Pressemitteilung der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.

Endlagersuche mit oder ohne Gorleben?

BI Umweltschutz erwartet klare Positionierung der Grünen zu Gorleben
Die Grünen streiten über Gorleben, während im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) immer neue Einzelheiten bekannt werden, wie in den 80er Jahren Negativbefunde, die gegen die Eignung Gorlebens sprachen, unterschlagen wurden. Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) fordert das endgültige Aus für eine weitere Erkundung des Salzstocks.
Die Grünen bereiten sich schon jetzt auf eine neue Regierungsverantwortung vor. Sie wollen in das Atomausstiegsgesetz andere Zahlen als Schwarz/Gelb hineinschreiben und ein Endlagersuchgesetz umgehend auf den Weg bringen, allerdings schließt deren Leitantrag zu Gorleben eine weitere Erkundung des Salzstocks nicht explizit aus. „Mit dieser Position können die Grünen keinen Pfifferling gewinnen“, kritisiert BI-Sprecher Wolfgang Ehmke die Haltung des Grünen – Fraktionschefs Jürgen Trittin. Innerhalb der Partei formiert sich ebenfalls Widerstand, eine Gruppe um die Europaabgeordnete Rebecca Harms und die Grünen-Obfrau im PUA Gorleben, Sylvia Kotting-Uhl, will in dem Leitantrag, der am kommenden Freitag auf dem Grünen-Bundesparteitag beschlossen werden soll, den endgültigen Verzicht auf Gorleben festschreiben.
„Die Lage ist erfrischend neu: Akten, die belegen, wie die Negativbefunde, die eine Eignung Gorlebens unterfütterten, wurden nachweislich unterschlagen, aber sie sind inzwischen für die Öffentlichkeit einsehbar. 30 Jahre lang wurden unter dem Deckmantel der Erkundung Fakten geschaffen: das Projekt ist fachwissenschaftlich und politisch dermaßen diskreditiert, dass ein endgültiger Verzicht auf diesen Standort unausweichlich ist“, argumentiert die BI.
Gerade erst wurde vor dem PUA Gorleben mit Heinz Nickel ein weiterer Zeuge befragt, der die Vorwürfe der Gorleben-Gegner weiter unterfütterte. Der Physiker hatte von seinen Messungen im Salzstock berichtet und behauptet, seine Ergebnisse seien im Nachgang nicht ausreichend gewürdigt worden. Dabei hätten die erworbenen Messdaten kritische Fragen zu einem Endlager in Gorleben für radioaktiven Müll aufgeworfen. Nickel gab zu Protokoll, bei seinen Messungen zwischen zwei Schachtvorbohrungen habe er ein elektrisch Zechstein-untypisches Verhalten vorgefunden, wie er es noch nie erlebt habe. Es seien mehr Energiewellen vom Gestein absorbiert worden als erwartet. Er sah darin Hinweise auf Gas- oder Wassereinschlüsse.

Tatsächlich aber seien seine Ergebnisse nicht für den Zwischenbericht im Jahr 1983 verwendet worden, in dem die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) sich für eine untertägige Erkundung Gorlebens aussprach. „Zuerst musste mein Bericht mehrmals gekürzt werden, dann erschien nicht einmal meine einseitige Fassung im PTB-Zwischenbericht“, sagte Nickel laut Presseberichten.

Gravierender sei ihm indes ein Eingriff in einen Bericht vorgekommen, den er für das Geologische Jahrbuch der BGR 1991 verfasst hatte. „Alle Gorleben-kritischen Passagen zu meinen Messungen von 1983 sind in der Druckfassung gestrichen worden – ohne, dass man mich vorher davon informiert hat“, konstatierte Nickel.

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Heinz Nickel hatte zwischen 1958 und 1992 in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in der Abteilung für Geophysik gearbeitet. Unter anderem hatte er zwischen 1967 und 1977 eine Radiowellenmethode entwickelt, mit der sich so genannte Nicht-Homogenitäten im Gestein aufspüren lassen – also zum Laugeneinflüsse, Gasvorkommen oder Wasser aufnehmendes Anhydrit, allesamt kritische Faktoren für ein mögliches Endlager.

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