Castor-Halle

Der offizielle Name für die oberirdische Hallenkonstruktion, in der Castor-Behälter abgestellt werden, lautet Transportbehälter-Lager Gorleben (TBL-G). Castor ist die Abkürzung für “Cask for Storage and Transport of radioactive Material”, es handelt sich also um Behälter zur Aufbewahrung und zum Transport hochradioaktiven Materials.

Zwischenlager Gorleben

Zwischenlager Gorleben

Der Name Castor ist eine gewollte Anspielung auf die griechische Mythologie, den “Retter aus großer Not”. In Wirklichkeit rettet der Castor die Atomwirtschaft aus der peinlichen und unverantwortlichen Lage, nämlich ohne eine gesicherte Atommüllendlagerung trotzalledem ständig Atommüll produzieren zu können, denn das Zwischenlager gilt als Entsorgungsnachweis für den Betrieb der Atomkraftwerke.

Die Aufbewahrungsgenehmigung des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) vom 2. Juni 1995 gilt bis zum 31. Dezember 2034. Baugleiche Anlagen gibt es in Ahaus und in Lubmin.

Eigentümer der Anlage ist die Brennelementlager Gorleben GmbH (BLG), ein Tochterunternehmen der GNS, die sich im Besitz der vier großen Energieversorgungsunternehmen und Atomstromproduzenten befindet.

Die Wärmeabfuhr aus der Lagerhalle erfolgt ohne jede Filterung mittels Belüftungsöffnungen im unteren Teil der Wände und Entlüftungsöffnungen im Dachbereich. Die Außenwände sind zum unteren Bereich hin von 20 cm Dicke auf 50 cm verstärkt, um eine erhöhte Strahlenabschirmung zu erreichen. Im Innern der Lagerhalle werden die einzelnen Lagerbehälter einfach auf vorbestimmte Plätze gestellt.

Während die Standort-Zwischenlager in Norddeutschland nach dem sog. STEAG-Konzept errichtet wurden, ähnelt das TBL-G den Anlagen, die im süddeutschen Raum nach dem sogenannten WTI-Konzept gebaut wurden. Das STEAG-Konzept verfügt über die massivere Bauweise mit Wandstärken von ca. 1,20 m sowie einer Dachdecke mit einer Stärke von ca. 1,30 m. Deshalb heißt das TBL-G im Volksmund schlicht “Kartoffelscheune”.

Im Juli 2013 entzog das Oberverwaltungsgerichts (OVG) Schleswig dem Lager in Brunsbüttel die Betriebserlaubnis, weil bei den Sicherheitsbetrachtungen der gezielte Absturz eines Airbus A 380 und der Einsatz panzerbrechender Waffen nicht hinreichend betrachtet wurden. Die Bürgerinitiative Umweltschutz fordert entsprechende Konsequenzen, unter anderem deshalb die Stilllegung des Zwischenlagers Gorleben, und zwar unabhängig von der politischen Debatte um einen Einlagerungsstopp als Teil des sogenannten “Endlagerkompromisses”, der im Juli 2013 zwischen den Parteien ausgehandelt wurde – allein Die Linke opponierte. Eine Reaktion des BfS oder der Atomaufsicht in Hannover steht aus.

Einlagerungsgenehmigungen

Im TBL Gorleben dürfen maximal 3.800 Tonnen Kernbrennstoff in Form bestrahlter Brennelemente aus Leichtwasserreaktoren sowie HAW-Glaskokillen (verglaste hochradioaktive Abfälle aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente) in Behältern auf 420 Stellplätzen stehend aufbewahrt werden. Diese Festlegung wurde durch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in einer umfassenden Neugenehmigung im Juni 1995 getroffen.

Seitdem wurden weitere Änderungsanträge zum TBL Gorleben bearbeitet: Für die weitere Rückführung der HAW-Glaskokillen von der COGEMA in Behältern der Bauart CASTOR HAW 20/28 CG sind Änderungen wie z.B. die Verbesserung der Neutronenabschirmung durch die Vergrößerung der Moderatormasse in der Wandung der Behälter der Bauart CASTOR HAW 20/28 nötig gewesen. Am 18.01.2002 hat das BfS zuletzt die 2. Änderungsgenehmigung für das TBL Gorleben erteilt. Dies erlaubte die Beladung und die Einlagerung von 12 Behältern CASTOR HAW 20/28 im November 2002.

Geschichte des TBL-G

Um den ersten Transport von hochradioaktivem Atommüll in das Zwischenlager Gorleben wurde lange gerungen. Die Betonhalle war seit 1983 betriebsbereit, stand aber leer. Mehrere Einlagerungsversuche sind u.a. wegen erheblichen Protesten der Bevölkerung gescheitert.

