Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.

Pressemitteilung der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.

#hambibleibt „Stoppt den Wahnsinn!“ – Soliaktion in Lüchow

Heute nachmittag trafen sich auf dem Lüchower Marktplatz zahlreiche Menschen zu einer Soliaktion für die Aktivist*innen im Hambacher Forst.

Foto: A. Conradt / PubliXviewinG

Trotz des Schmuddelwetters wandelten die „Waldwesen“ kostümiert über den zentralen Platz von Lüchow und unterstützten eindrucksvoll die Aktion. Mit der zentralen Forderung „Stoppt den Wahnsinn!“ liessen sich etliche Beteiligte ablichten.

Redebeitrag eines Aktivisten am 24.9.2018, Lüchow

Wenn ich heute über die Aktionen für Klimagerechtigkeit im Hambacher Wald rede, dann kann ich das nicht tun, ohne an den tödlich verunglückten Bewegungsjournalisten Steffen Horst Meyn zu denken. Ich bin schockiert und tief betroffen und mir fehlen die passenden Worte. – – – – – Nichts kann diesen Unfall rückgängig machen.

Jetzt den Kampf um Hambacher Wald aufzugeben ist aber keine Option. Und ich bin mir sicher, dass auch Steffen Horst Meyen das nicht gewollt hätte.

Klima?

Es ist unübersehbar geworden, dass die andauernde und sich verschärfende Klimakatastophe die Lebensgrundlage von vielen Millionen Menschen gefährdet – besonders im globalen Süden, aber nicht nur dort, wie der vergangene Sommer gezeigt hat. – Die Menschheit steuert auf einen umfassenden ökologischen Kollaps zu:

schon heute kommt es aufgrund des Klimawandels deutlich häufiger zu wesentlich stärkeren Extremwetter-Ereignissen, Dürren, Überflutungen, Stürme gefährden die Lebensgrundlage insbesondere der ärmeren Menschen;
schon heute vollzieht sich die Überschreitung von Kipp-Punkten im Klimasystem, z.B. schmelzen bislang ganzjährig gefrorene Eismassen, wobei die entstehenden dunklen Wasserflächen mehr Sonnenwärme speichern, das Klima so weiter erwärmen und noch mehr Eis schmelzen lassen – ein Teufelskreis entsteht;
schon heute haben der Verlust von Biodiversität sowie die globale Zerstörung von Süßwasservorkommen, Ackerböden, Wäldern und ozeanischen Ökosystemen verheerende Dimensionen erreicht.

Verursacht wurde der bisherige Klimawandel vor allem von den reichen industrialisierten Ländern des Nordens und individuell im Durchschnitt umso mehr, je reicher eine Person ist. Die Folgen tragen die armen Länder des Südens und individuell umso mehr, je ärmer eine Person ist.

Wer über Klimawandel redet muss auch über Kapitalismus reden!

Bei allen Differenzen zwischen den Regierungen, einzelnen Parteien und Industrieunternehmen – in ihrem Kernprojekt sind sie sich einig – die kapitalistische Profitmaschine muss am Laufen gehalten werden. Begründet wird dies mit dem dem Mythos, das immerwährende „Wachstum“ auf unserem begrenzten Planeten käme „den Menschen“ zugute. In der Realität sieht das drastisch anders aus.

Die soziale Ungleichheit hat ein historisch beispielloses Maß erreicht – acht einzelne Männer besitzen mehr als die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Diese Zuspitzung zeigt sich u.a. in der weltweiten Zunahme von Prekarisierung, ganzen Regionen gesellschaftlichen Zusammenbruchs, gewaltsamen Konflikten, Flucht sowie einer ganzen Reihe dauerhafter Kriege und eben der Klimakatastrophe.
Mit diesem Wissen sind die Planungen von RWE völlig inakzeptabel. Sie zerstören den ökologisch wertvollen Hambacher Wald – und heizen den Klimawandel mit der Kohleverbrennung weiter an. Dabei haben der Hitzesommer, Dürren und Starkregen gerade gezeigt: Nur wenn wir jetzt schnell handeln, lässt sich die weltweite Klimakatastrophe noch begrenzen. Und das heißt in Deutschland zuallererst:

Sofortiger Kohleausstieg!

