Aktuell
Unser Anliegen ist es, sie möglichst aktuell zu informieren. Daher haben wir hier das Neueste aus der BI (keine Pressemitteilungen), Neuigkeiten aus Gorleben, zum Thema Atom und die Online -Version der Gorleben Rundschau für Sie zur Verfügung gestellt. Bei einigen hier veröffentlichten Texte oder Aufrufen ist die BI nicht verantwortlich für den Inhalt.
Das Märchen vom sauberen Atomstrom
03. 09. 2010
Im Rahmen des Weltkongresses der IPPNW* fand Ende August in Basel eine internationale Urankonferenz statt.
Wir greifen das Thema auf mit einer Veranstaltung in Dannenberg:
Das Märchen vom sauberen Atomstrom
Zwei Aktivisten berichten über die Verseuchung der Lebensgrundlagen indigener Völker beim Uranabbau in Indien und über die Arbeit der Jharkhand Organisation of Struggling Human (JOSH).
Ort und Zeit
Dienstag, 7. September 2010, 19.30 Uhr
Hotel Alte Post, Dannenberg
Referenten
Umweltaktivist Punit Raj Kishor Minz vom Uraon-Stamm in Indien
James Albert, Gesellschaft für bedrohte Völker
SWR2 hat dazu ein Podcast:
Die schmutzige Seite der Atomkraft
Ärztekongress beschäftigt sich mit den gesundheitlichen Folgen des Uranabbaus.
SWR2 Impuls vom 30.8.2010 (5:30 min.)
*IPPNW - das steht für “International Physicians for the Prevention of Nuclear War”. In Deutschland genannt “IPPNW - Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.”
Anti-Atom-Schokolade
02. 09. 2010
Das Gefeilsche um die die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken dauert an. Ausstieg sofort? Das geht sofort. Wir werden den Appell, den Stromanbieter sofort zu wechseln, ab sofort wiederholen. Am besten täglich. Dafür gibt es Schokolade. Hier unser Beispiel des Tages:
Alfred T. Ritter, Enkel des Firmengründers und heute Vorsitzender der Geschäftsführung der Alfred Ritter GmbH & Co. KG, stellt seine bunten Schokolade-Quadrate bereits seit 2002 ausschließlich mit Ökostrom her. Täglich laufen rund 2,5 Millionen Tafeln vom Band. Dabei sind für das mittelständische Familienunternehmen umwelt- und ressourcenschonende Produktionsverfahren eine Selbstverständlichkeit.
Neben Photovoltaikanlagen sorgt seit acht Jahren ein eigenes Blockheizkraftwerk für Energie. Damit deckt Ritter Sport rund 30 Prozent seines Strom- und 70 Prozent seines Wärmebedarfs. Den Rest bezieht das Unternehmen aus regenerativen Energiequellen – aus Überzeugung. „Die Erzeugung von Atomenergie birgt große Risiken für Mensch und Umwelt. Außerdem gibt es immer noch keine Lösung für die Endlagerung des Atomabfalls. Davor kann ich als Unternehmer die Augen nicht verschließen. Schokolade ist ein Naturprodukt. Somit ist es selbstverständlich, dass wir Verantwortung für unser Tun und unsere Umwelt übernehmen“, sagt Alfred T. Ritter.
Mit dem firmeneigenen Blockheizkraftwerk werden jährlich etwa zwölf Millionen Kilowattstunden Primärenergie eingespart. Dies entspricht einer Senkung von 6.800 Tonnen der CO2-Emmission pro Jahr.
Umgerechnet ist das der CO2-Ausstoß des Stromverbrauchs von 10.000
Singlehaushalten. „In der Politik wird viel diskutiert, wir handeln bereits. Ein nachhaltiges Energiekonzept heißt, den Ausbau von erneuerbaren Energien voranzutreiben. Egal wie die Entscheidung über eine AKW-Laufzeitverlängerung ausgeht, Ritter Sport hält an seinem Atomausstieg fest“, so Alfred T. Ritter. Bravo!