Elfeinhalb Jahre konnte so die Einlagerung von hochradioaktiven, abgebrannten Brennelementen verhindert werden. Am 25. April 1995 wurde der erste Castor von 16.000 Polizisten gegen den Widerstand weiter Bevölkerungskreise nach Gorleben transportiert.

Seit Ende Mai 1995 darf auch hochaktiver, verglaster Müll aus der Wiederaufarbeitung (in Form von Kokillen) eingelagert werden. In diesem Zuge wurde die Kapazität von 1.500 t Müll auf 3.800 t bei gleicher Grundfläche erhöht. Wie unverantwortlich das war, zeigt die Debatte um die Strahlenbelastung (siehe 2011).

Ein erster Kokillentransport folgte am 8. Mai 1996. Diesmal traten 18.000 Beamte an, um den Transport durchzusetzen.

Vorläufiger Höhepunkt war schließlich die Anlieferung eines “Sixpack” (sechs Behälter zu einem Transportvorgang gebündelt) Anfang März 1997. Die Kosten für den Polizeieinsatz – 30.000 Beamte waren unterwegs – summierten sich auf 111 Mio. DM.

Pläne, weitere CASTOR-Behälter über den Bahnhof Arendsee in Sachsen-Anhalt anzuliefern scheiterten am anhaltenden Widerstand der Bevölkerung – dieser Umweg musste gewählt werden, weil eine Bahnbrücke bei Seerau / Hitzacker sich für die tonnenschwere Last der Behälter als nicht mehr tragfähig erwies.

Demo in Gorleben

Demo in Gorleben

1998 verfügte die damalige Umweltministerin Angela Merkel einen Transportestopp, wegen der Kontamination der Oberfläche von Castor-Behältern. Erst im März 2001 erreichten erneut Transporte das Wendland – jetzt übernahm Rot-Grün das “Kommando” für 6 Castoren mit Glaskokillen, ganz staatsmännisch gab sich Jürgen Trittin (Grüne), die Verträge mit Frankreich über die Rückführung des Mülls aus der Wiederaufarbeitung müssten eingehalten werden, seinen Parteimitgliedern wollte er sogar untersagen, sich an Protesten zu beteiligen.

Im November 2001 folgte schließlich im Schatten des 11. September ein weiterer Transport.
Wegen der hohen Belastung der Polizeikräfte und den hohen Kosten wurde in politischen Reihen über eine noch stärkere Bündelung der Transporte diskutiert. Seitdem wurden 12 bzw. 11 Behälter in einem Konvoi angeliefert.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat am 23.05.2007 die 3. Änderungsgenehmigung für das Transportbehälterlager in Gorleben erteilt. Die Genehmigung erlaubt im Zwischenlager Gorleben zukünftig die Nutzung der neuen Behälterbauart TN85 für die Aufbewahrung von hochaktiven Glaskokillen aus der Wiederaufarbeitung.

Der neue französische Transport- und Lagerbehälter TN85 ist für eine maximale Wärmeleistung von 56 kW bei Beladung mit 28 HAW-Glaskokillen genehmigt. Die Prüfungen des BfS hätten ergeben, dass bei der jetzt genehmigten Behälterbauart durch ange­passte Abschirmung und verändertes Design auch bei höherem Inventar dieselben Werte für die mittlere Oberflächendosisleistung wie bei den bisher eingesetzten deutschen Castorbehältern eingehalten werden und die erhöhte Wärmeleistung sicher abgeführt werden kann.

Die Genehmigung der neuen Behälterbauart TN85 führe überdies zu keiner Erhöhung des bereits genehmigten Gesamtinventars an Kernbrennstoffen sowie der Gesamtwär­meleistung des Transportbehälterlagers in Gorleben.

Im November 2008 wurden erstmals neue Behältertypen TN 85 französischer Bauart eingesetzt. Andere Verfahren in der Wiederaufarbeitung, die höhere Strahlung des Mülls bedeuten, machten neue Behälter notwendig. Während des Transports wurden von Greenpeace die 500fache Erhöhung der Neutronenstrahlung gemessen. Das veranlasste die Verantwortlichen, dem Begleitpersonal die Direktive auszusprechen, nicht näher als 6 Meter an die Behälter heran zu dürfen.
Wegen fehlender Behältertests konnte 2009 erneut kein Transport aus La Hague nach Gorleben stattfinden.

