Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.

Das Celler Loch

Als im März 1979 der Gorleben-Treck nach Hannover begann, ließ Justizminister Hans-Dieter Schwind (CDU) im Celler Gefängnis vorsorglich 80 Zellen für die Teilnehmer freihalten; die "Schlacht um Gorleben" stehe bevor, so Schwind.

In Lüchow wurde die Polizei aufgestockt, der Bau der 40-Millionen-DM-Polizeikaserne an der Saaßer Chaussee wurde geplant. Der niedersächsische Verfassungsschutz meldete Extremisten mit Stützpunkten in Wohngemeinschaften im Wendland...

Der Treck vor 40 Jahren, der aus Gedelitz nach Hannover tuckerte, machte deshalb in Celle am Knast halt, um gegen die Stigmatisierung und Kriminalisierung des gewaltfreien Widerstands gegen das Nukleare Entsorgungszentrum Gorleben zu protestieren.

1978 - Das Celler Loch

Berühmt wurde die Justizvollzugsanstalt Celle durch ein Ereignis im Jahr zuvor. Am 25.Juli 1978 rumste es dort, es gab es einen Anschlag auf die Knastmauern der JVA.

Das Loch in die Mauer des Hochsicherheits-Zuchthauses im niedersächsischen Celle hatten Terroristen gesprengt. Sie wollten das Mitglied der Roten Armee Fraktion (RAF) Sigurd Debus befreien. Eilmeldungen überschlugen sich, Polizei, Staatsanwaltschaft und Politik hatten die Einzelheiten vorgegeben. Niedersachsens Justizminister Schwind war eigens mit einer Kohorte von Journalisten vor das »Celler Loch« geeilt, um die linken Terroristen anzuklagen. In einem Beitrag für die Zeitschrift Ossietzky war Horst Schäfer der Sache nachgegangen:

"Der Spiegel bereicherte die Kampagne gegen links und kannte drei Wochen danach (Heft 34/1978) auch schon Hintergründe. Insgesamt war auf sechs Heftseiten von »mehr als 50 Anschlägen der Sprengstoffbrigaden« die Rede, ein Bild vom Celler Loch wurde auch gedruckt. Mit wissendem Finger zeigte das Blatt nach links auf die angeblichen Täter und textete: »Zur wichtigsten Erscheinungsform des westdeutschen Terrorismus haben sich die ›Revolutionären Zellen‹ entwickelt ...«". Heft 14/2018

Erst im Jahr 1986 wurde aufgedeckt, dass die Geheimdienste, Polizei und hohe Stellen der damaligen Bundesregierung von Helmut Schmidt und Ernst Albrecht hinter dieser Aktion steckten. Es war die Zeit nach der Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyers durch die Rote Armee Fraktion (RAF), Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) hatte um "exotische Lösungen" im Kampf gegen den deutschen Linksterrorismus gebeten und Niedersachsens Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) fühlte sich herausgefordert, eine solche „Lösung“ anzubieten. Immer wieder wurde auch versucht, den Gorleben-Widerstand in die Nähe der RAF zu rücken.

Celler Loch wird Theaterstück

Dieses kleine Loch in der Gefängnismauer riss ein riesiges Loch ins Vertrauen in den Staat. Was damals 1978 rund um die Justizvollzugsanstalt Celle geschah, war gleichermaßen so absurd, dass ein Drehbuchautor es kaum schräger erfinden könnte.

Andreas Döring, Intendant am Schlosstheater und Regisseur sowie Autor des Stückes, hatte 1989 vom "Celler Loch" gehört. Damals arbeitete er noch in der Schweiz. Als Döring 2014 nach Celle ans Schlosstheater kam, brachte er schon die Idee mit: Irgendwann würde er ein Theaterstück daraus machen.

Das Schlosstheater Celle hat diese Story jetzt in ein Schauspiel umgewandelt, ein Musical im Stil der Blues Brothers, das kürzlich uraufgeführt wurde.

Die nächsten Aufführungen finden statt am 1. April / 3. April /6. April / 13. April
Tickethotline: 05141 90508-75/76