Republik Freies Wendland - Reaktiviert
01. 09. 2010
Ab dem 18.09.2010 wird mitten in Hannovers Altstadt ein eigener Staat entstehen. Ein Staat nach deinen Vorstellungen! Mit Holz, Hammern und Nägeln erbauen wir ein Hüttendorf und werden neun Tage dort leben, streiten, tanzen, spielen, klettern, clownen, pflanzen und kochen.
30 Jahre nach Gründung der Republik Freies Wendland und mitten im zweiten Frühling der Atomenergie werden wir die Republik auf dem Ballhofplatz reaktivieren.
Sind die Träume der Achtziger wirklich schon passé, oder sind die Fragen nach einem selbstbestimmten Leben ohne Atommüll nicht aktueller denn je? Eine von der Realität ernüchterte Generation der Anti-AKW-Bewegung trifft auf eine noch zu politisierende Jugend. Gemeinsamen suchen wir nach der Utopie von heute, einer Welt nach unseren Maßstäben, einer Welt ohne Atomkraft.
Mitnageln oder zuschauen - vorbeikommen lohnt sich jederzeit!
Abendprogramm
Eintritt 10 Euro, ermäßigt 5 Euro
www.schauspielhannover.de/schauspiel/index.php?m=141&f=07_seiten&ID_Seite=58
17.9.
Ballhof Eins 20.00 Uhr Konzert »Ton Steine Scherben - Family””
Sonderpreis: 20.- / 10.- €
Die Kultband Ton Steine Scherben bringt mit ihren Songs auch ohne ihren verstorbenen Sänger Rio Reiser noch jeden Saal zum ausflippen: Lieder wie »Keine Macht für Niemand!” oder »Wenn die Nacht am tiefsten ist…” prägten mehrere Generationen. Mit Outfits von gestern spielen sie für die Energie von morgen und geben das musikalische Startfanal für die Republik Freies Wendland.
»Kommt zusammen Leute, reiht euch ein!”
18.9.
Ballhofplatz 18.00 Aufklärungsgespräche: Was ist was? - Atomenergie.
Wie geht eigentlich Atomstrom?
Dr. Valerie Wilms (Ingenieurin und MdB, Die Grünen)
Strahlender Sumpf - Endstation Asse - alles Aussteigen bitte?
Oliver Deuker (Journalist, ZDF)
Der Unfall ohne Ende - Tschernobyl und seine Erben.
Prof. Dr. Heyo Eckel (Radiologe, Kinder von Tschernobyl – Stiftung des Landes Niedersachsen)
Das Zentralatom: Warum Große Konzerne Angst vor kleinen Solarzellen haben.
Dr. Hermann Scheer (Wirtschaftswissenschaftler und MdB, SPD – angefragt):
Ballhof Eins 19.30 Theater: Little Boy / Big Taifoon von Hisashi Inoue. Regie: Marc Prätsch
Die Welt steht still. Dann die Explosion. Binnen Sekunden verwandelt sich eine blühende Handels und Universitätsstadt in Hiroshima. Der 6. August 1945 ist der Tag einer neuen Zeitrechnung. Es ist der Tag, der vor Augen führt, dass die Menschheit die technische Möglichkeit besitzt, sich auf einen Schlag auszulöschen. Ein Blick in die Innenwelt des Piloten Sekunden vor und Jahre nach dem Abwurf.
19.9.
Ballhofplatz 20.00: Storytelling: Jeden Tag `ne gute Tat, wir scheissen auf den Sprecherrat - Geschichten aus dem Wendland von den Erzählenden selbst erlebt und selbst erzählt!
Gerd Harder (Bürgerinitiative Lüchow Dannenberg), Rebecca Harms (Europaabgeordnete, Die Grünen), Wam Kat, Hanna Poddig und viele andere Aktivisten von damals und heute berichten von der historischen Freien Republik Wendland und ihren Visionen, den noch immer freien Wenden und ihrem Kampf gegen die atomare Besatzungsmacht, von Treckern, Castoren, Fahnen und der größten politischen Bewegung Deutschlands.
