Aufstehen gegen Atomkraft dauert ungefähr zwei Stunden. Melani will noch die Waschmaschine anschmeißen – „keine Zeit“- und der Professor ist ohnehin ein Langschläfer. Wolfgang will mal duschen, aber Pustekuchen, das kleine Bad ist dauerbesetzt… irgendwann irgendwie sind dann doch alle im Bus und Gerhard startet durch (heimlich lauschen alle, welche Motorengeräusche es gibt). Wohin geht die Reise?

Nicht nach Büchel zum Camp. Programmänderung. Sind ja flexibel. Es geht nach Friedberg. Es sollte eine Überraschung sein, und die Überraschung war perfekt. Fünf vor zwölf stoppt unser Reisebus im Mühlweg , vor dem Geburtshaus von Andreas Maier. Beklebt mit Plakaten gegen die Atomkraft. Wir springen heraus und überreichen dem verdutzten Vater Helmut Maier eine Flasche Whitewendisch – einen Schafsmilchlikör aus dem Wendland, natürlich Bio. Gerhard Harder spricht der Familie eine Einladung ins Wendland aus: Sohn Andreas Maier, preisgekrönter Friedberger Literat, hatte als Stipendiat den Gorleben-Widerstand kennen gelernt und trat im Herbst 2008 bei dem letzten Atommülltransport nach Gorleben als einer unserer Hauptredner auf. Mit Sätzen wie diesen trifft er unseren Nerv:

„Neulich fuhr ich mal wieder ins Wendland. Dort sind alle Menschen bärtig und können jonglieren. Auch der Vorsitzende der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg hat einen Bart und kann jonglieren. Offenbar hat sich über dem Widerstand gegen die bundesdeutsche Atomwirtschaft dieser eigenartige Bartwuchs ergeben. In Asterix Band eins (Asterix der Römer) wird einmal ein Zaubertrank gebraut, der unmittelbar zu Bartwuchs führt. Plötzlich wächst der gesamten römischen Armee ein Bart, wie dem Widerstand im Wendland. Überhaupt hat sich der Widerstand im Wendland schon immer von Asterix her definiert. Ganz Deutschland ist von der bundesdeutschen Atomwirtschaft besetzt … ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Wendländern besetzter Landkreis hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Der letzte Castortransport hieß ganz folgerichtig Castornix.“

Wir laden unsere Klamotten vor dem Haus der Naturfreundejugend in Köln aus. In Köln gibt es nicht nur Kölsch. Am Samstag treffen sich hier AKW-Gegnerinnen und Gegner aus NRW zu ihrem AKW-Nee. Das AKW Emsland hat gerade eine Schnellabschaltung erlebt. Die RWE kommen unserem Abschaltbesuch, der für die näXte Woche geplant war, zuvor. Na bitte, geht doch!