Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.

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Zwischen „Castornix“ und Bure

Vor einem Jahr hat die Gendarmerie in Frankreich eine Waldbesetzung geräumt und ein Hüttendorf zerschlagen. Zum Jahrestag wurde am Sonntag an der Stelle, an der 1994 das Hüttendorf „Castornix“ bei Gorleben stand, eine Tafel aufgestellt. Damit bekunden wir unsere Solidarität mit dem Widerstand gegen die Atommüllpläne in Frankreich.

Direkt vor Beginn des Sonntagsspaziergangs am Sonntag (24. Februar) wurde die Tafel enthüllt.

Auf der Tafel steht:

Bure de Merlin

In einem Waldstück in der Nähe von Bure – im ‚Bois LeJuc‘ – errichteten Atomkraftgegner*innen ein Hüttendorf, bauten Baumhäuser in den Kronen der hohen Bäume und lebten dort über 18 Monate lang. Die Betreibergesellschaft der Endlagerbaustelle ANDRA hatte versucht, sich das Gelände anzueignen und bereits eine 4 Kilometer lange Mauer um das Waldstück gebaut. Der Wald sollte gerodet werden, um Schachtrohre 500 Meter tief in den Boden einzulassen. Es ist geplant, über diese Kamine Grubengase aus dem entstehenden Bergwerk nach oben abzulüften.

Am 22. Februar 2018 beendete die Gendarmerie die Widerstandsaktion mit einer gewaltsamen Räumung.

Die Eulen-Maske ist zum Symbol des Widerstands in Bure geworden. Im umkämpften Wald ist sie noch anzutreffen – die vom Aussterben bedrohte Schleiereule. Sich bei Demonstrationen oder Aktionen eine Eulenmaske vors Gesicht zu ziehen ist eine von vielen Aktivist*innen geübte Maßnahme gegen Polizeikameras.

Castornix 1994

Hier – auf diesem Waldstück – errichteten Atomkraftgegner*innen nach einer großen Demonstration gegen die bevorstehende erste Einlagerung von abgebrannten Brennelementen das Hüttendorf ‚Castornix‘. Für die Zeit von fast drei Wochen war die Waldbesetzung Teil einer Kampagne, in der sich zahllose Menschen mit den unterschiedlichsten Aktivitäten gegen die Inbetriebnahme des Castor-Lagers engagierten. Mit einer Karawane aus Treckern, Bauwagen und Zirkuszelt machte sich die ‚Wendländische Widerstandshütten-Vertriebsgesellschaft‘ im Anschluss auf den Weg nach Philippsburg, wo der Castor mit den Brennelementen immer noch unverrichteter Dinge beim Herkunfts-AKW stand.

Ein gelbes X ist an vielen Orten des Wendlands zu sehen. Entstanden ist dieses Symbol als Alarmzeichen für ‚den Tag X‘, an dem der allererste Atommüll-Transport ins Wendland rollen sollte. Als am 8. Oktober 1984 ein Konvoi Atommüll ins Fasslager für nicht-wärmeentwickelnden Atommüll brachte, stand das X für entschlossenen Widerstand.

Jan Becker

Jan Becker

Jan hat jahrelang die Webseite contratom.de betrieben, schreibt heute den Blog von .ausgestrahlt und betreut die Webseiten der BI und des Gorleben Archiv.