20.9.
Ballhofplatz 19.30 Theater: Ein Volksfeind von Henrik Ibsen. Regie: Florian Fiedler
»Wir sind uns wohl alle einig, auf dem ganzen Erdball bilden die Dummen eine äußerst erschreckende und überwältigende Majorität. (…) Die Mehrheit hat die Macht, ja leider, aber das Recht hat sie nicht.« Lange bevor der Begriff Mediendemokratie erfunden wurde, baut Ibsen ein Machtszenario auf, in dem Politik, freie Presse und Lobbyismus demokratische Prozesse im Sinne ihrer eigenen Interessen verbiegen. Die Geschichte über die Vertuschung eines verseuchten Heilbades legt das Dilemma moderner Demokratie offen.
21.9
Ballhofplatz 18.30 Theatre Show: Bread & Puppet
Die legendäre Papppuppen- und Straßentheatergruppe aus den USA Bread and Puppet bricht zusammen mit Jugendlichen der Republik zu einem musikalisch, theatralen Politsonderzug auf. Seit den 60er Jahren begeistert, irritiert, unterhält und bildet Peter Schumanns Company seine Zuschauer auf Demonstrationen, Happenings und Festivals. Zehntausende strömen jedes Jahr zu ihren Spektakeln nach Vermont wo Hunderte von Darstellern mit gigantischen Puppen agieren und agitieren. Endlich bringt Schumann ein Stück davon zurück nach Hannover, die Stadt in der er einst zur Schule ging.
Ballhofplatz 19.30
Open Air Kino: Climate of Hope (2007, Austr., OmU, 30min),
Uranium - Is It a Country (2008, D, F, Austr., E/Dt, 53min)
anschliessend Diskussion
Der 30min Animationsfilm »Climate of Hope« vermittelt kurz und prägnant die wichtigsten wissenschaftlichen Hintergründe des Klimawandels und die Argumente für den zweiten Frühling der Atomenergie. Doch warum kann Atomkraft mit ihrer katastrophenreichen Geschichte niemals eine Lösung für die globale Erwärmung sein?
Uranium - Is It a Country zeigt die gravierenden Risiken für Mensch und Umwelt, die beim Uranabbau entstehen. Die Spurensuche führt nach Australien, wo weltweit die größten Uranvorkommen lagern. Eine Referentin dieses Dokumentarfilmprojektes wird anwesend sein.
Ballhof Eins 19:30 Kino: Climate of Hope (2007, Australien, OmU, 30min),
Die 4. Revolution - Energy Autonomy, (2010, D, OmU 83min)
anschliessend Diskussion mit Hermann Scheer (angefragt)
Der 30min Animationsfilm »Climate of Hope« vermittelt kurz und prägnant die wichtigsten wissenschaftlichen Hintergründe des Klimawandels und die Argumente für den zweiten Frühling der Atomenergie. Doch warum kann Atomkraft mit ihrer katastrophenreichen Geschichte niemals eine Lösung für die globale Erwärmung sein?
Energy Autonomy - »Die positive Antwort auf Al Gores »Unbequeme Wahrheit« (Zitty) - steht für eine mitreissende Vision: Eine Welt - Gemeinschaft, deren Energieversorgung zu 100% aus erneuerbaren Quellen gespeist ist - für jeden erreichbar, bezahlbar und sauber. eine globale Umstrukturierung, die Machtverhältnisse neu ordnet und Kapital gerechter verteilt, könnte jetzt beginnen. Wir müssen es nur tun!
22.9.
Ballhofplatz 19.00 Streit: Ideale vs Realpolitik - Hanna Poddig vs Jürgen Trittin
Der Altrebell und Fraktionsvorsitzende trifft auf die junge Vollzeitaktivistin, um über unterschiedliche Wege, Zeiten und Vorstellungen im Antiatomkampf zu diskutieren. Machen oder überzeugen, allein oder zusammen? – Wie kommen wir ans Ziel?
23.9.
