Castorlager

dsc00363Bei dem Zwischenlager handelt es sich um eine oberirdische Hallenkonstruktion, in dem CASTOR-Behälter für Jahre zwischengeparkt werden.

Eigentümer der Anlage ist die Brennelementlager Gorleben GmbH (BLG), ein Tochterunternehmen der GNS, die sich im Besitz der Energieversorgungsunternehmen befindet.

Sowohl die bestrahlten Brennelemente als auch die HAW-Glaskokillen werden trocken in gasgefüllten Behältern (“CASTOR”) aufbewahrt. Die Wärmeabfuhr aus der Lagerhalle erfolgt mittels Belüftungsöffnungen im unteren Teil der Wände und Entlüftungsöffnungen im Dachbereich. Die Außenwände sind zum unteren Bereich hin von 20 cm Dicke auf 50 cm verstärkt, um eine erhöhte Strahlenabschirmung zu erreichen. Eine Filterung der Abluft ist nicht vorgesehen. Eine Be- oder Entladung bzw. eine Be- oder Verarbeitung der Brennelemente oder der HAW-Glaskokillen soll in Gorleben nicht stattfinden. Im Innern der Lagerhalle werden die einzelnen Lagerbehälter einfach auf vorbestimmte Plätze gestellt.

Einlagerungsgenehmigung

Im TBL Gorleben dürfen maximal 3.800 Tonnen Kernbrennstoff in Form bestrahlter Brennelemente aus Leichtwasserreaktoren sowie HAW-Glaskokillen (verglaste hochradioaktive Abfälle aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente) in Behältern auf 420 Stellplätzen stehend aufbewahrt werden. Diese Festlegung wurde durch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in einer umfassenden Neugenehmigung im Juni 1995 getroffen.

Seitdem wurden weitere Änderungsanträge zum TBL Gorleben bearbeitet: Für die weitere Rückführung der HAW-Glaskokillen von der COGEMA in Behältern der Bauart CASTOR HAW 20/28 CG sind Änderungen wie z.B. die Verbesserung der Neutronenabschirmung durch die Vergrößerung der Moderatormasse in der Wandung der Behälter der Bauart CASTOR HAW 20/28 nötig gewesen. Am 18.01.2002 hat das BfS zuletzt die 2. Änderungsgenehmigung für das TBL Gorleben erteilt. Dies erlaubte die Beladung und die Einlagerung von 12 Behältern CASTOR HAW 20/28 im November 2002.

Geschichte des TBL-G

Um den ersten Transport von hochradioaktiven Atommüll in das Zwischenlager Gorleben wurde seit mehr als zehn gerungen. Die Betonhalle war seit 1983 betriebsbereit, stand aber leer. Mehrere Einlagerungsversuche sind u.a. wegen erheblichen Protesten der Bevölkerung gescheitert.

Elfeinhalb Jahre konnte so die Einlagerung von hochradioaktiven, abgebrannten Brennelementen verhindert werden. Am 25. April 1995 wurde der erste Castor von 16.000 Polizisten gegen den Widerstand weiter Bevölkerungskreise nach Gorleben transportiert.

Seit Ende Mai 1995 darf auch hochaktiver, verglaster Müll aus der Wiederaufarbeitung (in Form von Kokillen) eingelagert werden. In diesem Zuge wurde die Kapazität von 1.500 t Müll auf 3.800 t bei gkeicher Grundfläche erhöht.

Ein erster Kokillentransport folgte am 8. Mai 1996. Diesmal traten 18.000 Beamte an, um den Transport durchzusetzen.

Vorläufiger Höhepunkt war die Anlieferung eines “Sixpack” (sechs Behälter zu einem Transportvorgang gebündelt) Anfang März 1997. Die Kosten für den Polizeieinsatz – 30.000 Beamte waren unterwegs – summierten sich auf 111 Mio. DM.

Pläne, weitere CASTOR-Behälter über den Bahnhof Arendsee in Sachsen-Anhalt anzuliefern scheiterten am anhaltenden Widerstand der Bevölkerung – dieser Umweg musste gewählt werden, weil eine Bahnbrücke bei Seere / Hitzacker sich für die tonnenschwere Last der Behälter als nicht mehr tragfähig erwies.

Nachdem aufgrund des Transportestopps 1998 (Kontamination der Oberfläche von Castor-Behältern für den Transport von Brennelementen in die Wiederaufarbeitungsanlagen) keine Behälter mehr angeliefert wurden, erreichten im März 2001 erneut Transporte das Wendland – jetzt übernahm Rotgrün das Kommando für 6 Castoren mit Glaskokillen.

Im November 2001 folgte im Schatten des 11. September ein weiterer Transport. Die Kosten für die Bewachung sind immer noch ein Ärgernis, so dass seit November 2002 immer 12 Behälter angeliefert werden. Wegen anderer Verfahren in La Hague – die Behälter strahlen nun heftiger – konnte die Gesamtzahl reduziert werden, daher mussten ab 2008 nur noch 11 Castoren im Jahr nach Gorleben gebracht werden.

