Fasslager

Auf dem Betriebsgelände der Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) in Gorleben gibt es neben der Castor-Halle und der Pilot-Konditionierungsanlage eine weitere Halle, in der schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus dem Betrieb der Atomkraftwerke und anderer Nuklearanlagen zwischengelagert werden. Deren offizieller Name lautet Abfalllager Gorleben (AL-G).

Atomanlagen Gorleben: Fasslager

Atomanlagen Gorleben: Fasslager

Zur Aufbewahrung der zuvor meist in GNS-Einrichtungen konditionierten Abfälle dient diese ca. 4.500 m² große und ca. 5 m hohe Lagerhalle. Ihre Kapazität beträgt 15.000 Kubikmeter.

Die Abfälle sind in unterschiedliche Gebinde wie z.B. Container aus Stahl, Guss oder Beton eingeschlossen. Sie werden im Lager, das aus sechs Lagerkammern besteht, übereinander gestapelt. Zuletzt haben Farbabplatzungen und Feuchte im Lager zu Nachfragen geführt. Dabei wurde deutlich, dass eine Sichtkontrolle der Fässer nur stark eingeschränkt möglich ist.

  • Betriebsbeginn: 08. Oktober 1984
  • Fassungsvermögen: 15.000 Kubikmeter
    Mit Stand vom 18.06.2015 werden im ALG folgende Gebinde zwischengelagert:•          65  Gusscontainer Typ VI,
    •          1128  Gussbehälter (MOSAIK),
    •          465  Betonbehälter,
    •          428  Stahlblech-Container Typ III/IV/V,
    •          225  Stahlblech-Fässer (in Stahlblech -  Containern),
    •          1307  Stahlblech-Fässer (200, 280 und 400-l-Fässer),Summe: 3618 Abfallgebinde.

Einlagerungen

Die Einlagerung von schwach- und mittelaktivem Müll in Fassgebinden begann 1984.

1984: Erster Probe-Fass-Transport bleibt stecken
Blamiert hatte sich die GNS schon beim ersten Probe-Fass-Transport im Jahr 1984. Der konnte nicht in die Zwischenlagerhalle einfahren, weil die Toreinfahrt 30 Zentimeter zu niedrig war. Gegenüber der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg bestätigten die Verantwortlichen: “Das war eine unglückliche Fehlplanung.”

08.10.1984: Tag X, erster Atommülltransport in das AL-G, andauernde Proteste und Barrikaden von Atomkraftgegnern auf den Straßen. Unter den Fässern waren auch falsch deklarierte und illegal verschobene Fässer („Hanauer Uranskandal“). Nach der ersten Einlagerung brach der Hallenboden an einigen Stellen auf, es dauerte fast ein Jahr, bis der Estrich erneuert war, die Fässer wurden in der Halle hin- und hergeschoben.

Ende der 80er: Transnuklearskandal
Ende der 80er Jahre wurden Fässer mit ungeklärtem Inhalt aus der belgischen Atomschmiede Mol entdeckt (“Transnuklearskandal”). 1.296 Gebinde mussten wegen Drucks der atomkritischen Öffentlichkeit aus Gorleben wieder entfernt werden. Analyseergebnisse von Fasseinzeluntersuchungen wurde nur bruchstückhaft in der Öffentlichkeit bekannt gegeben.
Entdeckt wurden darüber hinaus Korrosionsschäden und “Blähfässer” (Gasentwicklung). Messberichte der GNS belegten z.B. einen Anstieg der Radioaktivität bei sommerlichen Außentemperaturen, was die Gasbildung “anheizt”. Auf Druck der Fachgruppe Radioaktivität der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg musste das Umgebungsüberwachungssystem der GNS nachgebessert werden.

14.09.2005: Im AL-G wurde bei der Annahme von Behältern aus dem AKW Krümmel festgestellt, dass bei fünf von acht Behältern Kontaminationsgrenzwerte für die Beförderung radioaktiver Stoffe auf der Straße überschritten wurden.

Ende 1995 wurde genehmigt, das zulässige Radioaktivitätsinventar des Lagers um das 1000-Fache zu erhöhen. Hintergrund ist die Absicht, bitumierte radioaktive Abfälle aus der französischen WAA Cap de la Hague und mittelaktive Komponenten in Gorleben einzulagern.

