Immerhin 5 Stunden dauert die Reise von Tokio bis Hiroshima im Süden selbst mit dem Schnellzug. Erst um 15 Uhr angekommen ging es sofort als Sprecher in eine Pressekonferenz. Eingeladen hatte NAZEN Vertreter der Hibakusha (Überlebende der Atombombenangriffe) aus Hiroshima und Nagasaki, zwei Biobäuerinnen aus Fukushima für die Organisation der Fukushima-Frauen und Martin als Vertreter des deutschen Widerstands. Auffällig war, dass auf dem Podium fast ausschließlich Frauen saßen. Insgesamt scheint die Anti-Atom-Szene zu einem großen Teil von Frauen getragen zu sein.

Einig waren sich die Sprecher darüber, dass Japans Premierminister Yoshihiko Noda, der noch vor kurzen das AKW Oih wieder anfahren liess und öffentlich behauptete Atomkraft werde aus Sicherheitspolitischen Gründen benötigt, nicht auf der morgigen Gedenkfeier für die Opfer der Atombombe reden solle.

Auf der Pressekonferenz folgte die Geburtstagsfeier von NAZEN. Erst am 05.08.2011 wurde diese Organisation gegründet und erlebte in diesem einen Jahr einen beispiellosen Aufstieg zu der bedeutensten Initiative des japanischen Widerstands. Gleichzeitig werden noch immer in allen Teilen des Landes neue NAZEN-Gruppen gegründet. Yosuke Oda ist 30 Jahre als und Vorsitzender der Organisation. Die anderen führenden Aktivisten sind ungefähr im selben Alter. Umso erstaunlicher ist, daß sie es gemeinsam geschafft haben die unterschiedlichsten Gruppen unter ihrem Dach zu vereinen. Jung wie alt von den Opfern der Atombomben über Studenten bis hin zu kritischen Ärzten, Anwälten und Gewerkschaften, war auf der heutigen Versammlung alles vertreten. Ein großer Erfolg und wichtiger Schritt hin zu einem breiten, gesellschaftlichen Bündniss. Die Erste Rede gebührte Martin als Vertreter des Gorlebenwiderstands. Sowohl sein Auftritt als auch die Rede würden immer wieder von großem Beifall begleitet. Viele der Gruppen hatten ebenfalls. Redner geschickt um über die verschiedenen Aspekte der Atomkraft in Japan zu sprechen. Viele der Informationen waren neu für uns und manche Lügen und Fehlinformationen der Regierung/Betreiber so unglaublich, dass es uns fast die Sprache verschlagen hätte. Eine wahre Flut von Neuigkeiten, die den Rahmen dieser Seite sprengen würden.

Abschluss einen jeden Abends ist das Nomikai. Man könnte es als Feierabendbier übersetzen, allerdings würde das dem Geschehen nicht gerecht werden. Nomikai ist auch die Diskussion mit Gleichgesinnten, neue Kontakte knüpfen und sich über Erfahrungen austauschen. Nach einem stressigen Tag voller Aktivität, die Zeit sich hinzusetzen und entspannt bei Essen und Trinken über die politische Situation zu reden. Morgen dann ist der Tag der Gedenkfeier in Hiroshima in deren Anschluss Martin noch einmal sprechen darf. Danach steht ein Besuch des Friedensmuseums und des Friedensparks an.

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