Probleme der Langzeitzwischenlagerung

Das Nationalen Begleitgremiums (NBG) lud zu einer Tagung in Karlsruhe ein. Aber nicht zum Thema „Endlagersuche“, sondern zu einem anderen, damit verbundenen Themenkomplex, der Langzeitzwischenlagerung.

2031 soll ein Endlagerstandort definitiv feststehen und 2050 wird die Einlagerung von hochradioaktivem Müll in ein tiefengeologisches Lager beginnen – das ist der offizielle Fahrplan der Bundesregierung. Doch an diesen Zeitplan glaubt niemand wirklich, nicht einmal mit Gorleben als „schnelle Lösung“ im Paket.
Die Zwischenlagerung wird deutlich länger als 40 Jahre dauern, und damit verbunden ist ein Bündel von Fragen, die die Sicherheit der Anlagen und deren Alterung betrifft, aber auch, wie Zwischenlager gegen Flugzeugabsturz oder terroristische Attacken in Zukunft gesichert werden können.

Das Nationale Begleitgremium (NBG), das eigentlich die Endlagersuche begleiten soll, lud deshalb am Samstag (13. Januar) in Karlsruhe zu einer Tagung ein, um einen Impuls an die Politik und die zuständigen Behörden zu geben, sich mit dieser „Lücke“ zu befassen.

Das NBG traf offensichtlich den „Nerv der Zeit“, denn dessen Vorsitzende, Prof. Miranda Schreurs und Prof. Klaus Töpfer, konnten auf der gut besuchten Veranstaltung Bürgermeister und Anti-Atom-Aktivisten von rund der Hälfte der sechzehn Zwischenlagerstandorte begrüßen, darunter auch die Gartower Ratsfrau Asta von Oppen, die niedersächsische Landtagsabgeordnete Miriam Staudte (Grüne) und die BI-Vorständler Elisabeth Hafner-Reckers und Wolfgang Ehmke. Töpfer drückte sein Bedauern darüber aus, dass Jochen Flasbarth, der neue Chef der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlager (BGZ) und Staatssekretär im Bundesumweltministerium, seine Teilnahme abgesagt hat.

Prof. Dr. Töpfer im Gespräch mit Hartmut Liebermann
Beate Kallenbach – Herbert vom Öko-Institut Darmstadt verwies in ihrer gutachterlichen Stellungnahme auf die vielen ungeklärten Fragen. Es gebe erheblichen Forschungsbedarf hinsichtlich der Frage, welchen Einfluss eine überlange Lagerzeit auf das Behälterinventar habe. Bisher gebe es nur das Instrument einer periodischen Sicherheitsüberprüfung, Messungen und eine Inaugenscheinnahme von außen. Für die Reparatur eines defekten Primärdeckels sei eine „heiße Zelle“ vonnöten, wegen der starken Strahlung also eine ferngesteuerte Arbeit hinter dicken Betonmauern. Doch weil bisher eine Langzeitlagerung nicht angedacht worden ist, gebe es nicht einmal ein Regelwerk zur Überprüfung des Behälterinventars.

Miranda SchroersDas räumte auch Dr. Christoph Bunzmann vom Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BFE) ein. Prof. Bruno Thomauske, einst zuständig im Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), warnte in der Diskussion eindringlich davor, bestehende Genehmigungen einfach zu verlängern. Defekte Hüllrohre von abgebrannten Brennelementen könnten zerbröseln, Thomauske schloss die Gefahr einer Kritikalität nicht aus. Zu bedenken sei auch, dass die 1.900 Castorbehälter, die es bis zum Ende der Atomkraftnutzung geben wird, noch einmal bewegt werden müssen – hin zu einem Endlager. In dem zweiten Punkt, ob die bestehenden Wandstärken von Ahaus und Gorleben ausreichten, um Anschläge verhindern zu können, wurde er noch deutlicher und plädierte für Neubauten oder eine gänzlich neue Zwischenlagerstrategie.

Ein geeignetes „Übungsfeld“ für die angestrebte Partizipation bei der Endlagersuche sei die notwendige gesellschaftliche Verständigung über eine Ertüchtigung von Zwischenlagern bzw. erforderliche Neubauten, damit es keine Sicherheitslücke bis zur Endlagerung gibt – damit befassten sich die der Partizipationsexperte Hans Hagedorn und Rechtsanwalt Hartmut Gaßner in der zweiten gutachterlichen Stellungnahme. Auch hier spielte die Tatsache, dass die Genehmigungen in Gorleben und Ahaus 2034 bzw. 2036 auslaufen, eine große Rolle.

Wolfgang Ehmke, Pressesprecher, 0170 501 56 06
Fotos: Felix Ruwe, BI Kein Atommüll in Ahaus e.V.

Wolfgang Neumann (intac-Hannover) kritisiert sehr deutlich die Stellungnahme des Öko-Instituts

Neumann zum Gutachten des Öko-Instituts

Schlussbemerkung

Ratlos blieben die TeilnehmerInnen der Veranstaltung mit der Frage zurück, wer sich in Zukunft der Probleme der Zwischenlagerung annehmen wird. Es sickerte durch, dass das BUMB verhindern will, dass das Nationalen Begleitgremium sich mit dieser Frage beschäftigt. Deshalb muss jetzt vom BUMB nachdrücklich gefordert werden, ein Gremium zu schaffen, bei dem sich die interessierte Öffentlichkeit, die Initiativen und die betroffenen BürgermeisterInnen einbringen können.

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