Am 18. Juli 2009 sorgte eine Vorabmeldung auf Spiegel-online für großes Aufsehen und ein breites Medienecho – hier in der Region. Zum Fakt gleich. Zuerst: Wo ist hier? Hier ist in Sichtweite auf das Forschungszentrum Jülich.

Mal wieder wurde das verräterische Wort „Kern“ im Namen gestrichen wie in Karlsruhe, so als wäre damit das Gedächtnis an die Machenschaften der Karlsruher und Jülicher Atomanlagen getilgt.

Doch die Vergangenheit klopft an die Tür. Offensichtlich ist der 1988 abgeschaltete Versuchsreaktor mit viel zu hohen Temperaturen betrieben worden und nur knapp an einer Katastrophe vorbeigeschliddert. Unausgereifte Brennelemente in diesem Kugelhaufenreaktor und die zu hohen Betriebs-Temperaturen führten zu einer Verseuchung des Reaktorkerns mit einer hohen Menge an Cäsium-137 und Strontium-90. 198 Brennelemente mit hochangereichertem Uran haben sich teilweise verhakt. Der ganze Reaktorkern, 2100 Tonnen schwer, muss nun aus seinem Gehäuse herausgeschnitten und ummantelt werden: ein riskantes Unterfangen, ein Dauerzwischenlager, ein Mahnmal der Gewissenlosigkeit und des Dilettantismus.

Dr. Rainer Moormann, Sicherheitsexperte im Foschungszentrum ohne „Kern“, warnt im „Super Sonntag“ vom 26. Juli massiv davor, die Kugelhaufen-Reaktortechnologie weiter einzusetzen. Sein Wissen und Gewissen lässt es nicht länger zu. Aber mit Südafrika steht ein Interessent vor der Tür, angeblich sollen dort 50 dieser Reaktoren dieser Reihe gebaut werden.

Will jemand den Bericht nachlesen, muss er/sie googeln, wir haben ein Exemplar des „Super Sonntag“ eingesteckt und geben es nicht mehr her. Bestellungen an unser BI-Büro per Mail unter buero@bi-luechow-dannenberg.de

Der Ortstermin vor der Einfahrt zum „Forschungs“zentrum (wenn die „Kern“ weglassen, schlagen wir mit Anführungszeichen zurück) hat womöglich ein juristisches Nachspiel. Martina aus Aachen erwartet uns dort, wir stoppen zum Fototermin, sammeln Desinformationsmaterial der Betreiber ein, Wilhelm Mister X wird vom Wachdienst geschubst…hey, keine Gewalt! …und da kommt doch tatsächlich die Piliti zum Marktplatz in Jülich, wo das Bohrgerüst sich in den Regenhimmel streckt.

Hauptkommissar Enen will Martina sprechen, es läge eine Anzeige gegen sie vor, nicht angemeldete Versammlung und so. Da müssen wir laut lachen, sich treffen und fotografieren soll eine Versammlung sein? Warten wir mal ab, wenn das ein Nachspiel hat, dann halten wir dagegen, aber Martina ist doch ziemlich aufgeregt.

Der Jülicher Marktplatz ist übrigens auch als Endlager geeignet, genau unter unserem Bohrgerüst ist schon eine eiserne Einstiegsklappe in den Untergrund. Die Jülicher halten sich aber eher am Rande. Gerhard H. ist sauer, weil das Eiscafé, in dem wir uns vor unserer Bohraktion an Cappuccino und Eis gelabt haben, will unsere Show nicht bestromen, aber der Modeladen „Laufsteg“ ist lockerer drauf und gibt uns Volt.

Mister X. kann loslegen und die Passanten irritieren. Das mit dem Atommüll und Gorleben ist doch ziemlich weit für sie weg, und Jülich ist ein „Standort“. Ein ältere Dame beginnt zu weinen, ihr Mann hatte bei den Jülichern gearbeitet, er starb vor fünf Jahren an Krebs. „Ich will und kann nicht sagen, deshalb“, sagt sie. „Aber wir haben uns immer gestritten, weil doch keiner wusste, wohin mit dem Atommüll“.

Gleich danach kommt noch ein Passant und steckt dem Professor, er müsste mal auspacken. Aber bitte nur anonym. Hallo, wo sind wir denn hier? Braunkohletagebau, Atomforschung, Angst? Wovor? Dieser Dr. Moormann erscheint uns als Held.

Kristina verwickelt so einige, die nun Ökostrom beziehen wollen. Übrigens: der Aufbau des Bohrgerüsts geht immer schneller von statten. Andrea und Mechthild werden eingewiesen, Rainer aus Köln vom Gegenstrom hatte uns bis Jülich begleitet und Walter aus Lüchow-Stadt ist auch noch dazu gekommen.

Nun aber kommt das Problem: Es ist 18 Uhr, bis 19 Uhr kann Gerhard natürlich nicht bis Ahaus kommen, der Fahrtenschreiber ist gnadenlos. In Gefahr und größter Not hilft Heinrich, einer von sieben Linken aus Hambach, lädt uns alle ein: Wir nächtigen in der Garage, im Wohnwagen, auf dem Rasen, geht doch.