Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.

Uran-Konferenz in Tansania, 4.10.2013

Am Morgen des 4.10. beginnt die Konferenz mit einigen Worten der Begrüssung durch Helen Kijo Bisimba, Dr. Exec. Director Legal Human Rights Center Dar Es Salaam, Joan Leon, Rosa Luxemburg Stiftung, Dar Es Salaam und Günter Wippel, Uranium Network.

Der zu spät kommende Minister für Gesundheit wartet die Präsentation des National Environment Councils NEMC und der Tanzania Atomic Energy Commission TAEC ab , bevor er durch Andreas Nidecker IPPNW Schweiz begrüsst wird. Im späteren Interwiew befragt, wie die Regierung Tanzanias die enorme Last der Renaturierung der Minen bewältigen will und wer dafür zahlt, erfahren wir das alles vertraglich geregelt-und Kapazitäten dafür aufgebaut werden.

Hilma Shinondola-Mote aus Namibia beschreibt die Ausbeutung der Minenarbeiter und den fehlenden Arbeitsschutz, der laut Minenbetreiber auch nicht nötig sei « Low level Radiation is not dangerous » (Rössing Mine) Sie erstellte 2008 den Report «Mystery behind low level Radiation» . Robert Mtonga IPPNW Zambia berichtet über Tuberkulose bei Minenarbeitern und beschreibt die Situation als « Worst public health problem we are facing today » Ein Drittel der Bevölkerung in Zambia sind Minenarbeiter. Thomas Seifert, Prof. für Geologie an der TU Bergakademie Freiberg erklärt die «mysteriösen» Krankheiten der Minenarbeiter im Erzgebirge, die dort seit dem Mittelalter Silbererz schürfen und dabei das freigesetzte Radongas aus Urananteilen einatmen, das auch heute noch eines der Hauptprobleme der Minenarbeiter darstellt und Lungenkrebs verursacht. Aus Südafrika ist Mariette Liefferink angereist. Sie arbeitet für die »Federation for a Sustainable Environment » und beschreibt die Hinterlassenschaften der Minen als das drittgrösste Problem nach der Erderwärmung. Minen ziehen weiter, die Menschen bleiben und leben in der Nähe von Abraumhalden (Tailings) die mit der Strahlungsintensität von Tschernobyl vergleichbar sind. Winderrosion treibt entstehende Teilchen und Gase aus dieser Gegend bis weit in die Welt und diese konnten beispielsweise in Tasmanien nachgewiesen werden. Kosten/ Nutzen-Berechnungen werden immer nur für den Laufenden Betrieb der Minen berechnet. Post Mining Kosten sind nicht dabei. Auch die SDAG Wismut hat laut Urs Ruegg Prof. für Pharmakologie IPPNW Schweiz nach allen Kosten/ Nutzen- Berechnungen niemals Gewinn erwitschaftet. 80-90 % des bisher abgebauten Urans wurden für Waffentechnologie benutzt.

Nouhoum Keita, aus Bamako in Mali, der vor 2 Monaten das Wendland besuchte und die Gorlebener Atomanlagen besichtigte, beklagt das fehlende Wissen über die Aktivitäten der Internationalen Konzerne und die Armut seines Landes, obwohl jedes Jahr etwa 50 Tonnen Gold exportiert werden. Sein Landsmann Cheik Camarra, Abgeordneter der Region Keniaba, zu der auch die Gemeinde Falea gehört (www.Falea21.de) beschreibt das Treiben der Konzerne als Genozid an der Region und ist entschlossen, den Kampf ohne Waffen aber mit Intelligenz bis zum Ende weiterzuführen. Zum Abschluss hören wir Sally Ramatou aus dem Niger, wo der Französische Staatskonzern Areva seit über 40 Jahren Uran für seine Atomkraftwerke und den Weltmarkt abbaut. «Ab drei Uhr Morgens ist es möglich für eine Stunde Wasser zu besorgen, während die Minen um Arlit etwa 900.000 Kubikmeter pro Stunde verbrauchen.» Diese sind der grösste Arbeitgeber im Niger, aber das meiste Geld geht in die Taschen einiger Regierungsmitglieder, während die Bevölkerung eine der ärmsten der Welt ist. «Im Gegensatz zu uns hat Falea noch eine Wahl und wir müssen ihnen helfen.» Die eingangs erwähnte Tanzania Atomic Energy Commission (TAEC) wurde 2003 mit dem Atonic Energy Act No 7 geschaffen und soll die sichere und friedliche Nutzung der Atomenergie für Gesundheit und Wohlstand der Bevölkerung fördern. Laut National Environment Management Council (NEMC) gibt es ohne Umweltverträglichkeitsstudie keine Lizenz zum Abbau von Uran, es gibt aber keine Experten die eine solche Studie erstellen könnten. «Tanzania started to get experts to protect uranium mining.» Nachdem die UNESCO der Regierung Tanzanias die Erlaubnis erteilt hat, die Grenzen des Schutzgebietes Sealou Game Reserve im Süden Tanzanias zu verändern um Uranexploration zu betreiben, fragt sich das Leagal and Human Rights Centre mit einem Film zum Thema, ob die Regierung des Landes bereit ist, sich den Herausforderungen des Umwelt und Gesundheitlichen Desasters des Uranabbaus zu stellen. An weiter fortgeschrittenen Ländern im Bezug auf Uranabbau, wie dem Niger oder Kanada erkennen wir immer wieder die desaströsen Fehlentscheidungen einzelner Politiker und Internationaler Konzerne, welche besonders in Afrika auf niedrige Umweltstandarts und damit höhere Gewinne aus sind, im Falle Tanzanias Konzerne aus Australien, Russland und Südafrika.

Nach dieser Masse niederschmetternder Informationen eines solchen Tages stellt sich die Frage, wie die Internationale Anti AKW Bewegung konkret gegen die gesamte nukleare Kette arbeiten.  Das würde im Einzelnen bedeutet:

  • Sofortiger Austieg aus dem Euratomvertrag
  • Keine sonstigen Subventionen oder Standortvorteile für AKW Betreiber
  • Umfassende Berechnung unter Einschluss sämtlicher Renaturierungsarbeiten (und damit das wirtschaftliche Aus)
  • Persönliche Haftung des Managementes
  • Sofortige Stilllegung der Anreicherungsanlage in Gronau und der Brennelementefabrik in Lingen
  • Anpassung der Versicherungspolicen an den möglichen Schaden durch AKW Unfälle
  • Schadensersatzzahlungen an Minen-und AKW Arbeiter und ihre Familien
  • Vorherige Beteiligung der Bevölkerung nach dem Prinzip «Free Prior Informed Consent»
  • Keine Weisungsbefugnis der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) gegenüber der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
  • Einrichtung eines öffentlich-rechtlichen Fonds für die Verwaltung der Rücklagen der AKW Betreiber
  • Internationale und unabhängige Aufarbeitung der Katastrophe von Fukushima

Vor uns liegt ein weiterer Konferenztag und das Treffen der African Uranium Alliance, bevor wir in den Süden Tanzanias zum Sealous Game Reserve aufbrechen.

Günter Hermeyer, BI Lüchow-Dannenberg