Ballhofplatz 20.00 Das Politische Kochstudio Essen und weg-essen. Wam Kat und Crew. Moderation: Florian Fiedler
Wam Kat, Demo-Koch und Widerstands Urgestein, zeigt kochend und redend Zusammenhänge auf, die wir gern verschweigen würden. Nebenbei skizziert er aus persönlichen Erinnerungen die Geschichte der europäischen Widerstandsbewegung und zeigt wie lustvoll, sinnlich und lecker sie sein kann. Im Anschluß an das kulinarische Lehrtheater gibts Essen für alle.
Ballhof Eins 18.30 Theater: Little Boy / Big Taifoon von Hisashi Inoue. Regie: Marc Prätsch
Die Welt steht still. Dann die explosion. Binnen Sekunden verwandelt sich eine blühende Handels und Universitätsstadt in Hiroshima. Der 6. August 1945 ist der Tag einer neuen Zeitrechnung. Es ist der Tag, der vor Augen führt, dass die Menschheit die technische Möglichkeit besitzt, sich auf einen Schlag auszulöschen. Ein Blick in die Innenwelt des Piloten Sekunden vor und Jahre nach dem Abwurf.
24.9.
Ballhofplatz 20.00 Konzert: Ein Tag wie kein anderer - Tchernobyl 1986 Rock-Kantate von Jan Kramer. »Ungeheur ist viel, doch nichts ungeheurer als der Mensch« - Von der Entstehung der Erde über das Missverständnis, sie sich untertan machen zu sollen, bis hin zum Turmbau zu Babel reichen die Bilder dieser musikalischen Collage die den Super-GAU aus der Sicht von Schülern erzählt und die Martin Engelbach mit dem Chor Freies Wendland einstudiert.
Ballhof Eins 21.00 Konzert: Jan Plewka singt aus Protest
Wer Jan Plewkas Stimme einmal gehört hat, will sie immer wieder hören, verraucht verbraucht, schön und schlimm klingt, was er singt. Bekannt durch seine Band Selig spielt er seit ein paar Jahren Lieder Rio Reisers in Theatern und auf Demos. Aber heute und nur für uns spielt er sein persönliches Best of des musikalischen Widerstands.
25.9.
Ballhofplatz 20.00 Theater: Die Physiker von Friedrich Dürrenmatt vs Utopia von Thomas Morus
Dürrenmatt stellt in seinem größten und skurilsten Theaterhit die Frage nach der Verantwortung moderner Wissenschaftler. Nach nur 7 Tagen Probenzeit mit der Theatergruppe Freies Wendland lässt Florian Fiedler diese Irrenhauskomödie auf »Utopia« von Thomas Morus knallen. Mit Vollzeitschauspielern aus dem Ensemble stellt Mathias Max Herrmann diesen radikalen Masterplan zum glücklichen Staat vor.
Ballhof Eins 22.00 Konzert: NewYok und Abschlußparty
Yok spielt Songs, spricht Texte und zündelt dabei an der Musik.
Yok singt mit der grundsätzlichen Verweigerung eines Taxifahrers, der seine Wurzeln in der radikalen Linken hat.
Yok war von 1989 – 1994 als “Quetschenpaua« unterwegs und drehte seine Runden von 1995 – 1999 mit der Politpunkband “Tod und Mordschlag«.
Yok ist heute noch Teil des Musiktheaterkollektivs “Revolte Springen« und pflegt das Motto TRÜMMER/TRÄUME/TRASH. Im Anschluß feiern wir die große Republiksparty mit den besten Hits der Widerstandsbewegung.
26.9. Ballhofplatz 11.00 Streit II: »Der Atomare Leviathan« – Die Bombe und die Demokratie - Weltausstellung Prinzenstraße X
Eduardo Subirats (Philosoph, NY University) und Oskar Negt (Sozialphilosoph & Gastgeber) der Lettre-Reihe im Gespräch über die politischen Folgen atomarer Technologien, über die Fusion von Macht und Wirtschaft, über Uran- und Demokratieabbau.
In Zusammenarbeit mit und Unterstützung von:
Agenda 21 – Büro der Landeshauptstadt Hannover
Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow Dannenberg e.V.
