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Atomkraft ja – Atommüll nein

So lässt sich die Haltung der CSU schlicht umreißen und sie zieht sich wie ein roter Faden durch die kurze Geschichte der Endlagersuche, seitdem diese (noch mit Gorleben im Huckepack) mit der Verabschiedung des Standortauswahlgesetzes 2013 neu gestartet wurde.

Als die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) 2020 den ersten Zwischenbericht vorlegte (und Gorleben im wissenschaftsbasierten Suchverfahren aussortiert wurde), schäumte Bayerns Ministerpräsident Söder. Es sei nicht schlüssig, warum Gorleben nicht mehr infrage komme. Was er wusste, Bayern hingegen sei geologisch für Atommüll ungeeignet.

Im November 2025 veröffentlichte die BGE ihren neuen Arbeitsstand und Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber frohlockte: „Mit dem heute veröffentlichten Arbeitsstand ist die Bundesgesellschaft für Endlagerung endlich so weit gegangen, wie wir dies bereits mit dem Zwischenbericht Teilgebiete 2020 erwartet hätten. Die bayerischen Gebiete, die die BGE jetzt erst aus dem Rennen genommen hat, hätten schon viel früher entfallen können. Wir erwarten, dass die übrigen Gebiete in Bayern jetzt rasch weiter geprüft und aus dem weiteren Verfahren ausgeschlossen werden.“

Tatsächlich schmolzen die Gebiete, die die BGE in Bayern noch weiter betrachtet, auf ein kleines Salzgebiet im nördlichen Unterfranken, ein Tongebiet um Neu-Ulm herum und das Granitvorkommen im Bayrischen Wald, den Saldenburger Granit, zusammen.

Stand der Endlagersuche in Bayern. Karte: BGE

Dieses Granitvorkommen ist seit 1994 im Fokus der Endlagersuche, die Kristallinstudie der BGR (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe) widmet dem ein Kapitel. Natürlich hatte sich dort schon sehr früh eine Bürgerinitiative gegründet. Hut ab – sie ist auch gegen die Atomkraft.

Dass der Saldenburger Granit nicht geeignet sei, weil es von Rissen und Klüften durchzogen ist, bekräftigt jetzt Dr. Roland Eichhorn vom Bayrischen Landesamt für Umwelt auf der Schalte des Nationalen Begleitgremiums, in der alle geologischen Landesämter befragt wurden, wie sie den neuesten BGE-Arbeitsstand beurteilen. Mit einem breiten Lächeln, eine Karte zur Veranschaulichung hatte er schon dabei. Das gibt dem landespolitischen NIMBY-Gebaren im Umgang mit dem Nuklearmüll kräftig Aufwind.

Der CSU-Parteichef setzte jahrelang alles daran, am letzten Atomkraftwerk Isar 2 festzuhalten, und zwar in einer atomrechtlich absurden Form, in Landesregie. Söder gab diesen Plan erst im April 2025 auf. Mit dem Plädoyer für den Bau von Minireaktoren (SMR) zündet die CSU nun die nächste Atomrakete.

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Wolfgang Ehmke

Wolfgang ist langjähriger Pressesprecher der BI.