In diesem Frühjahr droht ein Atommülltransport, der aus der britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield ins Zwischenlager im hessischen Biblis rollen soll. Atomkraftgegner*innen mobilisieren jetzt zu Protesten, denn dieser Transport ist gefährlich und letztlich unsinnig.

Erstmals nach vielen Jahren sollen wieder Castor-Transporte aus den Plutoniumfabriken in Sellafield in England und aus La Hague in Frankreich nach Deutschland rollen. Gemäß der bereits 2015 von der Bundesregierung mit den Energiekonzernen ausgehandelten Vereinbarung ist der Zielort nicht mehr Gorleben. Die 21 Behälter werden auf vier Atomstandorte, in die sogenannten „Standort-Zwischenlager“ nach Biblis, Philippsburg, Isar und Brokdorf verteilt.

Der erste dieser Transporte soll bereits im Frühjahr stattfinden. In Sellafield werden die Behälter mit dem hochradioaktiven Atommüll für den Transport nach Biblis beladen. Am 9. Oktober 2019 fand bereits ein Castor-Probetransport nach Biblis statt. Am 23. Dezember 2019 wurde die Aufbewahrung der hochradioaktiven Brennelemente im Zwischenlager Biblis genehmigt. Die Transportgenehmigung werde „mit Priorität“ bearbeitet, heißt es aus der zuständigen Behörde. Es könnte also schon bald Ernst werden.

Aus La Hague sollen 2020 oder 2021 weitere Behälter nach Philippsburg rollen, es folgen Transporte aus Sellafield 2023/2024 nach Isar und Brokdorf.

„Rückkehr der Untoten“

Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) unterstützt das Bündnis, das sich gegen diese Transporte zur Wehr setzt: „Der Nachklapp zu den Castor-Transporten, die bis 2011 nach Gorleben rollten, wirkt wie die Rückkehr der „Untoten“. Und auch die medial befeuerte Debatte um eine „Renaissance“ der Atomkraft gehört zu diesem Genre.“

Für viele Menschen ist der deutsche Atomausstieg beschlossene Sache. Doch sechs Reaktoren laufen noch. Die Frage ist, ob durch das Abwürgen der Energiewende Sachzwänge geschaffen werden, um deren Weiterbetrieb über die vorgesehen Stilllegungsdaten hinaus zu erzwingen. Die Auseinandersetzung um die Atomkraft hat gerade wieder Fahrt aufgenommen. Derzeit wird nicht der Klimakatastrophe gegengesteuert, sondern die Energiewende sabotiert. BI-Sprecher Wolfgang Ehmke: „Deshalb heißt es präventiv: Castor-Stopp meint auch Atomkraft-Stopp!“
Jeder Transport bedeutet auch das Risiko von Unfällen, Sabotage oder Anschlägen. Ein Castor-Behälter ist nicht „absolut sicher“, wie es die Betreiber immer behaupten. Ihrer Konstruktion liegen unrealistische Unfallszenarien zugrunde, so dass von großflächiger Verseuchung bei einem schweren Unfall mit Freisetzung des Inventars ausgegangen werden muss. Risikominimierung bedeutet Transporte-Stopp!

Der Zeitplan der Endlagersuche bringt es außerdem mit sich, dass die Behälter deutlich länger als bisher genehmigt in den Zwischenlagern aufbewahrt werden müssen, das birgt völlig neue Risiken. Zwar wird bekanntlich „neu gesucht“, doch das Suchverfahrens ist mit vielen Fehlern behaftet. Eine Option ist: Gorleben bleibt der Notnagel im Fall des Falles, also für den Fall, dass die Endlagersuche scheitert.

Anti-Atom-Aktionstag am 2. Februar

Am Sonntag, den 02.02.2020 wird bundesweit an verschiedenen Tatorten der Atomlobby mit Aktionen für die sofortige Stilllegung der noch laufenden AKWs und gegen die Blockade der Energiewende protestiert. Mit kreativen Aktionen wird auf das Atommülldilemma aufmerksam gemacht, dessen Gipfel die bevorstehenden CASTOR-Transporte sind.

Angekündigt sind bereits mehrere Aktionen, in Neckarwestheim, Biblis, Berlin, Hamburg, Grohnde, Gronau, Weimar, Karlsruhe oder in Salzgitter vor der Genehmigungsbehörde BASE (Bundesamt für die Entsorgung der nuklearen Abfälle).

Wolfgang Ehmke, Pressesprecher, 0170 510 56 06