KennerInnen des bayrischen Ostens hatten uns gewarnt; wundert euch nicht, ihr frechen WendländerInnen, das wird eine Herausforderung. Doch Passau hält am heutigen Sonntag ein großes interessiertes Publikum für uns bereit. Während der zweistündigen Busfahrt von München besprechen wir unsere neue Besetzung und Aufgabenverteilung, denn gestern sind siebene von uns nach Haus aufgebrochen.

In Passau begrüßt uns zunächst die Überparteiliche bayrische Plattform gegen Atomgefahren, insbesondere aus Temelin e.V. Gerhard Albrecht geleitet unseren versierten Busfahrer Gerhard zur Fußgängerzone, wo dann auch gleich die örtlichen Polizeibeamten einen Platz für uns reservieren. Leider fehlen uns 10 Sekunden Zeit, um unseren Lieblingsplatz zu beziehen, wo wir erst wieder weggekommen wären, wenn auch die letzten Passanten verschwunden sind, weil rückwärts fahren unmöglich ist. So begnügen wir uns mit dem Busparkplatz am Ende der Fußgängerzone, schleppen das Theater und unsere Infos plus Stand inmitten des Trubels und es geht los:
„Direkt“, unsere Mädelsband mit Suchtcharakter für das Tourpersonal und ZuhörerInnen mit Musikfaible macht den Einstieg, alle Aufmerksamkeit fliegt uns zu.

Sigrid, ehemalige Landkreisbewohnerin und nun Wienerin, begrüßt uns umarmend; sie ist die nächsten Tage mit an Bord.

Passaus Bürgermeister Mangold hält eine freundliche Ansprache, er freut sich über unser riesengroßes Engagement, spricht sich für einen Stop der Atomstromproduktion aus, denn erst dann könne und dürfe ein Endlager eingerichtet werden, es dürfe nicht dem Weiterbetrieb der Atomkraftwerke dienen. Damit liegen wir auf einer Wellenlänge!

Fernsehen und Zeitungen interviewen uns, filmen den Auftritt von Mine (der Deivel), Kerstin (Kasperl), Anja (Polizist) und Harderle (Großmutter). Es läuft blendend, viele PassantInnen bleiben stehen, wir verteilen Unmengen von Flugblättern.

Nils bringt den „Gurkensketch“, zerschnittene Gurkenbrennelemente werden für die Wiederaufarbeitung vorbereitet, 1 Kilo Gurken bringen 20 Kilo Gurkensalat, genial!

Boris, grüner Bundestagskandidat versucht noch, uns ein Atommüllfass unterzuschieben. Er hatte gehört, wir würden Atommüll für Gorleben einsammeln. Seine Bemühungen bleiben erfolglos, genau wie er bereits versucht hatte, bei der CSU seinen Atommüll loszuwerden. Allerdings hatten wir die besseren Argumente: Gorleben hat nur eine oberirdische Leichtbauhalle, niX Endlager, wie hier viele glauben.

In der Annahme, ihr habt den gestrigen blog alle gelesen, kleine Anekdote am Rande: Kerstin und Onno gehen ein Eis Essen, Kerstin sagt zu Onno „wasch dir mal die Hände“ Onnos Antwort (er ist 6 Jährchen alt!) „Sie traumatisieren hier die Kinder!“ Onno, du bist echt einsame Spitze!

Nach 3 Stunden und vielen Gesprächen packen wir ein und Bernd von der Plattform zeigt uns die Stadt. Der Passauer Dom ist wunderschön, wir haben noch Zeit ein paar Kerzen anzuzünden. Passau hat eine schöne Innenstadt mit verwinkelten Gassen, Häuser im Salzachstil, Bernd begeistert uns mit Geschichten, der Donau und dem Inn.

Am Abend treffen wir uns mit der interessierten Öffentlichkeit im „Bayrischen Löwen“. Die Plattform lädt uns zum Essen ein. Jutta kommt um die Ecke, fröhliches Wiedersehn. Leckere Käsespätzle und Schweinebraten, hier gibt es keine halben Sachen, nur halbe Liter Bier oder „Radler“.
Die PassauerInnen erzählen von der Situation in den Medien, der Öffentlichkeit wird vorgegaukelt, es gäbe bereits ein Endlager in Gorleben und das ist weit (genug) weg. Wir tauschen Erfahrungen und Einschätzungen aus, und ratet mal, was wir gemeinsam vorhaben? Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin! Die Idee ist, einen Sonderzug aus Linz zu starten, der über Passau nach Berlin fährt. Unsere Großdemo entwickelt sich langsam aber sicher zur Riesendemo. Gut so!

Gegen halb Elf am Abend hocken wir uns auf einen Absacker in den Biergarten unseres Veranstaltungsortes, dann geht’s auch gleich ins Bettchen. Wir übernachten am Bahnhof in einer Pension. In 4-6 Bett- Zimmern, 7,99 Euro pro Person, ein kleiner Geheimtipp (www.fahrrad-pension.com, 0851-34784)

Ein voller und erfolgreicher Tag, morgen geht’s weiter, freut euch auf die Fortsetzung des Abenteuerromans.