Pressemitteilung der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.

Castorlager Gorleben – ein Experimentierfeld

Seit rund 25 Jahren befasst sich Oda Becker mit den Problemen der Zwischenlagerung hochradioaktiver Abfälle und vertritt Umweltverbände und Bürgerinitiativen als Gutachterin. Auf Einladung der Bäuerlichen Notgemeinschaft, der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) und der Rechtshilfe Gorleben referierte die Diplom-Physikerin am Dienstagabend (24. Februar) vor vollem Haus im Dannenberger Ostbahnhof.

Schwerpunkt ihres Vortrags war das Forschungsprogramm der Gorleben-Betreiberin BGZ. „Die BGZ hat sich bewegt“, konstatierte Becker. Das sei erfreulich und mit Sicherheit darauf zurückzuführen, dass die sechzehn Zwischenlager in Deutschland alle deutlich länger vorgehalten werden müssen als ursprünglich gedacht: „Da muss sich also etwas tun.“ Allerdings stehe die BGZ-Forschung erst ganz am Anfang und der Fokus der BGZ sei auf den Normalbetrieb und die Alterungsmechanismen gerichtet, Störfälle spielten kaum eine Rolle und erst recht vermisse sie den Blick auf das Ende der Zwischenlagerzeit: Dann müssen alle Behälter noch einmal bewegt werden, also transportfähig sein und was durch das Hantieren und den Transport im Innern der Behälter ausgelöst werde, habe die BGZ bisher nicht ausreichend im Blick.

BI-Sprecher Wolfgang Ehmke, der die Versammlung moderierte, hakte nach. Die BGZ werde im Sommer den Genehmigungsantrag für die „verlängerte Zwischenlagerung“ stellen, dem Vernehmen nach werde das ein „Zehnzeiler“ sein: „Gorleben ist dann nicht nur die Blaupause, sondern ein Experimentierfeld, wenn die Forschung der BGZ erst in den Anfängen steckt.“

23.2.26 - Oda Becker referiert in Dannenberg. Bild: BI

23.2.26 – Oda Becker referiert in Dannenberg. Bild: BI

Im zweiten Teil des Abends ging Oda Becker auf die Sicherung der Zwischenlager durch eine zusätzliche Mauer ein. Die zehn Meter hohe Mauer, die um die Anlage herum errichtet wird, sei lediglich eine Barriere gegen das Eindringen in die Anlage. Vor allem gegen den Absturz eines Verkehrsflugzeugs und gegen Drohnenangriffe sei die Anlage nicht geschützt. „Die Entwicklung zeigt, dass vermehrt Drohnen über kritischer Infrastruktur gesichtet werden.“ Bestätigt wurde das bekanntlich auch für den Raum Gorleben.

Die Maßnahmen zur Sicherung der Zwischenlager hinkten der bedrohlichen Entwicklung hinterher, so gebe es längst Kampfdrohnen mit Sprengstoff und Brandbeschleuniger, ein Terrorschlag hätte beträchtliche Folgen: unter anderem käme es zu Evakuierungsmaßnahmen mit einer Entfernung von rund 12 Kilometern in Windrichtung. Noch in acht Kilometern Entfernung zum Zwischenlager träten Dosen von etwas mehr als 500 Millisievert auf. Personen, die sich dort aufhielten, hätten mit akuten Strahlenfolgen zu rechnen. Bis zu 800 Metern wären die Dosen mit mehr als sieben Sievert tödlich.

Wolfgang Ehmke, Pressesprecher, 0170 510 56 06

weiteres Material: Vortragsfolien

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