Messspuren auf der Landkarte darstellen (Bild 4). Klar erkennbar der genommene Weg und, farblich markiert, die zugehörige Ortsdosisleistung. Wichtig für das Verständnis: die farbliche Codierung von grün = Minimum bis rot = Maximum bezieht sich ausschließlich auf die im Bild angegebene Skala in µSv/h. Auch der maximale, rot dargestellte Wert von 0,18 µSv/h liegt bei umgerechnet ca. 1,6 mSv/a noch im Bereich der natürlichen Radioaktivität. Also kein Alarm: Wie spätere Messungen an den Stellen mit der "höchsten" Aktivität zeigen, sind diese unkritisch und mit großer Wahrscheinlichkeit auf natürliche Radioaktivität im geschotterten Weg und/oder Asphalt zurückführbar. Also: insgesamt keine erkennbare und nennenswerte Belastung.

Wichtige Forderung und Grundsatz der BI-Arbeit ist absolute Transparenz gegenüber ihren Mitgliedern und der Öffentlichkeit. So lassen sich die Messpuren nicht nur einfach auf der Landkarte darstellen, sondern über das von Radiacode betriebene Portal auf https://map.radiaverse.com auch mit der Community teilen. Alle von der BI Fachgruppe Radioaktivität veröffentlichten Messspuren sind über diesen Link einsehbar und lassen sich durch Zoomen bis auf den einzelnen Messpunkt hin jederzeit analysieren. Public Science und Service an der Community in Reinform.

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Bild 4) Messspuren um Zwischenlager und Bergwerg, alle Daten öffentlich zugänglich unter https://map.radiaverse.com/users/Fachgruppe_R

Ausblick

Wohin von hier aus? Viele Szenarien und Verbesserungen sind denkbar. Aktuell sammelt die Fachgruppe Radioaktivität der BI Ideen und Anregungen von außen, zur Planung sinnvoller Messaktivitäten. Dazu könnten gehören:

  • Regelmäßige Überprüfung der Umgebungsaktivität am Zwischenlager

  • Überprüfung von Orten, die sich nach der Tschernobyl-Katastrophe als besonders stark belastet erwiesen haben

  • Messungen an Punkten oder Objekten, die von der Community als "verdächtig" oder interessant eingestuft werden. Getrocknete Pilze, alte Uran-Gläser, verdächtige Gegenstände und mehr.

Sendet Feedback und Anregungen bitte an fachgruppe_radioaktivitaet@bi-luechow-dannenberg.de - danke!

Zu guter Letzt verschafft das Messgerät der Bürgerinitiative Handlungsfähigkeit im Falle des Eintretens der Krisensituation, die niemand in der Region heraufbeschwören möchte. Sei es ein Unfall mit radioaktiven Stoffen, das nächste Tschernobyl oder das Austreten von Radioaktivität aus dem in heutigen Krisenzeiten nur unzureichend gesicherten Zwischenlager.

PRESSEMITTEILUNGEN & BEITRÄGE

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Rosenstr. 20, 29439 Lüchow
Tel. 05841-4684
FAX: 05841-3197
buero[ätt]bi-luechow-dannenberg.de

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