Gefährliche Altlasten der Erdgasförderung – hohe Schadstoffkontamination im Grundwasser

Gefährliche Altlasten der Erdgasförderung von ExxonMobil, hohe Schadstoffkontamination im Grundwasser durch undichte Bohrschlammgrube Luckau, Räumung hätte bereits vor 26 Jahren statt finden müssen

Nach 26 Jahren soll nun endlich die Schlammgrube für bergbauliche Abfälle der Erdgasindustrie in Luckau (Wustrow West Z1) im Landkreis Lüchow-Dannenberg geräumt werden. In der 1973 angelegten Bohrschlammgrube, die bis 1991 betrieben wurde, sind u. a. gefährliche Produktionsabfälle aus der Erdgasförderung eingelagert worden. Nach dem Einlagerungsende wurden 1992 die giftigen Schwermetalle Cadmium, Blei, Arsen im Grundwasser gemessen. Das verschwieg ExxonMobil auf der gestrigen Ratssitzung im vollbesetzten Saal der Gemeinde Luckau und kam in Erklärungsnot, als sie von Wasserwirtschaftsingenieur Bernd Ebeling darauf hingewiesen wurde. Ebeling hatte Akteneinsicht nach niedersächsischen Umweltinformationsgesetz gemacht und die Meßwerte des Grundwassermonitorings genau ausgewertet. Ebenso wurden hohe Salzfrachten von bis zu 23.300 mg Chlorid je Liter im Grundwasser gemessen. Ein eindeutiger Beleg, dass kontaminierte Sickerwässer aus der Grube mit den gefährlichen Abfällen in das Grundwasser gelangen. Unbelastetes Grundwasser hat zum Vergleich 15 -30 mg Chlorid je Liter. Aktuell gemessen wurden Werte von 5.000 mg Chlorid je Liter. Seit 1992 wurde das Grundwasser nie wieder auf Schwermetalle geprüft – es wurde aus dem Überwachungsprogramm einfach raus gestrichen!

ExxonMobil beantragte 2007 die Entlassung der Grube aus der Bergaufsicht. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) hatte dem Landkreis Lüchow-Dannenberg und der Gemeinde Luckau mitgeteilt, dass die Voraussetzungen zur Beendigung zur Bergaufsicht gemäß § 69 Abs. 2 Bundesberggesetz (BBergG) gegeben seien. Glücklicherweise kam es nicht dazu, die Bohrschlammgrube wird nun endlich komplett geräumt. “Das damalige Verwaltungshandeln des LBEG ist ungeheuerlich, meines Erachtens wurde der Grundwasserschutz nicht entsprechend wasserrechtlicher gesetzlicher Vorgaben berücksichtigt. Dafür haben wir kein Verständnis”, sagte Bernd Ebeling.

Angaben darüber, was genau in von ExxonMobil gezogenen Proben der Grube gefunden wurde, konnten oder wollten die Vertreter auf der Ratssitzung nicht benennen.

Ungefährlich jedenfalls dürften diese Stoffe nicht sein – so müssen die Bauarbeiter im Bereich der gefährlichen Abfälle während der Arbeit Schutzanzüge und Meßgeräte für aromatische Kohlenwasserstoffe tragen, da diese ausgasen können. Anwohner aus Luckau haben während der Ratssitzung von ExxonMobil gefordert, dass während des Rückbaues die freiliegenden gefährlichen Abfälle zum Feierabend und übers Wochenende mit einem Zelt incl. Abluftabsaugung über Aktivkohlefilter versehen werden. Dieses sei nach Angaben von ExxonMobil nicht geplant, für viele war das unverständlich. Es soll nur eine Plane auf den gefährlichen Abfällen liegen. Positiv : Ein Messgerät an einem Haus von Anwohnerin Corinna Pelch wurde zugesagt. Allerdings nur während der Arbeitszeit. D. h. nach Feierabend und an den Wochenenden wird nichts kontrolliert. “Dass geht nicht”, resümiert die Anwohnerin Corinna Pelch.

Da die Werte der Grundwassermessungen selbst nach ExxonMobil Angaben nicht stimmig sind, fordern die besorgten Bürger und Landwirte aus Luckau sowie die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) nun eine sofortige unabhängige Analyse des Grundwassers an allen Meßstellen mit Auswertung aller möglichen Schadstoffe incl. Schwermetalle durch ein unabhängiges Labor. “Wir schlagen vor, dass der Landkreis Lüchow-Dannenberg diese Untersuchungen macht. Die Kosten müsse der Verursacher ExxonMobil tragen. Das Grundwassermonitoring müsse dann während der Bauphase kontinuierlich und nach Abschluß weiter vorgenommen werden, bis sichergestellt ist, dass keine erhöhten Werte mehr im Grundwasser auftreten. Nur so können die Anwohner und Landwirte beruhigt in die Zukunft blicken. Wenn die Schadstoffe im Grundwasser weiterhin hoch sind, müsse auch das Grundwasser saniert werden”, fordert Uta Berlet von der AG Fracking der BI Umweltschutz.

Fotos und Hintergrundmaterial im Anhang, kann gerne für Ihre Berichterstattung verwendet werden, auf Anfrage auch mit höherer Auflösung:

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Foto Bernd Ebeling: im Vordergrund Brachfläche der Bohrschlammgrube Luckau (Wustrow West Z1), im Hintergrund landwirtschaftliche Ackerfläche und nächst gelegene Wohnhäuser von Luckau in 300 m Entfernung.

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Foto Dieter Metk aus Tarmitz: Beispiel aus dem Jahr 2013, Rückbau der Bohrschlammgrube Tarmitz (Wustrow Z2) bei Lüchow, ca. 12 km von Luckau entfernt. Die Sanierung erfolgte im Auftrage von ExxonMobil. Während des Rückbaus musste das kontaminierte Grundwasser gereinigt werden, siehe hellblaue Container und aufrecht stehende runde Behälter.

  • Zur Vorbereitung auf die Ratssitzung haben besorgte Bürger und die Fachgruppe Fracking der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg Flyer mit Hintergrundinformationen in der Region verteilt. Auf Wunsch stellen wir den Flyer zur Verfügung, hier

Spezielle Rückfragen richten Sie an: Bernd Ebeling 0171 501 17 62
Wolfgang Ehmke, Pressesprecher der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, 0170 510 56 06

Luckau, vor dem Rückbau

Rückbau der Bohrschlammgrube Tarmitz, 2013

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