Integrierte Gesamtschule Roderbruch
JANUN e.V.
Kinder von Tschernobyl- Stiftung des Landes Niedersachsen
Klimaschutzagentur Region Hannover GmbH
Stiftung Leben und Umwelt Heinrich Böll Stiftung Niedersachsen
Umweltsenioren Hannover e.V.
Umweltzentrum Hannover e.V.
Wissenschaftsladen Hannover e.v.
Volxküche UJZ Korn
Gefördert von der Kulturstiftung des Bundes - Heimspielfonds
“Hans-Heinrich, uns graust´s vor dir!”
01. 09. 2010
Niedersachsens Umweltminister plädiert für längere AKW-Laufzeit und verstammelt sich am laufenden Band. Wenn´s nicht so traurig wär´, könnte man drüber lachen. Bekanntlich wird unser Lachen sie besiegen.
Wir dokumentieren ein Gespräch mit Hans-Heinrich Sander im Deutschlandfunk vom 1.09.10 und rufen unserem “Umweltminister” zu: “Hans-Heinrich, uns graust´s vor dir!”
Hans-Heinrich Sander im Gespräch mit Dirk Müller
Dem niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) bereitet die Uneinigkeit der Bundesregierung in der Frage der Laufzeitverlängerung Unbehagen. Niedersachsen benötige als Kernenergieland schnellstmöglichst Klarheit.
Dirk Müller: Wie kann ein wissenschaftliches Gutachten so unterschiedlich gedeutet werden, und das auch noch von zwei Ministern, die derselben Regierung angehören? Das ist doch immer so, so könnte die Antwort auf eine vielleicht doch naive Frage lauten, Politik ist eben Politik. Konkret gemeint ist das Gutachten über die künftige Energieversorgung. Der liberale Rainer Brüderle, zuständig für die Wirtschaft, liest aus der Analyse heraus, 20 Jahre längere Laufzeiten machen durchaus Sinn. Sein christdemokratischer Kollege Norbert Röttgen, zuständig für die Umwelt, meint, vier Jahre Verlängerung sind gut genug. Die Kanzlerin geht von 10 bis 15 Jahren aus. Seit Monaten quält sich die Koalition mit ihrem energiepolitischen Konzept. - Am Telefon ist nun der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP). Guten Morgen!
Hans-Heinrich Sander: Guten Morgen, Herr Müller.
Müller: Herr Sander, welche Zahl haben Sie denn zu bieten?
Sander: Also wir haben im Grunde genommen nichts zu bieten, sondern aufgrund von fachlichen Grundlagen sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass wir bei 15 Jahren Laufzeitverlängerung wohl liegen müssen. Begründet wird das dadurch, dass ja auch die Forderung gestellt wird, dass unsere Kernkraftwerke, wenn es zu einer Laufzeitverlängerung kommt, sicher werden müssen, sicherer werden müssen, damit sie auch die Verlängerung dementsprechend mittragen können. Das ist im Grunde genommen die Begründung dafür, denn die wesentlichen technischen Umbauten, wenn die umgesetzt werden, dann brauchen sie einen Zeitraum von fünf bis acht Jahren. Das heißt, das sind Investitionen, die in die Millionen gehen, ich will nicht sagen in die Milliarden gehen. Wenn sie natürlich die Szenarien nehmen, die andere da vorschlagen, dann wird das immer noch stärker und größere Summen verschlingen. Also im Grunde genommen muss man umweltpolitisch die Sache betrachten und man muss sie auch volkswirtschaftlich betrachten, denn sonst werden sie diese technischen Umbauten, auf die die Politik so großen Wert legt und Wert legen muss, nicht durchsetzen.
Müller: Dann hat Bundesumweltminister Norbert Röttgen das Gutachten falsch verstanden?
