Sorgenbericht: Atommüll – keine Frage des Standortes

In zehn Jahren soll die Atomenergie in Deutschland Geschichte sein. So verkündete es die Bundesregierung als 2011 die Reaktorkatastrophe in Fukushima begann. Mag auch die Ära der Atomwirtschaft tatsächlich bald zu Ende gehen, die atomaren Hinterlassenschaften geben weiterhin jeden Grund zur Sorge. „Sorgenbericht“ nennen die Initiativen an den Atommüllstandorten folgerichtig eine umfangreiche Bestandsaufnahme aller bekannten Orte der Bundesrepublik, an denen Atommüll produziert wird oder lagert. Über 90 Standorte hat Ursula Schönberger von der Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD e.V. in Form von Datenblättern abgebildet und so den Atommüll „sichtbar“ gemacht.

„Es gibt nicht ein Atommüllproblem, das man an einen einzelnen Standort delegieren kann, sondern es gibt eine Vielzahl von Problemen im ganzen Land“, sagt die Autorin.

imageDazu zählen nicht nur die laufenden Atomkraftwerke, sondern auch stillgelegte. Zwischenlager gehören dazu, die havarierten Atommülllager ASSE II und Morsleben, Landessammelstellen ebenso, wie die Brennelementefabrik in Lingen und die Urananreicherungsanlage in Gronau. Letztere sind nicht einmal in den Atomausstieg mit einbezogen, sondern dürfen unbegrenzt weiter laufen.

Dieser Sorgenbericht liest sich wie ein Kriminalroman. Immer wieder ist von minderwertigen Baustoffen die Rede, von vertuschten „meldepflichtigen Vorfällen“, unsicheren Standorten oder Anlagen, die ohne oder mit nachträglich erteilten Betriebsgenehmigungen liefen. Wenig Sorgfalt wird auch den radioaktiven Hinterlassenschaften gewidmet. Die Datenblätter zeigen Standorte auf, an denen Fässer mit Atommüll vor sich hinrosten, wie in Brunsbüttel. In Jülich ist der Reaktordruckbehälter so stark verstrahlt, dass mit höchstem finanziellen und technischen Aufwand eigens ein Zwischenlager dafür gebaut werden muss. Für die Altlasten der Wismut – Uranabbau und -aufbereitung der DDR – gelten bis heute die höheren Grenzwerte der Strahlenschutzverordnung der DDR als Sonderkondition. Fragwürdigkeiten wie obsolet gewordene Entsorgungsnachweise, die nicht revidiert werden, sind nicht Sonderfall, sondern Regel und oftmals ist die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

  • Die Datenblätter werten nicht, dennoch zeichnet sich hier ein Konsens zwischen Atomwirtschaft, Politik und Aufsichtsbehörden ab, in dem Sicherheit offensichtlich nicht zum Standard gehört.

Angesichts der Realität, die dieser Sorgenbericht aufzeichnet, gerät der Begriff der „Weißen Landkarte“, von der Politik ins Spiel gebracht, schnell zur Fiktion. Als Gegenstück zur weißen liegt dem Werk eine farbige Karte bei, welche die Atomstandorte markiert. Absurd erscheint unter dem Licht dieser Studie auch die aktuell geplante Standortauswahl, die sich auf einen Standort fixiert und lediglich auf hoch radioaktiven Müll ausgerichtet ist und die restlichen – weit über 90 Prozent – außer Acht nimmt.

Die Bestandsaufnahme offenbart: Atommüll betrifft alle Menschen unmittelbar. Er ist wie eine unheilbare Krankheit, die sich nicht einfach entfernen oder ignorieren lässt. Eine realistische Auseinandersetzung ist notwendig, um künftigen Generationen mit der Atommüllproblematik kein erneutes Desaster zu hinterlassen. Hierfür bietet diese Bestandsaufnahme eine Grundlage – am Standort und im bundesweiten Austausch.

40 Jahre Gorleben

Fukushima 2017

Demo anlässlich des Fukushima-Jahrestages 2017

Neuer Flyer

Abschalten!

KLP 2017

Camp & Festival

Internationalistisches Anti-Atom-Sommercamp und Free Flow Festival in Gedelitz am 7.-16. August 2017

Atomtransporte…

...rollen regelmäßig durchs Wendland. Eine Stellungnahme der BI.


Gorleben-Fachexpertise

Musterbeispiel für eine verfehlte Atommüllpolitik, jedoch als möglicher Standort bei der Endlagersuche fortgeschleppt:

Aus Gorleben kann viel gelernt werden.
So, wie in Gorleben, geht es eben nicht!


Neun Experten nehmen Stellung.

Kommission am Ende