Nach mühsamen Aufstehen, geht’s mit der Straßenbahn zum Erfurter Radio F.R.E.I., wo Frank schon auf uns wartet. Wir, also Anja, Nicole, Mine und Lola, sitzen vor super-professionellen, sabbergeschützten Mikros und haben tolle Kopfhörer auf. Wir sehen echt aus wie die, die wir immer im Fernsehen sehen! In kurzen Interviews erzählen wir über unsere Demonstrationserfahrungen und über unsere Gedanken zur Atomenergie. Gerd ergänzt das Gespräch durch Informationen zu Gorleben allgemein, zu den Castortransporten und dem Verlauf unserer BI-Tour. Zwischendurch singen wir zwei Lieder aus unserem Repertoire. Insgesamt eine halbe Stunde Live-Sendung. Die ersten Radioerfahrungen der Gruppe „Direkt“!!!

Zurück im CVJM-Haus erwartet uns ein bombastisches Frühstück mit warmen Brötchen, Obst und allem erdenklich Leckerem. (Danke, Marlies, Beate und Melani!)

Brote schmieren, abräumen, zusammen packen und los geht’s – mit unserem Bus zu Erfurts Vorzeigeplatz. Dort beginnen wir sofort mit dem Bau des 6m hohen Endlagersuchgeräts. Also: Overalls an, Bauhelme auf, Megaphon-Durchsagen und total wichtig tun! Die ‚Planungscrew’ sperrt ab und brüllt Koordinaten über den Platz, der Montagetrupp schleppt Werkzeug und Gerüststangen. Parallel richten Beate und Marlies unsern Infostand ein. Erstaunte, neugierige, skeptische Blicke bei den Erfurtern. Sobald der Bau halbwegs steht, gibt’s den ersten Auftritt von ‚Direkt’. Wir verteilen Flyer zur großen Berlin-Demo. Wer keinen Flyer will, wird mit einem unserer Spezial-Anti-Atom-Bonbons bestochen. Gerd macht auf seriös und ruft Erfurt zum möglichen neuen Endlager-Standort aus. Die Einwohner werden gebeten, ihren Atommüll um 14 Uhr zum ‚Anger’ zu bringen. Peter hat immer noch seinen wichtigwichtig-weißen Kittel an, trägt aber jetzt eine rote Clownsnase. Wenn einer kein Flugblatt will („Ich hab keine Zeit!“), bietet er ihm an, schnell mitzukommen und es unterwegs vorzulesen. Dann schon lieber das kleine Übel! Insgesamt viel positive Resonanz, aber auch Abwehr und Unwissenheit („Gorleben, was issen das?“). Am Infostand nur mäßiges Interesse.
Theater spielen wir heute nicht – zu viel eiliges Laufpublikum. Aber das Endlagersuchgerät ist ein echter Hingucker! Gerd und Lola moderieren, Achim spielt Bandoneon (oder Gerds naiven Interviewpartner), und wir singen immer mal wieder. Die elfjährige Elena aus Erfurt hat hier gestern schon auf ihrer Blockflöte gespielt – heute tut sie’s über unser Mikro. So was wie Klassik-Radio!

Um 16 Uhr dann Abbau und vorläufiger Feierabend. Am Abend eröffnet die Heinrich-Böll-Stiftung eine Ausstellung zum Thema Klimaveränderung und lädt uns auf einen Sekt ein. Kurze Überlegung, dort noch Theater zu spielen, aber dann bleibt es doch bei Sekt und Selter.

Wir Mädels gehen zusammen mit Peter ins Quartier, um noch einen Film zu sehen. Der Arme! Statt Film-Gucken probieren wir nämlich Jump-Style-Tanzen. Ali trifft’s noch härter. Als er auf dem Rückweg von der Kneipe noch was aus dem Bus holen will, wird er dabei von der Polizei erwischt: „Hände hoch und rauskommen!“ Es dauert eine Weile, bis die Polizei ihm glaubt, dass er zur Reisegruppe gehört und das Paket Salz in seiner Hand wirklich für Marlies und unser Frühstücksrührei gedacht ist. Ehrlich, wir lachen uns in den Schlaf!

Insgesamt ein super-voller/toller Tag. Schade nur, dass wir das Erfurt-Programm wegen unserer Panne um einen Tag verschieben mussten und der Wismut-Besuch weggefallen ist. Blöd vor allem für die Gruppe dort, die sich auf uns gefreut hatte. Nächstes Mal, versprochen!

Musik! Wir haben zwei Songs für euch aufgenommen, hier zum runterladen:

Fotos:
Direkt bei Radio F.R.E.I. Erfurt
Endlagersuchgerät in der Erfurter Innenstadt