Platzregen in der Nacht, Frühstück auf dem Campingplatz, Abschied von unserer Mädelsband (ihre gute Laune, ihre Songs werden uns fehlen!) und weiter geht´s. „Orange F“ steht auf dem Display des Handys, wir sind in Frankreich.

Industrielandschaften, Grand canal, der Rhein nur ein hochwasserführendes Rinnsal. Hochsicherheitstrakt Fessenheim, eine Kiste ohne Kühltürme, das aufgeheizte Wasser führt in den Rhein. Von den drei Grad Erwärmung, erklärt Axel Mayer vom BUND südlicher Oberrhein, gehen zwei Grad auf das Konto des ältesten französischen Reaktors.

Der Kampf um die Schließung Fessenheims ist voll entbrannt. Demo 3. Oktober in Colmar, nix wie hin ist die Parole. Die Aktivisten hoffen auf Unterstützung wie wir mit unserem Anliegen. Charlotte von „Sortir du Nucléaire“ erklärt uns mehr zu Fessenheim: ein gruseliger Ökowitz: „Orchideen aufm Gelände, Energiesparlampen, Ökozertikat“. CDU- Pofalla würde sich freuen – Atomstrom tarnt sich als Ökostrom. Die Franzosen beneiden uns um die noch begrenzten Laufzeiten der deutschen Meiler. Nach der Revision Fessenheims im Herbst nach 30 Jahren Laufzeit ist von 60 Jahren Laufzeit in Frankreich die Rede. Wir parlieren ein wenig Fraanzösiisch, das können wir nämlich auch.

Wir sind im Dreiländereck, der Geburtsregion der Anti-AKW-Bewegung: „Nai hämmer gsait“.

18. Februar 1975, ein Gedenkstein in der Rheinaue erinnert an den erfolgreichen Anti-AKW-Widerstand. Fessenheim wurde gebaut, aber Wyhl (D), Kaiseraugst (CH) und Gerstheim (F) wurden verhindert. Der Gedenkstein erfordert aufwändige naturschutzrechtliche Genehmigungen, mehr als so ein AKW, witzeln unsere Gastgeber. Zum Reibepunkt gehörte auch das Bleichemiewerk Marckolsheim, erste Platzbesetzungen, ziviler Ungehorsam, jetzt Solarpionierregion.

In Sasbach wohnt Werner Mildebrath, Bastler der ersten Stunde, noch als der Kampf um Wyhl geführt wurde, führte er vor, wie aus Sonne Strom und Wärme gewonnen wurde. Weisweils Bürgermeister Oliver Grumber erklärt uns später beim Empfang im Rathaus, dass der Hort des Anti-AKW-Widerstands mit seinen 2150 Einwohnern heute bereits mehr als 1 Megawatt Sonnenenergie erzeugt (www.SolarRegio.de).

Da sitzen sie, die alten Kämpen, Erhard Schulz von den Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen, Kurt Schmidt und einige Ratsmitglieder. Heinz Erler, der Archivar, führt uns durch das Wyhl-Archiv und das Heimatmuseum im Rathaus. Ein Kuriosum, für die Leute hier politische Normalität: Dieter Ehret, umweltpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im badenwürttembergischen Landtag, engagiert sich für die Regenerativen und ficht heftig gegen Atomkraft. Jutta aus Hitzacker, deren Sohn FDP-Kreistagsabgeordneter ist, heftet sich gleich an seine Fersen.

Wir nippen einen leichten Weißwein (Laufener Altenberg, Weisser Gutedel Kabinett trocken, 2007). Der Kaiserstuhl sonnt sich.