Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.

07. August 2012

Heute die nächste Reise, weiter in den Süden. Schon in Deutschland hatten wir von den Fischern von Iwaishima (Wegen ihrer Form auch Herzinsel genannt) gehört. Die Bewohner der Insel kämpfen seid 30 Jahren gegen den Bau eines AKW auf ihrer Nachbar Insel.

Die Parallelen zu den Bauern im Wendland, haben uns neugierig gemacht und wir wollten unbedingt mehr darüber erfahren. Die kleine Insel Iwaishima liegt circa 80 km südlich von Hiroshima in einem Gebiet, das man als japanisches Mittelmeer bezeichnen könnte. Die Insel selber ist nur 7,6 qkm groß und hat nur 500 Einwohner. Das Klima hier ist subtropisch, überall hört man Zikaden und die Schmetterlinge haben die Größe von kleinen Vögeln. Eine Gegend wie ein Paradies und genau hier soll nach dem willen der Atomkonzerne ein AKW gebaut werden.

Die Pläne für dieses AKW sind bereits 1982 bekannt geworden und seit dieser Zeit leisten die Fischer der Nachbarinsel Widerstand. Erst einmal ist es etwas verwunderlich, warum auf der Nachbarinsel Widerstand geleistet wird und auf der Insel auf der eigentlich gebaut werden so fast nichts passiert. Schaut man sich jedoch die Gegebenheiten an, wird es klarer. Trotzdem die Baustelle nicht auf der eigenen Insel ist, ist das Dorf von Iwaishima die dichteste Siedlung im Umkreis. Mit Bedacht haben die Verantwortlichen den Standort so gewählt, dass er möglichst weit weg von Siedlungen der Baustelleninsel liegt. Und natürlich haben die Bewohner der Insel Kaminoseki viel Geld bekommen damit sie stillhalten. Auch die Menschen von Iwaishima haben Geld angeboten bekommen, doch sie würden von ihrem Dorf direkt auf das Atomkraftwerk schauen und haben abgesehen von dem hässlichen Anblick, große Angst um ihre reichen Fischgründe und vor einem Unfall. Nach unzähligen Prozessen und Gerichtsverhandlungen sollten 2009 die Bauarbeiten beginnen. Um die Reaktoren zu bauen müsste eine ganze Bucht aufgeschüttet werden. Doch als die Schiffe kamen um mit Bojen das Gebiet für die Aufschüttung, waren die Fischer schon da und haben mit ihren Booten die Bucht blockiert. Seit dem finden sie immer wieder Aktionen und Blockaden rund um die Baustelle statt. Seit der Katastrophe von Fukushima ruhen die Arbeiten.

Der einzige Weg zur Baustelle und dem geplanten AKW an sich ist schon ein abenteuerlich. Es geht auf auf Serpentinen 20 Minuten über eine einspurige Straße quer durch den japanischen Dschungel. Wie dort im Ernstfall Einsatzkräfte zum AKW kommen sollen bleibt ein Rätsel. Am Ort des Geschehen angekommen findet man sich in einer wunderschönen Bucht wieder umgeben von unberührten Bambushainen. Ein AKW zu bauen ist überall Irrsinn. Hier scheint es allerdings noch absurder. Nicht weit entfernt steht bereits ein AKW. Es ist momentan vom Netz, soll aber das nächste sein, dass wieder hochgefahren wird. Der örtliche Energiekonzern musste unlängst zugeben, dass ein Strommangel nicht zu erwarten ist. Allein das natürlich bereits existierende AKW bedeutet eine große Gefahr für die dortigen Fischgründe. Noch dazu durchfliesst die Strömung des Meeres dort das gesamte japanische “Mittelmeer”. Bei einem Unfall würde das nicht den Verlust der fischreichsten Region Japans bedeuten und den Tod für die selten Belugas und viele andere Tierarten bedeuten auch die Existenz der dort vom Fischfang lebenden Menschen wäre zerstört. Das geplante AKW auf Kaminoseki würde diese Gefahr noch potenzieren. Es bleibt nur zu hoffen, dass die japanische Regierung endlich einlenkt und die Pläne für den Bau endlich aufgibt und die bestehenden AKW nicht wieder anfährt.

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