“Der Lack ist ab”: Zustand im Fasslager Gorleben fraglich

Korrodiert, aufgebläht, Lack ab – Atommüllfässer mit schwach- und mittelaktiven Abfällen wie am Atomkraftwerk Brunsbüttel haben die Entsorgungskommission (ESK) dazu bewogen, die Bundesländer zu befragen, wie die Kontrollen in den Zwischenlagern aussehen.

Der Vorsitzende der ESK, Michael Sailer, fasst das Ergebnis zusammen:

“Bei der Zwischenlagerung der schwach- und mittelradioaktiven Abfälle in den Kernkraftwerken wie auch an anderen Stellen ist bisher der Korrosionsproblematik zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden. Die durch die ESK-Leitlinien seit mehreren Jahren vorgeschriebenen regelmäßigen visuellen Inspektionen der Abfallgebinde werden öfters nicht im erforderlichen Umfang durchgeführt. Auch ist die Dokumentation der Abfälle und ihres Zustands deutlich verbesserungswürdig.”

Leider hat die ESK – ein Beratungsgremium des Bundesumweltministeriums und nicht zu verwechseln mit der Endlagerkommission des Deutschen Bundestages – keine Details veröffentlicht, bedauert die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V. (BI).

Allerdings wächst im Wendland der Unmut. Erst im Oktober 2014 hatte der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel bei einem Besuch des Fasslagers in Gorleben feuchte Stellen und abgeplatzte Farbe an einigen Atommüllfässern ausgemacht. Seine Forderung erschöpfte sich in dem Allgemeinplatz, man müsse sich stärker auch um die schwach- und mittelaktiven Abfälle kümmern.

“Das Problem jedoch ist, dass eine Kontrolle der Fässer in Gorleben gar nicht geht, weil die so eng gestapelt sind, dass lediglich eine eingeschränkte Sichtkontrolle möglich ist. Was also hat das Umweltministerium unternommen?”, fragt BI-Sprecher Wolfgang Ehmke.

Atomanlagen Gorleben: Fasslager

Atomanlagen Gorleben: Fasslager

Das Fasslager wurde 1984 unter großem Protest in Betrieb genommen und machte Ende der 80er Jahre Schlagzeilen, weil dort auch Fässer aus dem belgischen Mol angeliefert wurden. Der “Transnuklearskandal”, bei dem u.a. Fässer mit doppeltem Boden und Flüssigkeiten entdeckt wurden, hatte damals Gorleben erreicht.

Zur Zeit ist die Halle in Nachbarschaft zur Castorhalle, in der 113 Behälter mit hoch radioaktiven Abfällen stehen, zu 60 Prozent ausgelastet. Geplant ist auch der Bau einer Konditionierungsanlage, um die Fässer vor einer Endlagerung neu zu verpacken.

“Der Verdacht drängt sich auf, dass über die Sicherheit der schwach- und mittelaktiven Abfälle nur geredet wird, in Wirklichkeit wird abgewartet, bis mit dem Schacht Konrad für diese Abfälle ein Endlager zur Verfügung steht”, so Ehmke.

Wolfgang Ehmke, Pressesprecher, Tel. 0170 – 510 56 06

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