Atommülldesaster offen eingeräumt

Aus Zwischenlagern werden Dauerlager. Das sieht inzwischen auch die Entsorgungskommission (ESK) so. In einer Stellungnahme, die sie für die Endlagerkommission des Deutschen Bundestages erarbeitet hat, konstatieren die Berater des Bundesumweltministeriums nüchtern, dass Castor-Behälter bis zu 100 Jahren gelagert werden müssen, bis ein Endlager bereit steht. Zugelassen sind jedoch nur Zwischenlagerzeiten bis zu maximal 40 Jahren. In Gorleben beispielsweise, so erinnert die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI), läuft die Betriebserlaubnis 2034 aus.

In der ESK-Stellungnahme heißt es wörtlich: „Für die Zwischenlagerzeiträume sind etwa 65 bis 100 Jahre für einen nennenswerten Teil der bis etwa 2027 nach Abschaltung aller Kernkraftwerke zu beladenen Behälter (insgesamt etwa 1.900 Behälter) unvermeidlich.“

Dieses späte Eingeständnis des Entsorgungsdilemmas – Anti-Atom-Initiativen hatten schon zu Beginn der Zwischenlagerung vor derartigen Entwicklungen gewarnt – kommt aus Sicht der BI einer entsorgungspolitischen Bankrotterklärung gleich. Die Probleme würden jetzt, weil Schönreden nicht mehr helfe, offen ausgesprochen. Hinzu käme, dass die Probleme der Dauerlagerung die Kosten für die nukleare Entsorgung noch teurer und noch unkalkulierbarer machten:

„Wir fordern ein sofortiges Ende der Atomkraftnutzung, um die Probleme wenigstens zu minimieren.“

Das Hauptproblem sieht die ESK nicht in der Behälterintegrität, sondern in dem Zustand im Innern der Behälter: „Maßgebend für die Handhabbarkeit von Brennstäben nach längerer Zwischenlagerung ist der Zustand der Hüllrohre.“ Oxidation des Urandioxids führe zur Volumenvergrößerung und ggfs. zur Zerstörung der Brennstoffmatrix und durch den fortschreitenden Alpha-Zerfall reichere sich in Hohlräumen und an Korngrenzen der Brennstoffmatrix Helium an. All das führe zu einer Volumenvergrößerung.

Das vollständige Gutachten finden Sie hier

BI-Sprecher Wolfgang Ehmke: „Welche Folgen ein innerer Druckaufbau und die Zerstörung der Brennstoffmatrix für die Behälterintegrität und die weitere Handhabbarkeit der Behälter zum Beispiel bei der Endlagerkonditionierung hat, beschreibt die ESK leider nicht und räumt stattdessen ein, dass es damit keine Erfahrungen gibt.“

Allerdings sehen die Berater großen Forschungsbedarf.

Die Pilot-Konditionierungsanlage (PKA) Gorleben wird in diesem Zusammenhang zwar nicht erwähnt, aber bei der BI läuten angesichts der Entwicklung die Alarmglocken. Die Umweltinitiative fürchtet, dass ausgerechnet diese veraltete Anlage dafür vorgehalten wird, um die von der ESK geforderten Untersuchungen zum Nachweis der Langzeitverhaltens von Dichtungen und Inventaren der Castor-Behälter zu gewährleisten.

Ehmke: „Warum das niedersächsische Umweltministerium  nicht längst einen Schlussstrich unter die PKA gezogen hat, können wir nicht mehr nachvollziehen.“

Wolfgang Ehmke, Pressesprecher, 0170 510 56 06

6.10. – Hambacher Forst

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