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Ehmke Kastor

„Der Kastor kommt!“– nicht mehr, eine Finissage

2019 erschien der Roman „Der Kastor kommt!“ im Lüchower Köhring-Verlag, die dritte Auflage ist so gut wie ausverkauft. Einige wenige Restexemplare gibt es noch im BI-Büro. Wolfgang Ehmke, der Autor und Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI), tingelte mit dem Roman durchs Wendland und die Republik, war Gast zahlreicher Anti-Atom-Initiativen und wurde im Erscheinungsjahr von der Bundeszentrale für politische Bildung zum “Leseherbst – Das Leben ist politisch“ nach Köln eingeladen.

Er sagt: „Ich habe mit dem Köhring-Verlag besprochen, dass es nach drei Auflagen keine weitere Neuauflage geben soll. Der literarische Ausflug ist vorbei, der „Kastor“ kommt nicht mehr, die 113 Castorbehälter in Gorleben allerdings bleiben und meine politische Arbeit konzentriert sich darauf, dass dieser Müll so sicher wie möglich verwahrt wird.“

Ehmkes Roman ist ein Beziehungsroman in doppelter Hinsicht. Zum einen ist da der Anti-Held Robert, der sich in eine Frau verguckt, die aber ein Verhältnis mit seinem besten Kumpel hat. Was der Robert nicht mitkriegt. Dann ist da seine Beziehung zum 13. Castortransport nach Gorleben. Das kriegt er schon besser hin und der Anti-Atom-Protest bestimmt wie für viele andere im Wendland sein Leben im November eines Jahres. Der Castor-Zug kam bekanntlich in der nasskalten Jahreszeit.

Eine Schlüsselszene, eine Traumsequenz, rund um diesen Castor 2011, der der letzte im Wendland sein sollte, schildert das Aktionsgeschehen einmal aus Sicht der Demonstrierenden und dann aus Sicht der Polizisten, die in einem Raumfahrzeug hocken und mit bengalischem Feuer angegriffen werden.

Christa Tornow aus Vietze, die zweite Vorsitzende der Nicolas-Born-Gesellschaft, las diese Schlüsselszene im Rahmen einer Finissage, für die es sogar eine schrille Vorlage in fetten Lettern gibt, nämlich die Frontpage des Boulevard-Blatts BILD aus dem Jahr 2010: „Castor-Irrsinn! 17.000 Polizisten bei Atommülltransport. Gewalt, Feuer, Verletzte. Einsatz kostet bis zu 50 Mio Euro“ – geschmückt mit entsprechenden „Beweisfotos“. Wolfgang Ehmke berichtete vom Making of des Romans und seiner Schreibidee. Dann hieß es „Tschüss Kastor!“

Die Finissage fand am 27. November um 16.30 Uhr im K. Punkt in Lüchow, Langestr. 49 statt.

Das Thema selbst ist hingegen nicht durch. Castoralarm heißt es immer noch – zurzeit in Ahaus, wo man sich dagegen wehrt, dass 152 Behälter von Jülich dorthin verfrachtet werden sollen. Oder für Brokdorf, wo im nächsten Jahr die letzten Abfälle aus der britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield per Schiff angeliefert werden sollen. Die waren ursprünglich für Gorleben bestimmt.

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Jan Becker

Jan hat jahrelang die Webseite contratom.de betrieben, schreibt heute den Blog von .ausgestrahlt und betreut die Webseiten der BI und des Gorleben Archiv.