Sander: Das weiß ich nicht. Für mich ist es auch etwas unverständlich, dass in einer Regierung zwei Ministerien das etwas anders sehen. Aber der Bundesumweltminister hat in der ganzen letzten Zeit das nicht so wohl alles verstanden. Ich will Ihnen sagen, Herr Müller: Wir haben ja, die fünf Kernenergieländer haben ja gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium auch über Sicherheitsstandards gesprochen. Das ist ja nicht eine neue Sache, sondern die haben wir in der Vergangenheit immer mit dem Bund abgestimmt, und jetzt aufgrund natürlich von eventuellen Laufzeitverlängerungen haben wir diese Maßnahmen auf Fachebene abgesprochen. Da war das Bundesumweltministerium beteiligt. Also wenn ich das weiß von meinen Fachleuten, gehe ich einfach davon aus, dass der Bundesumweltminister Röttgen das auch weiß.
Müller: Hat Norbert Röttgen von vier Jahren gesprochen, weil er in Wirklichkeit ein Aussteiger ist?
Sander: Ich weiß nicht! Das kann ich nicht für Norbert Röttgen beantworten, das müssten Sie ihn fragen. Ich gehe und wir als Niedersachsen gehen an die Sache ganz realistisch heran, ohne Emotionen. Das bringt uns in dieser Form nicht weiter. Gerade wir Niedersachsen haben ja ein Rieseninteresse daran, dass es endlich auch zu einer Lösung kommt, möglichst breit, und dass die Verunsicherung in der Bevölkerung auch aufhört. Wir haben die Hauptlast zu tragen mit der Kernenergie, denn Sie wissen: Es geht nicht nur um die Laufzeitverlängerung in Niedersachsen, sondern es geht auch um die Aufhebung des Moratoriums und all die Fragen, die damit verbunden sind. Deswegen hat die niedersächsische Landesregierung ein großes Interesse daran, dass man gemeinsam zu vernünftigen, tragfähigen und fachlich begründbaren Lösungen kommt.
Müller: Herr Sander, es geht auch um Strompreise, es geht auch um Klimaschutz. 15 Jahre längere Laufzeiten, damit wären diese beiden Faktoren gut bedient?
Sander: Ja! Sie werden die Klimaschutzziele sonst nicht erreichen.
Müller: Also Klimaschutzziele sind nur mit Atomkraft zu erreichen?
Sander: Die sind in der nächsten Zeit nur mit Kernenergie zu erreichen. Und ich meine, das Gutachten hat doch eines deutlich gemacht, dass der Weg in das regenerative Zeitalter aufgezeigt ist. Wir können bis 2050 80 Prozent erneuerbare Energien bei Strom erreichen und 50 Prozent bei der gesamten Primärenergie, aber das heißt eben, dass wir diesen Mix brauchen. Und gerade wir als Niedersachsen, wir sind das Windenergieland Nummer 1 und wir werden die Klimaschutzziele auch nur erreichen, wenn wir im Offshore-Bereich weiter nach vorne kommen. Und im Offshore-Bereich werden wir nur nach vorne kommen, wenn wir die Speichertechnologie weiter erforschen. Das setzt also voraus, solange wir sie nicht haben, brauchen wir auch die Kernenergie zum Lastenausgleich. 9600 Megawatt stehen zur Verfügung, jederzeit, wenn der Wind nicht weht. Also es gibt viele sachliche Begründungen, und für mich sind die sachlichen Begründungen die entscheidenden und da muss die Bundesregierung auch mehr tun, meines Erachtens, in der Bevölkerung, das von der emotionalen Seite wegzuholen und mehr zu den sachlichen Dingen wieder zu bringen.
Müller: Herr Sander, jetzt müssen wir auch über die Kehrseite reden. Wenn wir die Zahlen gestern richtig gedeutet haben, gibt es bislang 14.000 Tonnen Atommüll. Wenn das jetzt alles viel, viel länger geht - Sie sagen, 15 Jahre -, dann sind es über 20.000. Niedersachsen, das ist ja quasi das Land, wo der Müll hin soll. Das sagen jedenfalls viele, zumindest auch Ihre Kollegen aus Bayern und Baden-Württemberg. Und wir haben keine Endlösung. Wie soll das funktionieren?
