Der große blaue Traktor zieht einen Anhänger. Darauf ist ein großer gelber Aufbau. „Das ist ein Castorbehälter“, erklärt Toni Semet. In den echten Behältern wird in Gundremmingen Atommüll gelagert. Und um deutlich zu machen, was Toni Semet von der Sicherheit der Castoren hält, hat er in sein großes Modell eine Rakete einschlagen lassen.

Der Eppisburger Semet ist einer der Demonstranten, die am Donnerstagabend von Aislingen nach Gundremmingen gefahren sind, um dort für ein Ende der Kernkraftwerke in Deutschland zu protestieren. Ihr Motto: „Mal richtig abschalten.“ Unterstützt wurden die Menschen aus der Region dabei von Atomkraftgegnern aus dem niedersächsischen Gorleben. Dort soll in einem alten Salzstock ein Endlager für Atommüll entstehen – ähnlich wie in Asse. Mit einem Bus touren die Gorleber um Kerstin Rudeck durch Deutschland und fünf Nachbarländer. So wollen sie auf das Problem und eine Großdemo in Berlin am 5. September aufmerksam machen. Kerstin Rudeck wohnt nur dreieinhalb Kilometer vom möglichen künftigen Endlager entfernt. Die Vorstellung, dass bei ihr um die Ecke dauerhaft Atommüll gelagert werden könnte, ist für sie grauenhaft: „Das wäre eine Katastrophe.“ Sie fordert einen Ausbau regenerativer Energien.

Müll kann nicht recycelt werden

Raimund Kamm, Vorsitzender des Forums „Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortliche Energiepolitik“, unterstützt Kerstin Rudeck. Kamm sagt, dass aus den Kaminen des Kernkraftwerks radioaktive Gase kämen. Er spricht darüber, dass man den Atommüll nicht recyceln könne – und man ihn deshalb den nächsten Generationen hinterlasse: „Ich halte das für ein Verbrechen, dass wir an unseren Nachkommen begehen.“ Zudem könnten die Kernkraftwerke keinem Absturz eines modernen Flugzeugs mehr Stand halten. Sein Standpunkt: Der Atomausstieg muss beschleunigt werden. Die Laufzeiten der Anlagen dürften nicht verlängert werden. Die Grünen-Landtagsabgeordnete Christine Kamm betont: Das Problem Atommüll sei noch nicht gelöst.

Jan Kiver, Sprecher des Atomkraftwerkes Gundremmingen, sagte im Vorfeld der Demo unserer Zeitung: „Wir folgen der strikten Philosophie, dass Sicherheit stets oberstes Gebot ist. Wäre eine Anlage unsicher, würde sie abgeschaltet.“ Auch das genehmigte Standortzwischenlager sei sicher. Zudem habe das Bundesverfassungsgericht 2008 die Rechtmäßigkeit der Genehmigung und des Betriebes bestätigt. Die Endlagerung sei technisch möglich, so Kiver. Bislang spreche nichts gegen Gorleben als geeigneten Standort, „seine weitere Erkundung zum Nachweis der Endlagerung wird politisch blockiert und bewusst offen gehalten“. Der Sprecher betont, dass Atomenergie wirtschaftlich sei. Zudem sichere das Kernkraftwerk in der Region 2200 Arbeitsplätze. Und er verweist darauf, dass bei der Stromerzeugung aus der Kernenergie kein Kohlendioxid erzeugt werde.

Quelle: augsburger-allgemeine.de, 17.07.2009