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16. April: 40 Jahre Tschernobyl – „Tanz den SuperGAU“ – Lesung und Information

Wieder so ein Jahrestag, ein ganz schrecklicher – am 26. April 1986 kam es zur Katastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl. Das ist mittlerweile 40 Jahre her. Der SuperGAU war einer dieser Unglücksfälle, die zu einem Umsteuern in der Atompolitik führten. Nach dem Tsunami in Japan und der nächsten Katastrophe in Fukushima vor 15 Jahren war es dann aus mit der Atomkraft.

Schon lange Jahre vor dem 26. April 1986 hatte sich Wolfgang Ehmke in der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg engagiert. Der GAU in Tschernobyl inspirierte ihn zu seinem Buch „Tanz den Super-GAU“, das war 2020 in einer leicht überarbeiteten Version neu erschienen. Doch die Präsentation fiel der Corona-Pandemie mit ihren Einschränkungen zum Opfer – es ist trotzdem noch top-aktuell.

In „Rotland“ kommt es zu einem SuperGAU. Der hiesige Staatspräsident ist genervt. Ständig protestieren die Staatsfeinde gegen die Atomkraft – am geplanten Endlager in Überall oder am Atomkraftwerk in Anderswo. Aber die Propagandamaschine läuft. Polizisten mischen sich incognito unter die Demonstrierenden und sorgen für Gewalteskalationen. Der befreundete Journalist bei der ZEITUNG, also die mit den Fetten Buchstaben, sorgt dann dafür, dass die Demonstranten pauschal als Chaoten diffamiert werden. Schließlich soll in Anderswo doch noch ein zweiter Kraftwerksblock gebaut werden.

Dann melden erste Quellen in Nordland, dass es in Rotland einen großen Atomunfall gegeben habe.

Die eilig einberufenen Experten sind sich einig:

„In Rotland wird es einige Tausend Tote geben. Bei uns geht es glimpflicher ab… Problematisch sind Milch und Milchprodukte und alle Blattpflanzen, vor allem nach dem ersten Regen… Ich schlage die Sprachregelung ‚Keine Gefahr – vorbeugende Maßnahmen‘ vor, ergänzte Remm seinen Vortrag. Ich will hier nicht weiter ins Detail gehen, aber zwei Dinge sind klar: Erstens, wir können der Gefahr nicht ausweichen, deshalb ist sie keine. Und zweitens, wir sind besorgt und sorgen für einige Verhaltensmaßregelungen.“

 Noch bevor die Bevölkerung davon erfährt, treffen sich kurze Zeit später einige der Honoratioren wieder im Supermarkt und kämpfen um die letzten Paletten mit H-Milch. Währenddessen läuft die gezielte Kampagne der ZEITUNG an. Erstmal Angst machen und nach ein paar Tagen feststellen, dass es gar nicht so schlimm ist. Blöderweise tritt dann nach einem Unfall aber auch noch am eigenen Atomkraftwerk in Anderswo radioaktive Strahlung aus – und lässt sich nur mit großen Mühen als Teil der rotländischen Atomwolke ausgeben.

Die Demonstrationen machen härtere Maßnahmen notwendig. Ganz zufällig fällt während der Fußball-Weltmeisterschaft im ganzen Land kurzfristig der Strom aus, und quasi direkt im Anschluss verkündet der Staatspräsident, dass sich das in Zukunft nur mit dem Bau des zweiten Kern-Reaktorblocks vermeiden ließe. Geht doch. Aber dass sich angesichts der Unfähigkeit einiger Akteure überhaupt noch Ordnung aufrechterhalten lässt, ist teilweise wohl eher dem Zufall geschuldet.

Das liest sich gut und flott. Wer 1986 schon alt genug war, wird die Umstände wiedererkennen. Wer heute alt und aufmerksam genug ist, wird einige Vorgehensweisen wiedererkennen.

Egal, um was für eine Katastrophe es geht. Die Darstellung der Figuren und der Hintergründe ist so grotesk, dass sie schon wieder lustig ist, und auch in der gegenwärtigen Zeit ist „Tanz den Super-GAU“ eine gute Lektüre.

Doch trotz des Atomausstiegs im April 2023 versiegt die Debatte um die Atomkraft im Lande nicht. Weltweit sowie so nicht… Es geht um die KI, den Energiehunger, niedrige Strompreise – nicht um die Risiken der Atomkraft und den Müll.

Jürgen Kramer / Radio ZuSa

Wolfgang Ehmke liest aus seiner Groteske „Tanz den SuperGAU“ und Dr. Elke Schrage informiert über das, was heute im Krieg rund um Tschernobyl und Saporischschja in der Ukraine geschieht.

Donnerstag, 16. April um 16 Uhr im K. (Punkt) Kulturladen, Langestr. 49 in Lüchow

Wer kann, bringt einen Klappstuhl mit, die Hutkasse für den kleinen Laden geht rum

„Tanz den Super-GAU“ ist im BI-Büro erhältlich, 8,90 Euro