Sander: Ja, das ist im Grunde genommen der Punkt, der Schwachpunkt wieder, dass bei einer Laufzeitverlängerung - und das ist ja der Vorwurf, den wir auch den früheren Bundesregierungen gemacht haben -, dass man in die Kernenergie eingestiegen ist - übrigens auch die Sozialdemokraten waren daran beteiligt, sehr stark, ich denke gerade auch an Asse, die Probleme, die wir dort haben -, also dass man nicht sofort ein Konzept entwickelt hat, wie auch die atomaren Abfälle dann entsorgt werden. Deswegen ist diese Frage genauso wichtig, sie möglichst schnell zu lösen, unabhängig davon, ob es eine Laufzeitverlängerung gibt, Herr Müller. Die fünf, wo Sie eben von gesprochen haben, von den Mengen, die sind zwar auch, die kommen dazu, aber unabhängig davon brauchen wir eine Frage, wie wir den atomaren Müll entsorgen.
Müller: Aber kann man das wirklich, wenn man über Verlängerung diskutiert, heutzutage noch sagen, unabhängig davon, oder ist das nicht die absolute Bedingung, um überhaupt weiterzumachen?
Sander: Ja, das können Sie sagen. Das ist eine der Bedingungen. Bloß diese Bedingung hat die Politik versäumt. Es ist zehn Jahre lang in der Frage der Endlagerpolitik nichts gemacht worden. Es ist damals der Beschluss gefasst worden, ein Moratorium in Gorleben dementsprechend zu beschließen, aber in den zehn Jahren ist nichts erfolgt, und diesen Vorwurf muss man Herrn Trittin und Rot-Grün machen.
Müller: Aber jetzt sind Sie, Herr Sander, ja auch “die Politik”, wie auch die Bundesregierung, wie auch andere Landesregierungen. Wie will man jetzt mit dem Thema umgehen? Vor allen Dingen: Was passiert da? Keiner weiß, was da passiert.
Sander: Nein! Deswegen müssen wir die letzten zehn Prozent - um die geht es ja; 90 Prozent ist ja Gorleben erkundet - so schnell wie möglich wieder aufnehmen. Wir müssen die bisherigen Ergebnisse international von Wissenschaftlern betrachten lassen, um dann eben auch festzustellen, ob wir diese weitere Erkundung, die ja immerhin fünf bis sieben Jahre dauern wird, ob wir sie also auch dementsprechend verantwortungsvoll durchführen können.
Müller: Wer bezahlt die Exploration?
Sander: Wir haben ja keine Zeit zu verlieren. Die Zeit ist in den letzten zehn Jahren verloren und wir als Niedersachsen haben ja eine Verantwortung auch für die Bevölkerung im Wendland, nicht nur für unsere Kernkraftwerke, sondern für die Region Lüchow-Dannenberg. Deswegen drängen wir darauf, dass da Klarheit in dieser Frage kommt.
Müller: Herr Sander, wissen Sie denn schon, wer das bezahlt, Gorleben weiter zu erkunden?
Sander: Ja, natürlich muss da die Atomindustrie, die Kernenergie dementsprechend auch ihren Beitrag leisten. Das ist doch gar keine Frage!
Müller: Beitrag heißt auch Steuerzahlerbeitrag?
Sander: Steuerzahlerbeitrag? Also wenn sie jetzt die Brennelementesteuer zum Beispiel erheben, dann müssen wir doch sicherstellen, dass die Strom erzeugenden Unternehmen nicht sofort auf die Verbraucher das wieder abwälzen, sondern es muss wirklich klar und deutlich auf die Gewinne geachtet werden, dass sie nicht den Aktionären zugutekommen, sondern wirklich dem Verbraucher, dem Stromkunden. Deswegen: diese Unterscheidung zwischen Steuerzahler und Verbraucher und dann wieder der Staat, das ist schwer zu machen in der Frage.
Müller: Also die Industrie bezahlt nicht alleine, sondern auch die Politik?
