Endlagersuche heute
Bürgerbeteiligung im Zuschauerraum
- Wir fordern: es muss ein Endlagerstandort gefunden werden, der größtmögliche Sicherheit gewährleistet.
- Wird das Endlagersuchverfahren beschleunigt, geht das auf Kosten von Sorgfalt, Qualität und Sicherheit.
- Wir fordern, dass angesichts des weltweiten Atommülldesasters kein weiterer Müll produziert wird und dass eine umfassende und schonungslose „Atommüllbilanz“ gezogen wird.
Das Scheitern des Endlagerprojekts in Gorleben zeichnete sich 2011 ab. Mit dazu beigetragen hatten die anhaltenden Proteste gegen die Castortransporte. Parteien übergreifend wurde deshalb ein Neustart verabredet. 2013 wurde das Standortauswahlgesetz (StandAG) vom Deutschen Bundestag verabschiedet.
Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) als Vorhabensträgerin identifizierte 2020 zunächst rund 50 Prozent der Landesfläche als potentiell geeignet, inzwischen wurde der Suchrahmen auf 25 Prozent heruntergebrochen. Das Jahr 2027 ist vorentscheidend, es werden nur noch wenige Regionen zur obertägigen Erkundung im Rennen bleiben, die Endlagerregionen.
Neu an diesem Verfahren ist, dass der Fokus nicht mehr auf Salz gerichtet ist, Kristallin- und Tonvorkommen spielen eine Rolle. Die vergleichende Suche soll wissenschaftsbasiert und transparent sein, Rücksprünge seien möglich.
Bereits 2031 sollte ursprünglich ein Standort für eine Atommülldeponie benannt werden. Inzwischen ist klar, es wird mindestens 30 Jahre länger dauern – mit Rückwirkungen auf die Zwischenlagerung hochradioaktiver Abfälle. Bisher ist auch das Wendland noch im Suchverfahren, weil wir von vier Tongebieten berührt sind, die als potentiell geeignet eingestuft wurden.
Wir kritisieren u.a., dass es kein Konzept gibt, wie mit den schwach- und mittelaktiven Abfällen umgegangen wird. Selbst wenn der Schacht KONRAD bei Salzgitter für diese Abfälle in Betrieb gehen würde, was zu bezweifeln ist, müssten wahrscheinlich noch einmal 300.000 Kubikmeter Atommüll unter die Erde. Doch das Suchverfahren konzentriert sich auf den Umgang mit hochradioaktiven Abfällen.
27.000 Kubikmeter sind angefallen aus dem Betrieb der Forschungs- und Leistungsreaktoren angefallen, rund 1.900 Castorbehälter müssen unter die Erde.
Kritik entzündet sich aktuell an dem „Beschleunigungskonzept“, das Gesetz soll novelliert werden, die ober- und untertägige Erkundung zusammengelegt und vermutlich soll auf das Auffahren eines Bergwerks zur Erkundung verzichtet werden, um Zeit zu gewinnen. Eine geowissenschaftliche Begründung ist das nicht und das kann darauf hinauslaufen, dass auf Kristallin und Salzstöcke am Ende verzichtet wird.
Kaum Zeit wird die Zivilgesellschaft in den betroffenen Regionen haben. Für einen Nachprüfauftrag der BGE-Ergebnisse im Rahmen der neu einzurichtenden Regionalkonferenzen bleiben schlappe sechs Monate: Begreifen, dass man in einer prospektiven Endlagerregion lebt, sich organisieren, klären, ob und wer in der Regionalkonferenz mitwirken möchte, wer einen Nachprüfauftrag bekommen soll: die Zeit läuft davon.
Wir treten vor allem dafür ein, dass angesichts des weltweiten Atommülldesasters kein weiterer Müll produziert wird und dass eine umfassende und schonungslose „Atommüllbilanz“ gezogen wird. Die Brennelementefabrik in Lingen und die Urananreicherungsanlage in Gronau sind bekanntlich vom Atomausstieg ausgenommen und produzieren weiter Müll. Der Atomausstieg muss vollendet werden.
PRESSEMITTEILUNGEN & BEITRÄGE
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