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„Das Wunder von Gorleben“ – Neuauflage

Wie die Zeit vergeht!

Vor 49 Jahren, am 22. Februar 1977, benannte Ernst Albrecht (CDU) Gorleben als Standort für ein Nukleares Entsorgungszentrum.

Er brachte mit seiner Entscheidung prompt die Landwirte, seine Kernwählerschaft, gegen sich auf. Im Lüchower Gildehaus referierte auf Einladung des Landvolks just an diesem Tag Dr. Carsten Salander von der späteren Deutschen Gesellschaft zur Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen (DWK), die mit ihren Atomplänen in Gorleben, Dragahn, Wackersdorf und anderswo für Furore sorgte.

Da saßen sie alle zusammen, als die Gorleben-Entscheidung verkündet wurde, und kamen aus dem Staunen nicht heraus. Eine Wiederaufarbeitungsanlage ist ein Atom- und Chemiefabrik. Der Acker, das Wasser, die Luft würden kontaminiert. Wenige Tage später rollten die ersten Trecker durch die Kreisstadt Lüchow.

Das „Wunder von Gorleben“ erscheint jetzt in einer Neufassung

In seinem Essay-Band „Das Wunder von Gorleben“ stellt Wolfgang Ehmke die steile These auf, dass dieses verstörende Timing einer der Treibsätze für den Gorleben-Widerstand war, in einer Kette von vielen Zufällen, Glücks- und Unglücksfällen, die der Bewegung schließlich zum Erfolg verhalfen.

Die vierte Auflage des Buches erscheint nun rechtzeitig zu diesem Jahrestag. Sie ist völlig überarbeitet und verweist auf die Aufgaben der kommenden Jahre. Die Atomkraftwerke in Deutschland sind zwar abgeschaltet, aber national und international bleibt die Atomenergie – nicht nur – im Gespräch, obwohl inzwischen selbst die Energiekonzerne vor einem Wiedereinstig warnen, und zwar aus Kostengründen.

Der Müll bleibt ohnehin, auch in Gorleben. In der Neufassung werden die aktuellen Probleme der Endlagersuche und der verlängerten Zwischenlagerung in den Fokus gerückt.

Im Schatten des Gorleben-Konflikts machten sich Energiepioniere auf den Weg. Aufgenommen in den nunmehr 174seitigen Band wurde der legendäre Aufruf „Gorleben soll leben“ – ein wegweisendes Manifest für den Ausbau der Regenerativen. Wer das Manifest wie eine Checkliste liest, kommt aus dem Staunen nicht heraus, wieviel letztlich davon mittlerweile umgesetzt wurde. Das macht Mut.

Der Kampf gegen die Atomkraft war und ist zudem nicht zu trennen vom Kampf gegen fossile Energien – das gemeinsame Band der Bewegungen ist das Engagement für den Ausbau der Regenerativen. Doch da ist etwas ins Stocken geraten. Auch hier werden Hintergründe und Fakten geliefert. In Zeiten von Krieg und Krisen und einem zunehmenden Rechtsruck der Gesellschaften gibt es Gegenwind. Dafür, dass daraus keine Kehrtwende wird, steht dieses Buch.

Atompolitik, Widerstand und eine offene Zukunft… Wyhl, Brokdorf, Kalkar, Wackersdorf – Orte des Protests. Gorleben wurde zum Symbol. Als Castor-Transporte ins Wendland rollten, wurde hier über nichts Geringeres verhandelt als über die Zukunft der Atomkraft in Deutschland. Auf Straßen und Schienen. Immer wieder. Doch was wäre passiert, wenn Ende der 1970er Jahre die Wiederaufarbeitungsanlage in Gorleben trotz massiven Widerstands gebaut worden wäre? Mit Folgen für bis zu 50 Atomkraftwerke – und für den Atomausstieg selbst.

Wolfgang Ehmke erzählt die Geschichte von Erfolgen und Niederlagen der Anti-Atom-Bewegung und stellt die entscheidende Frage: Wäre der Atomausstieg nach Fukushima überhaupt möglich gewesen?

„Das Wunder von Gorleben gehört in den Pflichtkanon all derjenigen, die sich mit echter Nachhaltigkeit beschäftigen.“
Christian von Hirschhausen

Gorleben ist überall.
Gestern. Heute. Morgen.

4. überarbeitete Auflage
Taschenbuch · 176 Seiten

9,80 €