Sander: Die Politik wird dabei mitbezahlen werden, und zwar halte ich das auch deshalb für richtig: Wenn die Industrie, die Kernenergie erzeugenden Unternehmen es alleine bezahlen würden, würden sie es auch mit bestimmen. Und die Politik hat ein großes Interesse daran, dass das wirklich sauber, korrekt auch abgehandelt wird. Aus dem Grunde schon allein, aus den Kontrollmechanismen, gibt es eine Verantwortung auch des Staates.
Müller: Bei uns heute Morgen im Deutschlandfunk der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander von der FDP. Vielen Dank für das Gespräch und auf Wiederhören.
Sander: Schönen Dank, Herr Müller.
Indigene fordern Ende der Atomindustrie
31. 08. 2010
Delegierte indigener Völker fordern Ende der Atomindustrie, so die Überschrift der Pressemitteilung des IPPNW Deutschland vom 29. August 2010.
Dort heißt es weiter:
Die Delegierten der IPPNW-Vorkonferenz “Sacred Lands, Poisoned Peoples” haben am Sonntag eine gemeinsame Erklärung verabschiedet. Darin fordern sie, Uranabbau und dessen Weiterverarbeitung zu stoppen sowie den unverantwortlichen Umgang mit radioaktivem Abfall, Atomenergie und Atomwaffen zu beenden.
Herr Punit Minj aus Indien war auf Einladung der “Gesellschaft für bedrohte Völker Deutschland” ebenfalls bei dieser Konferenz und wird am 3. September in Schöppenstedt sein.
Um 19.00 Uhr werden Herr Punit Minj und Dr. James Albert aus Göttingen (Gesellschaft für bedrohte Völker Deutschland) im Rathaus Schöppenstedt (Saal) über den Uranabbau in Indien berichten. Alle Interessierte sind herzlich eingeladen.
Weitere Kommentare aus der Konferenz in Basel:
“Uranabbau hinterlässt ein giftiges Erbe, lange nachdem die Bergbauunternehmen den Betrieb einstellen und gegangen sind. Das Gift der Radioaktivität bleibt in unserem Boden und in unserem Wasser, es schadet unserer Gesundheit und es verletzt Mutter Erde. Wir solidarisieren uns mit allen, die von dieser gefährlichen Industrie konfrontiert werden, und wir sagen: Stopp! Lasst das Uran in der Erde”, erklärte Charmaine White Face von der Tetuwan Sioux (Lakota) Nation, USA.
“Auf unserem Land gibt es zwei Uranminen und 130 Schürfrechte zur Erkundung von potentiellen Abbaustätten. Was wird uns die Zukunft bringen? Wir wurden ohne jegliche Entschädigung von unserem Land vertrieben. Wir wollen nicht, dass diese Abbaufirmen hierher kommen, unser Land vergiften und unsere Lebensweise zerstören”, erklärte Azara Jalawi, Vize-Präsidentin der Koordination für die Zivilgesellschaft in Arlit, Niger.
“Mein Volk muss mit Uranabbau und Atomwaffentests in unserem eigenen Territorium leben. Wir spüren die zerstörerischen Folgen der Radioaktivität am eigenen Leib, und wir beobachten, wie unser Land langfristige Schäden davonträgt. Zusammen mit unseren indigenen Freunden und Unterstützern aus der ganzen Welt sagen wir Nein zu Uran und Radioaktivität. Lasst es in der Erde!”, forderte Rebecca Bear-Wingfield, stellvertretende Vorsitzende der Australian Nuclear Free Alliance (ANFA), und Mitglied des Ältestenrats der
Arabunna, Kokatha und Kupa Pita Kungka Tjuta, Australien.
Evtl. Terminwünsche für den 3.9. über Paul Koch
05332/6226 oder 0172/9148478
Paul Koch
Vorsitzender Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt e.V.
38170 Uehrde-Watzum; Hauptstr. 34
Tel. 05332/6226 Fax: 05332/6205
tschernobyl-initiative.schoepp@onlinehome.de
http://tschernobyl-initiative.eu