Strahlenmessungen am Zaun Zwischenlager Gorleben

Strahlenmessungen am Zaun Zwischenlager Gorleben

Im Vorfeld des Castortransports 2011 kam es zu einer Grenzwerte-Debatte. Am 26. August 2011 berichtete der NDR erstmals davon, dass nach der Auswertung der routinemäßigen Strahlenmessungen des Niedersächsischen Umweltministeriums (NMU) aus dem ersten Halbjahr 2011 der Strahlengrenzwert am Zaun des Zwischenlagers Gorleben von 0,3 mSv voraussichtlich zum Ende des Jahres 2011 überschritten sein wird. Nach weiteren Messungen gab der Betreiber GNS Entwarnung, die Genehmigung für den Castor wurde erteilt. Unsere Wissenschaftler warnen davor, dass nur wegen Rechentricks eine Grenzwerteinhaltung ermöglicht wurde, nach unseren Messungen und Interpretationen diese allerdings schon seit Jahren nicht mehr eingehalten werden können. Und das bei einem Zustand, wo das Lager gerade mal zu 1/4 gefüllt ist.

Übersicht Einlagerungen

In das TBL sind bestrahlte Brennelemente und hochradioaktive Abfälle (Glaskokillen) aus der Wiederaufarbeitungsanlagae La Hague eingelagert:

Behälter-Typ
Anzahl
Herkunft
Einlagerungszeitpunkt
CASTOR IIa
1
AKW Phillipsburg
04/1995
CASTOR TS28V
1
WAA La Hague
05/1996
CASTOR Ic
1
AKW Gundremmingen
03/1997
CASTOR V/19
3
AKW Neckarwestheim
03/1997
CASTOR HAW 20/28 CG
2
WAA La Hague
03/1997
CASTOR HAW 20/28 CG
6
WAA La Hague
03/2001
CASTOR HAW 20/28 CG
6
WAA La Hague
11/2001
CASTOR HAW 20/28 CG
12
WAA La Hague
11/2002
CASTOR HAW 20/28 CG
12
WAA La Hague
11/2003
CASTOR HAW 20/28 CG
12
WAA La Hague
11/2004
CASTOR HAW 20/28 CG
12
WAA La Hague
11/2005
CASTOR HAW 20/28 CG
12
WAA La Hague
11/2006
CASTOR TG 85
11
WAA La Hague
11/2008
CASTOR HAW 28M (10) und TN 85 (1)
11
WAA La Hague
11/2010
CASTOR HAW 28M
11
WAA La Hague
11/2011
SUMME
113

Kosten für Castor-Transporte

Die Kosten für die 13 Castor-Transporte, die von 1995 bis 2011 nach Gorleben transportiert wurden, summieren sich auf 361,9 Millionen Euro. Bezahlen musste das Land Niedersachsen, das sich nicht bemühte, um von den Atommüllproduzenten sich die Kosten für die “polizeiliche Sicherung” der Transporte bezahlen zu lassen.

Resümee:

  • Im Zwischenlager wurden bisher bestrahlte Brennelemente aus Atomkraftwerken und hochradioaktive Abfälle (Glaskokillen) aus der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague eingelagert, insgesamt lagern in Gorleben 113 Behälter (Stand Mitte 2013).

Ab 2015: Castoren aus Sellafield?

Castor in Gorleben, Bild: publixviewing

Castor in Gorleben, Bild: publixviewing

Die Rückführung von maximal 21 CASTOR-Behältern mit HAW-Kokillen aus der englischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield ist ab 2015 geplant. Darüberhinaus ist die Einlagerung mittelaktiver Abfälle aus La Hague in 5 Castoren beim Bundesamt für Strahlenschutz beantragt.

Im Rahmen der Verhandlungen zum Standortauswahlgesetz (StandAG) gab Umweltminister Peter Altmaier (CDU) im April 2013 bekannt, die Castortransporte nach Gorleben zu stoppen. Die verbleibenden Behälter sollen auf andere Zwischenlager verteilt werden. Die Unterhändler der Regierungsparteien, der SPD und der Grünen haben die “Lösung” dieser Zusage jedoch auf das Jahr 2014 vertagt, weil sich kein unionsgeführtes Land bereit fand, sich für die Zwischenlagerung der Castoren stark zu machen. Die Gorleben-Gegner stellen sich darauf ein, dass die Zusage, Gorleben solle nicht mehr angefahren werden, wieder gekippt werden könnte.

Text: Wolfgang Ehmke, August 2013

Eine Antwort auf Castor-Halle

Kommission am Ende

Gorleben-Fachexpertise

Musterbeispiel für eine verfehlte Atommüllpolitik, jedoch als möglicher Standort bei der Endlagersuche fortgeschleppt:

Aus Gorleben kann viel gelernt werden.
So, wie in Gorleben, geht es eben nicht!


Neun Experten nehmen Stellung.

Kampagnen

Atomtransporte…

...rollen regelmäßig durchs Wendland. Eine Stellungnahme der BI.