Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.

Pressemitteilung der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.

Hambacher Forst

Liebe Freundinnen und Freunde im Hambacher Forst,

zutiefst erschüttert haben wir vom Tod eures Freundes Steffen M. erfahren. Er wollte uns allen als freier Journalist doch nur eine ungeschönte direkte Berichterstattung über euren legitimen Protest und diese unfassbare, unverhältnismäßige und unnötige Räumung liefern. Wir trauern mit euch und unsere Gedanken sind bei Steffens Angehörigen und Freunden.

Wir spüren einen tiefen Schmerz über seinen tragischen Fall aus dem Kronendach.

Wir sind aber auch empört. Kein vernünftig denkender Mensch in diesem Land kann verstehen, dass ein Polizeieinsatz zu diesem Zeitpunkt und mit dieser Härte gegen euch geführt wurde, wo ihr doch nur vehement für unser aller Leben und Zukunft eintretet, während andernorts rechter Terror vom Verfassungsschutz geschützt wird. Wieder einmal werden Konzern-Interessen über die Interessen der Menschen und ihrer Umwelt gestellt.

Wir haben das alles schon einmal erlebt, und zwar vor 38 Jahren, als die Freie Republik Wendland im Bereich der geplanten Tiefbohrstelle 1004 im Wald bei Gorleben von Polizeitruppen geräumt wurde, um dort gegen die Bevölkerung eine Müllhalde für die lebensverachtende Atomindustrie zu errichten und ihr damit angeblich einen Entsorgungsnachweis zu schaffen. Erst jetzt haben die Verantwortlichen begriffen, dass man in diese Technologie niemals hätte einsteigen dürfen und erst jetzt haben die schwerwiegenden wissenschaftlichen Zweifel an Gorleben das erdrückende Atommüllproblem auf die ratlose politische Agenda gehoben.

Ebenso wird man die unabsehbaren Folgen und die Klimaopfer der heutigen profitgierigen Kohleverstromung erst dann wahrnehmen, wenn es für eine Umkehr bereits längst zu spät sein wird!

Das durch die maßlose Kohlegier von RWE verpasste Klimaziel Deutschlands wird aber auch international fälschlich die Wahrnehmung hervorrufen, der Atomausstieg sei womöglich dafür ursächlich und auf diese Weise den globalen Nuklearverbrechern Aufwind verleihen.

Wir stehen also letztlich für dieselbe Sache ein: für globale Energie- und Klimagerechtigkeit. Für eine lebenswerte menschliche Zukunft und für menschliches Leben auch in Zukunft.

Wir verstehen, dass der Hambacher Forst nicht nur weitere Hundert Hektar deutscher Forst darstellt. Er ist auch nicht nur eines der letzten eiszeitlichen Relikte von unwiederbringlichen Primärwäldern in Deutschland oder eines der letzten Refugien von Dutzenden streng geschützter Tierarten. Er ist der Wald, den unsere Kinder und Enkel erleben werden oder eben auch nicht.

Wir fordern die nordrhein-westfälische Landesregierung auf, die Räumung nicht nur auszusetzen, sondern jetzt endgültig abzubrechen.

  • Übernehmen Sie endlich Verantwortung für eine lebenswerte Zukunft! Lassen Sie die Kohle in der Erde!
  • Kehren Sie an den Verhandlungstisch der Kohlekommission ohne diese Räumungsgewalt zurück!
  • Reden Sie, statt zu roden!

Hambi soll leben!

Alle freien Wenden rufen zur Teilnahme an der Großdemonstration im Hambacher Wald am 6. Oktober, 12 Uhr ab Bahnhof Buir (in Kerpen bei Köln) auf! Weitere Infos zur Demo und Anreise aus dem Wendland folgen.

Martin Donat, Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.

Vergangene Nacht wurde im Wendland gemalt.

Kontakt

Pressesprecher
Wolfgang Ehmke
Tel. 0170 510 56 06

Am 22. Mai 2014 nahm die Endlagerkommission die Arbeit auf. Dagegen hat die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg in Berlin und in Gorleben protestiert. Die Kommission als Teil des Standortauswahlgesetzes suggeriere, dass die Endlagersuche neu gestartet werde. Statt wirklich einen Schlussstrich unter die Tricks, Lügen und Verdrehungen der letzen drei Jahrzehnte zu ziehen, bleibe Gorleben als Standort gesetzt, so die BI. Durch das Gesetz und das Beteiligungsverfahren - die Endlagersuchkommission - sollen Umweltverbände eingebunden werden, um Gorleben im Nachhinein zu legitimieren. "Welch Zeitverschwendung", so die BI, "dass nun zwei Jahre lang offen und versteckt über einen Standort gestritten wird, statt eine umfassende Atommülldebatte einzuleiten!" Im Bild: Wolfgang Ehmke, Pressesprecher der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg 

Ort: Berlin
Copyright: Kina Becker
Quelle: PubliXviewinG