Ein Tag – zwei Termine: Endlagerdebatte und Protest vorm Zwischenlager

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Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und dessen grüner Kabinettskollege Stefan Wenzel kamen pünktlich: Von 10 – 12 Uhr debattierten knapp 200 Menschen mit ihnen auf dem Saal des Gasthauses Wiese in Gedelitz, wie es bei der Endlagersuche weitergehen wird und welche Rolle der Salzstock Gorleben-Rambow dabei spielt.

Eingeladen zum Frühschoppen ab diesem historischen Ort – ungezählte Demonstration gegen Gorleben starten hier – hatten die Bäuerliche Notgemeinschaft und die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V. (BI). Beide Politiker halten bekanntlichden Salzstock  Gorleben- Rambow als Atommüllendlager für nicht für geeignet. Wenn es in Zukunft fair und transparent zugeht, sei Gorleben erledigt, gleichwohl sei Niedersachsen ein Bundesland, das mit seinen Ton- und Salzvorkommen sehr wohl wieder im Fokus der Atommüllendlagerung stehen könne, unterstrichen die Koalitionspartner.

gedelitz 2 saalDas Ergebnis der Endlagerkommission wurde aber von vielen im Saal als unzureichend angesehen. „Zu viel Wenn und Aber war im Raum“, fasst die BI das Gespräch zusammen. Mit Gorleben im Topf bei der Endlagersuche könne es nicht fair zugehen. Vor allem die windelweichen geologischen Ausschlusskriterien machten es möglich, an vielen Orten ein Endlager einzurichten – also auch in Gorleben.

Wenn man sich vor Augen hält, dass Atommüll für eine Million Jahre von der Biosphäre abgeschirmt werden soll, dann reiche ein Blick auf die Probleme, die sich schon während der Zwischenlagerung ergibt. Denn immer neue Rostfässer tauchen im Zwischenlager Gorleben auf. Ein Grund für die Versammlungsteilnehmer_innen, gleich im Anschluss an die Diskussion um „Fünf nach 12“ vor das Tor des Zwischenlagers zu ziehen und auf das aktuelle Atommülldilemma in Gorleben zu verweisen.

_1X_3420Vor einem Jahr begann eine „Auslagerungskampagne“. Die Lagerungsgenehmigung für Rollreifenfässer, die in den 90er Jahren ursprünglich in das – inzwischen geschlossene, weil havarierte – Endlager Morsleben verbracht werden sollten, läuft 2019 aus. Insgesamt 1.300 Fässer müssen in der GNS-Anlage in Duisburg, mitten in einem Wohngebiet, neu konditioniert werden. Die derzeitigen Planungen sehen den letzten der voraussichtlich 15 Transporte Mitte 2017 vor. Wohin sie im Anschluss gebracht werden, ist bisher unbekannt.

Bei der Auslagerung werden ständig Rostfässer entdeckt. „Dabei wird es bleiben“, ist sich Wenzel sicher. Das niedersächsische Umweltministerium fordert ein Video gestütztes Überwachungssystem. Es geht auch um die Feuchte im Lager, das an die Castor-Halle mit den 113 Behältern angrenzt. Doch die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) klagt dagegen, bis zum 7. September will sie beim Verwaltungsgericht Lüneburg die Klage begründen.

BI-Sprecher Wolfgang Ehmke vor Ort: „Wir fordern von der GNS die Rücknahme ihrer Klage und vom Umweltministerium einen absoluten Einlagerungstopp! Wenn die Lagerung nicht dem Stand von Wissenschaft und Technik entspricht, muss eine weitere Einlagerung verhindert werden.“ Doch Wenzel, so beklagt die BI, hielt sich bedeckt. Ehmke: „Er sprach im Plusquamperfekt, einen Einlagerungsstopp hatte es gegeben, doch wir wollen ihn jetzt.“

Wolfgang Ehmke, Pressesprecher, 0170 510 56 06

Fotos: Andreas Conradt, Ingrid und Werner Lowin

6.10. – Hambacher Forst

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Musterbeispiel für eine verfehlte Atommüllpolitik, jedoch als möglicher Standort bei der Endlagersuche fortgeschleppt:

Aus Gorleben kann viel gelernt werden. So, wie in Gorleben, geht es eben nicht!
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