Deutschland ist entgegen der Außendarstellung als angeblich grüner Vorreiter immer noch Braunkohle-Weltmeister und wie alle anderen Industrie-Staaten auch, weit entfernt davon, tatsächlich ernsthaften Klimaschutz zu betreiben. Deutlich wird das erneut durch die heuchlerische Kohlekommission in Berlin während gleichzeitig der Staat mit seiner Polizei im Hambacher Wald die Profitinteressen von RWE duchsetzt. Deutlich wird daran auch, dass wir uns auf den Staat nicht verlassen können.

Den Hambacher Wald retten, den Kohleausstieg durchsetzen – das schaffen wir nur, wenn wir jetzt eine breite Widerstandsbewegung entstehen lassen.
Die vielfältigen Aktionen in diesem Jahr, europaweit viele Camps und Blockaden gegen Tagebaue, Kohlekraftwerke, Autobahnen oder Flughäfen zeigen, dass wir viele sind.
Und in diesem Herbst können wir die Rodung des Hambacher Waldes verhindern und RWE und Regierungen deutlich Grenzen aufzeigen!

„dezentralen Aktionstag für den sofortigen Kohleausstieg“ am 30.9.
Am 6. Oktober rufen NGOs und Umweltverbände zu einer großen Demo beim Hambacher Forst auf.
Aktion der EG-OG&Friends am 6.10.
25. – 29. Oktober 2018 Ende Gelände, Massenaktion im Rheinisches Braunkohlerevier

Redebeitrag & Gedicht der Schülerin Karla Donath

Im Hambacher Forst kämpfen Menschen schon seit sechs Jahren für die Erhaltung dieses Waldgebietes, welches gerodet werden soll, um Kohleabbau möglich zu machen. Dadurch wird nicht nur Lebensraum vieler Tiere zerstört, sondern auch der Kapitalismus weiter angetrieben. Der Grund? Braunkohleabbau. Das Gebiet des Hambacher Forstes gehört dem Energiekonzern RWE. Der Grundsatz von RWE ist: Zukunft. Sicher. Machen. Doch Braunkohle ist nicht zukunftssicher. Braunkohle ist eine natürliche Ressource, die irgendwann erschöpft sein wird. Der Kohleausstieg rückt näher. Kohle ist keine Alternative. Die Energiewende ist nötig und wenn nicht jetzt wann dann? Irgendwo muss man doch anfangen wieso nicht im Hambacher Forst? Denn wenn die Energiewende nicht in die Tat umgesetzt wird, wo stehen wir dann in 20, 50, 100 Jahren? Was passiert, wenn die Menschen die Erde komplett leergepumpt haben? Was gibt den Menschen das Recht diesen Planeten auszunutzen und sich selbst über alle anderen Lebewesen zu stellen?

Nichts gibt uns das Recht! Wir reißen es an uns, leben auf dieser Erde, während wir sie zugrunde richten. Wir sind aus ihr entstanden. Das mindeste was wir als Dank tun können ist, ihr etwas Respekt zukommen zu lassen.

Deshalb ist es wichtig, ist es nötig die Räumung des Hambacher Forstes zu verhindern und ein Zeichen zu setzen. Gegen die Ausbeutung und Zerstörung der Umwelt. Denn so kann es nicht weitergehen. Doch RWE will und wird so weitermachen. Die wollen unsere Zukunft sichern? Und was tun wir, wenn unsere Kinder in Zukunft keine Luft zum atmen mehr haben, weil alle Wälder weg sind? Wie sollen wir ihnen erklären, was Natur ist, wenn keine mehr vorhanden ist? Und wie sollen wir rechtfertigen, dass wir als Menschheit daran schuld sind?

