Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.

Pressemitteilung der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.

Endlagersuche: Vergangenheit holt Gegenwart ein – BI fordert Aufarbeitung von Fehlern

25 Jahre ist es her: der damalige Umweltminister Klaus Töpfer besuchte den Landkreis Lüchow-Dannenberg und stellte sich der Diskussion um Gorleben. Kurios: Was er damals im Interview mit der Elbe-Jeetzel-Zeitung vorschlug, ähnelt in den Grundzügen dem aktuellen vergleichenden Suchverfahren für ein atomares Endlager.

Frage: Setzt die Bundesregierung einzig und allein auf Gorleben oder bemüht sie sich ernsthaft um Alternativstandorte für ein Endlager?

Töpfer: (Wir) haben in der Koalitionsvereinbarung festgelegt, daß wir uns unabhängig von Gorleben auch Alternativen untersuchen. Wir sind diesem Auftrag nachgekommen und haben uns, unterstützt durch entsprechenden Sachverstand, Gedanken gemacht, welche Alternativen möglich sind. (EJZ 10.01.1994)

Heute, 25 Jahre später, wird am Salzstock Gorleben trotz aller sachlichen und politischen Kritik immer noch festgehalten, er wurde sogar im Standortsauswahlgesetz (StandAG) „gesetzt“ und überdauert die aktuellen Debatten im Stand-by-Betrieb. Allerdings sollen nun verschiedene Standorte miteinander verglichen werden, dabei sollen auch Ton und Granit als Wirtsgestein für eine tiefengeologische Atommülldeponie einbezogen werden.

Herausgekommen war vor 25 Jahren nicht das, was Töpfer im Interview versprach, nämlich auch andere geologische Formationen als Salzgestein zu untersuchen (irrtümlich hieß es im EJZ-Interview „biologische“). Das Ergebnis war eine Salzstudie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) aus dem Jahr 1995.

BI-Sprecher Wolfgang Ehmke: „Gorleben, so der schräge Forschungsauftrag, sollte damals aus der Bewertung ausgeklammert werden. Das hielt die Amtsnachfolgerin von Klaus Töpfer, die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel, nicht davon ab zu behaupten, dass diese Salzstudie die Eignung Gorlebens belegt habe („Gorleben bleibt erste Wahl„).“

Merkel im Interview

 

Heute, 25 Jahre später, sind die Professoren Miranda Schreurs und Klaus Töpfer die Vorsitzenden des Nationalen Begleitgremiums (NBG), das die Endlagersuche moderieren soll und sich dabei auch mit den Fehlern der Vergangenheit auseinandersetzt.

Und da setzt die Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) an: „Dass Gorleben vor 25 Jahren bei der Bewertung der Salzstandorte ausgeklammert wurde und nicht mit anderen Standorten verglichen wurde, ist so ein Kardinalfehler.“

Inzwischen (siehe Nachtrag*) liegt dem NBG vom Diplom-Geologen Ulrich Schneider ein Untersuchungsvorschlag vor. Er schreibt:

„Im Rahmen des übergreifenden Projektes zur Aufarbeitung von in der Vergangenheit bei der Suche nach einem atomaren Endlager begangenen Fehlern biete ich Ihnen hinsichtlich der Salzstudie von 1995 ein erstes konkretes Teilgutachten an.

Bestandteile des Gutachtens werden sein:

  • Darstellung der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation, in der die Salzstudie von 1995 beauftragt, angefertigt und eingesetzt wurde.
  • Vergleich der Ergebnisse der Salzstudie von 1995 mit dem Standort Gorleben aus geologischer Sicht und Diskussion mit dem Begleitgremium.
  • Bitte der BGR um eine Stellungnahme zu meinem Gutachten.

In diesem Teilgutachten wird aufgezeigt, in welchem politischen und gesellschaftlichen Umfeld im Zusammenhang mit der Salzstudie von 1995 Fehler gemacht wurden und welche Folgen daraus entstanden sind. Letztendlich wird aufgezeigt was wir daraus für die neue Endlagersuche lernen können.“

Schneider ist als ehemaliger Mitarbeiter von Prof. Dr. Klaus Duphorn seit Beginn der Endlagersuche mit der diesbezüglichen Problematik bestens vertraut und war darüber hinaus u.a. im Rahmen des Gorleben Untersuchungsausschusses mit der Aufarbeitung der Vergangenheit befasst.

Die BI hofft, dass mit dieser Studie ein Teil der „Gorleben-Lügen“ aufgeklärt werden kann.

Wolfgang Ehmke, Pressesprecher, 0170 510 56 06

* Nachtrag: Offiziell wurde das Untersuchungsangebot des Dipl. Geologen Ulrich Schneider erst heute (24.1.19) über die Geschäftsstelle des NBG eingereicht.  Dieses Angebot lag bisher nur einigen wenigen Mitgliedern des NBG informell vor, und zwar in der Annahme, dass es weitergereicht würde. Die Diskussion des NBG zu diesem Antrag ist hier nachzulesen. Die aktuelle Beschlusslage kann man hier unter dem Punkt 21/8 nachlesen.

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