Stärkere Bündelung der Transporte

Wegen der hohen Belastung der Polizeikräfte und den hohen Kosten wurde in politischen Reihen über eine noch stärkere Bündelung der Transporte auf bis zu 18 Behälter diskutiert. Dieses Vorhaben liess sich aber wegen unlösbarer technischer Schwierigkeiten wie dem Gesamtgewicht des Zuges nicht realisieren.

Übersicht Einlagerungen

In das TBL sind bestrahlte Brennelemente und hochradioaktive Abfälle (Glaskokillen) aus der Wiederaufarbeitungsanlagae La Hague eingelagert

Einlagerung 2007

2007 konnte aufgrund neuartiger Behältertypen, die wegen eines neuen Verfahrens, welches höhere Strahlung in die Kokillen einbringt, genutzt werden müssen, aber für die noch keine ausreichenden Sicherheitsnachweise vorliegen, keine Einlagerung stattfinden.

23.05.2007: BfS erteilt 3. Änderungsgenehmigung für das Transportbehälterlager

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat am 23.05.2007 die 3. Änderungsgenehmigung für das Transportbehälterlager in Gorleben erteilt. Die Genehmigung erlaubt im Zwischenlager Gorleben zukünftig die Nutzung der neuen Behälterbauart TN85 für die Aufbewahrung von hochaktiven Glaskokillen aus der Wiederaufarbeitung.

Der neue französische Transport- und Lagerbehälter TN85 ist für eine maximale Wärmeleistung von 56 kW bei Beladung mit 28 HAW-Glaskokillen genehmigt. Die Prüfungen des BfS hätten ergeben, dass bei der jetzt genehmigten Behälterbauart durch ange­passte Abschirmung und verändertes Design auch bei höherem Inventar dieselben Werte für die mittlere Oberflächendosisleistung wie bei den bisher eingesetzten deutschen Castorbehältern eingehalten werden und die erhöhte Wärmeleistung sicher abgeführt werden kann.

Die Genehmigung der neuen Behälterbauart TN85 führe überdies zu keiner Erhöhung des bereits genehmigten Gesamtinventars an Kernbrennstoffen sowie der Gesamtwär­meleistung des Transportbehälterlagers in Gorleben.

2007: Flugzeugabsturz auf das TBL untersucht

Im Genehmigungsverfahren für den Behälter TN85 im Mai 2007 wurden laut Bundesamt für Strahlenschutz auch die Auswirkungen eines gezielt herbeigeführten Flugzeugangriffs mit einer großen Passagiermaschine auf das Transportbehälterlager Gorleben untersucht.

Einlagerung 2008

Im November 2008 wurden erstmals neue Behätertypen TN 85 französischer Bauart eingesetzt. Andere Verfahren in der Wiederaufarbeitung, die höhere Strahlung des Mülls bedeuten, machten neue Behälter notwendig. Während des Transports wurden von Greenpeace die 500fache Überschreitung des Grenzwertes von Neutronenstrahlung gemessen. Das veranlasste die Verantwortlichen, dem Begleitpersonal die Direktive auszusprechen, nicht näher als 6 Meter an die Behälter heran zu dürfen. Wegen Blockaden wurde der Castortransport der zeitlich gesehen längeste in der Geschichte der Einlagerungen in das Behälterlager Gorleben.

2009: Kein Transport

Wegen fehlender Behältertests konnte 2009 erneut kein Transport aus La Hague nach Gorleben stattfinden.

2011: Grenzwerte überschritten

Im Vorfeld des Castortransports 2011 kam es zu einem Grenzwerte-Skandal im Zwischenlager. Am 26. August 2011 berichtete der NDR erstmals davon, dass nach der Auswertung der routinemäßigen Strahlenmessungen des Niedersächsischen Umweltministeriums (NMU) aus dem ersten Halbjahr 2011 der Strahlengrenzwert am Zaun des Zwischenlagers Gorleben von 0,3 mSv voraussichtlich zum Ende des Jahres 2011 überschritten sein wird. Nach weiteren Messungen gab der Betreiber GNS Entwarnung, die Genehmigung für den Castor wurde erteilt. Unsere Wissenschaftler warnen davor, dass nur wegen Rechentricks eine Grenzwerteinhaltung ermöglicht wurde, nach unseren Messungen und Interpretationen diese allerdings schon seit Jahren nicht mehr eingehalten werden können. Und das bei einem Zustand, wo das Lager gerade mal zu 1/4 gefüllt ist.

Im Laufe des Transports stellte Greenpeace nach einer Akteneinsicht fest, dass das Zwischenlager nicht terrorsicher ist und dringend bauliche Ertüchtigungen umgesetzt werden müssen. Trotzdem wurden am 28.11.2011 weitere elf Castoren eingelagert.

Ab 2014: Castoren aus Sellafield

Die Rückführung von maximal 21 CASTOR-Behältern mit HAW-Kokillen aus der englischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield ist ab 2014 geplant.

facebook

Versammlungsfreiheit für Niedersachsen!

Gorleben-Newsletter

Unterstützen

Rote Karte für Atomkonzerne!

gorleben – twitter