Im Hambacher Forst ist ein Mensch gestorben, der für seine ideale eingestanden hat. Beim Versuch der Welt zu zeigen was dort passiert.

Und trotzdem wird weitergemacht. Trotzdem geht die Polizei mit Gewalt vor. Obwohl von überall Protest gezeigt wird. Wozu leben wir in einer Demokratie? Wenn tausende Menschen auf die Straße gehen und sagen; nein! Wir wollen das nicht! Und ein Konzern die Macht hat, unsere Stimme zu übertönen. Ist es wirklich nötig, mit Gewalt zu zeigen wer am längeren Hebel sitz? Das ist ein Konflikt. Auch wenn die Politik keinen daraus macht. Auch wenn RWE weiterhin von der Regierung unterstütz wird, ist das nicht rechtens. Denn es geht hier nicht um legal und illegal wie sie im Gesetz definiert sind. Für mich handelt niemand, der für den Hambacher Forst kämpft, protestiert oder verhaftet wird, illegal. Für mich handeln die illegal, die guten Gewissens einen 12.000 Jahre alten Wald roden. Handeln die illegal die unmenschlich die Barrikaden aufbrechen und gewaltvoll, Menschen für eine gute Überzeugung festnehmen. Es handeln die illegal, die 300 m in die Erde graben um Braunkohle zu fördern, dabei Lebensraum zerstören, welcher geschützt gehört, um Energie zu erzeugen welche die Luft verschmutzt und den Klimawandel antreibt, wodurch wir irgendwann, selbstverschuldet, nicht mehr auf diesem Planeten leben können.

Ihr erklärt Baumbesetzung für illegal?

Ich erkläre die Räumung und Rodung des Hambacher Forstes für illegal! Im Namen dieser Erde, unseres ZUHAUSES!

Was passiert

Wenn Bäume sich im Wind nicht wiegen?

Weil unter ihnen Leichen liegen

Dann hat Vergessen

Bereits begonnen

Und die Grausamkeit des Menschen

Sich selber gegenüber

Hat gewonnen

Vermessen denken wir beim Schweigen

Die Wahrheit wird sich schon noch zeigen

Doch in der Realität

Ist die Wahrheit das

Was direkt vor deiner Nase steht

Und am Ende in deiner Ungläubigkeit untergeht

Doch was passiert

Wenn Unglauben

Zu Erkenntnis wird

Und wenn neben erkennenden Protestierenden

In Unglauben

Ein weiterer Baum

In Trauer stirbt

Wenn Umweltschützer Polizisten hassen

Und Konzerne ihre Hände nicht von Kohle lassen

Um einfach nur mehr Geld zu machen

Dann sind wir da wo wir jetzt stehen

Wir dagegen

Doch die Regierung kann den Wald

Vor lauter Bäumen nicht mehr sehen

Könne wohl nur reden

Und nichts machen

Reden

Bis die Bäume schweigen

Denn Tote können nicht mehr lachen

Kontakt

Pressesprecher
Wolfgang Ehmke
Tel. 0170 510 56 06

Am 22. Mai 2014 nahm die Endlagerkommission die Arbeit auf. Dagegen hat die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg in Berlin und in Gorleben protestiert. Die Kommission als Teil des Standortauswahlgesetzes suggeriere, dass die Endlagersuche neu gestartet werde. Statt wirklich einen Schlussstrich unter die Tricks, Lügen und Verdrehungen der letzen drei Jahrzehnte zu ziehen, bleibe Gorleben als Standort gesetzt, so die BI. Durch das Gesetz und das Beteiligungsverfahren - die Endlagersuchkommission - sollen Umweltverbände eingebunden werden, um Gorleben im Nachhinein zu legitimieren. "Welch Zeitverschwendung", so die BI, "dass nun zwei Jahre lang offen und versteckt über einen Standort gestritten wird, statt eine umfassende Atommülldebatte einzuleiten!" Im Bild: Wolfgang Ehmke, Pressesprecher der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg 

Ort: Berlin
Copyright: Kina Becker
Quelle: PubliXviewinG