Auslagerungskampagne: Fässer ins Endlagerung Morsleben
Im Zuge einer “Auslagerungskampagne” wurden etliche Fässer aus dem Zwischenlager Gorleben in das Atommüllendlager Morsleben (ERAM) verbracht. 1998 wurde das Endlager aber geschlossen – heute lagert im ehemaligen zentralen Atommüllendlager der DDR überwiegend radioaktiver Abfall aus westdeutschen Atomanlagen. Die GNS konnte “unliebsamen” Müll loswerden. Das Fasslager war schon zu 53 Prozent ausgelastet, 15 Prozent der Abfälle, zum Beispiel Rollfässer, die in dieser Form nicht in den Schacht Konrad eingelagert werden dürften, wurden dort abgeliefert.

Die Zahl der Atomtransporte ins Fasslager schwankte in den letzten Jahren stark.

Erweiterungsbau geplant

Derzeit gibt es Pläne für den Bau eines “Prüf- und Qualifizierungsgebäudes”, einer Konditionierungsanlage für die schwach- und mittelaktiven Abfälle. In der 1125 Quadratmeter großen Halle sollen alle Abfälle, auch die in den sogenannten Konrad-gängigen Containern, noch einmal ausgeräumt und neu verpackt werden, um die Einlagerungsbedingungen im Schacht Konrad zu erfüllen. Besondere Eile mit dem Neubau hat die GNS allerdings nicht, weil sich die Inbetriebnahme des Schachts Konrad mindestens um Jahre verzögert. Waren der Bund und die Atomwirtschaft zunächst davon ausgegangen, dass das Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Müll 2014 in Betrieb gehen könne, lautet die offizielle Sprachregelung jetzt: nicht vor 2019. Inoffiziell spricht man eher von 2021 oder 2024. Deshalb zögert die GNS den Bau der Halle hinaus.

  • Stutzig macht die Größe: die Bürgerinitiative Umweltschutz unterstellt der GNS, dass in Gorleben Stück für Stück eine nukleare Infrastruktur ausgebaut wird, so dass auch diese Konditionierungsanlage Zielort für weitere Atommülltransporte werden kann.

Völlig klar ist, dass beim Umverpacken Radioaktivität frei gesetzt wird, deshalb soll nach Angaben der Betreiber dort mit Unterdruck und einer Filteranlage gearbeitet werden. Ein atomrechtliches Genehmigungsverfahren ist dafür nötig, aber noch nicht beantragt.

Rostige Fässer machen Schlagzeilen

1.152 Gebinde, die ursprünglich im ERAM (Morsleben) versenkt werden sollten, müssen neu konditioniert werden. Nach Angaben der GNS würden sie in Duisburg konditioniert, ob sie zurück nach Gorleben transportiert werden, lässt die GNS offen. Bei der Transportvorbereitung wurden im April 2016 inzwischen 8 Rostfässer entdeckt. Völlig unklar ist, ob der Rost in Verbindung mit der Feuchte in der Halle steht oder ob Flüssigabfälle in den Fässern stecken. Der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) plädiert für ein bundesweites Atommüllregister. Die BI Umweltschutz fordert eine Einzelfassuntersuchung. Außerdem soll geklärt werden, was in Zukunft mit diesen Gebinden passiert.

Text: Wolfgang Ehmke, April 2016

COP23 in Bonn:

Don't nuke the climate!

Atomwaffen verbieten!

Atomwaffen werden international verboten. Deutschland soll dem Vertrag beitreten. Schreiben Sie an Ihre Bundestags-Kandidaten!

Neuer Flyer

NDR zu 40 Jahre

Martin Donat im Interview, Beitrag zu 40 Jahre Gorleben:

Abschalten!

Atomtransporte…

...rollen regelmäßig durchs Wendland. Eine Stellungnahme der BI.


Gorleben-Fachexpertise

Musterbeispiel für eine verfehlte Atommüllpolitik, jedoch als möglicher Standort bei der Endlagersuche fortgeschleppt:

Aus Gorleben kann viel gelernt werden.
So, wie in Gorleben, geht es eben nicht!


Neun Experten nehmen Stellung.

Kommission am Ende