Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.

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Die Uhr hat geschlagen

Reinhard Grindel ist als DFB-Präsident zurückgetreten. Zum Verhängnis wurde ihm die Intransparenz seiner Bezüge und eine Luxusuhr, die ihm der ukrainische Millionär Grigori Surkis schenkte.
Grindel ist auch im Wendland bekannt. Nur ungern erinnert man sich an seine Rolle als Unions-Obmann im Gorleben- Untersuchungsausschuss.

Unflätig, stillos, meinte einst Marianne Fritzen, sei er mit ihr umgegangen. Marianne Fritzen, die Grande Dame der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI), die im März 2016 91-jährig verstarb, war im Jahr 2010 von der Opposition als Zeugin in den Parlamentarischen Untersuchungsausschluss geladen worden.

Zwei Stunden lang hat Reinhard Grindel der Bürgerinitiativlerin zugehört, nicht mit der Wimper gezuckt, als Marianne Fritzen über die Anfänge der Gorleben Auseinandersetzung berichtete. „Eines steht fest, die CDU werde ich nicht mehr wählen“, schloss Fritzen ihren Bericht. Im „Parlament“ (9/2011) schrieb Jan Rübel: „Da feixen die Unionsmänner neben Grindel – aber der Niedersachse verzieht das Gesicht ganz enttäuscht, als enterbte sie ihn. Er meint es wohl ernst. Er, der nie nur Parteipolitiker war, zeigt sich persönlich getroffen von der Frau mit dem großen Herz.“ Das war wohl gegrindelt.

Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) hatte im Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) Akteneinsicht zu den Ergebnissen des Tiefbohrprogramms beantragt. In einem Zwischenbericht, der 1983 erschien, hatte die ursprünglich federführende Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) gefordert, auch andere Standorte zu untersuchen.

„Ich dachte, ich sehe nicht recht“, erinnert sich Wolfgang Ehmke, Sprecher der BI. „Aus den Vorlagen ging hervor, dass die PTB von sich aus aufgrund des wasserdurchlässigen Deckgebirges vorschlug, auch andere Standorte neben Gorleben als Atommüllendlager zu erkunden. Außerdem konnte man sehen, dass das politische Bonn unter Kanzler Helmut Kohl massiv intervenierte und die PTB den Bericht daraufhin umschrieb und diese Forderung fallen ließ und stattdessen Gorleben als „eignungshöffig“ erklärte.“

Grindel, damals 49 Jahre alt, eilte der Ruf voraus, im Zweifel auszuteilen. Er schreckte auch vor Verfälschungen nicht zurück. Nachdem der Quartärgeologe Prof. Klaus Duphorn als Zeuge vernommen war, schickte er eine Pressemitteilung heraus, in der er einige Aussagen Duphorns nach seinem Gusto wiedergab:

„Der Zeuge Duphorn hat auch unter Sicherheitskriterien die Standortauswahl als sehr solide bezeichnet. Die heutige Zeugenvernehmung hat bewiesen, dass es keine Manipulation des Gorleben-Berichts der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt im Jahr 1983 durch die damalige Bundesregierung gegeben hat. Vielmehr ist deutlich geworden, dass auch Gorleben-kritische Wissenschaftler an der Erarbeitung des Berichts bis zum Schluss beteiligt wurden. Es gab einen transparenten und unabhängigen Diskussionsprozess der Wissenschaftler. „

Zur Darstellung Reinhard Grindels erklärte damals (2010) die BI:

„Wir haben gestern eine bemerkenswerte Fähigkeit des MdB Reinhard Grindel erlebt: er ist in der Lage, zentrale Aussagen des Zeugen Prof. Dr. Klaus Duphorn, die die Genese und den Wandel seiner Haltung zum Gorleben-Projekt, zur Salzlinie bei der Auswahl von Gesteinsformationen für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle und zum Auswahlverfahren beschrieben, eklektizistisch und einseitig wieder zu geben. Duphorn war, als er als externer Gutachter der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) bestellt wurde, ein Gorleben-Befürworter. Die Untersuchungsbefunde in Gorleben jedoch nährten Zweifel an der Machbarkeit des Projekts. Er hat bis zur Entscheidung der dann durch die CDU-geführten Bundesregierung 1983 deshalb für richtig befunden, neben Gorleben auch andere Standorte auf ihre Tauglichkeit als Endlager zu untersuchen, also die Schlussfolgerungen der PTB aus der obertägigen Erkundung mitgetragen, die dann per politischer Intervention und per Weisung durch das politische Bonn kassiert wurden. Im Ausschuss hat Duphon erklärt, „je länger man bohrte, desto schlechter waren die Ergebnisse“. Die Gas- und Wassereinschlüsse schließlich, die in den 90er Jahren entdeckt wurden, hätten seinen Sinneswandel bestärkt, aus Zweifeln wurde die Ablehnung des Standorts. Die Aussage des Zeugen mündete in den Satz „Für mich ist Gorleben tot“.“

Hochmut kommt vor dem Fall.

Wolfgang Ehmke, Pressesprecher, 0170 510 56 06

Wolfgang Ehmke

Wolfgang Ehmke

Wolfgang ist langjähriger Pressesprecher der BI.