Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.

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LAUFZEIT. VERLÄNGERT. GEFAHR.

In Linz fand am 8. Mai 2019 die 6. Nuclear Energy Conference statt. Die hochkarätigen Anti-Atom-Konferenzen tagen jährlich abwechselnd in Linz und in Prag und werden im Rahmen der Anti-Atom-Offensive vom Land Oberösterreich unterstützt. Für die Bürgerinitiative Umweltschutz nahmen Kerstin Rudek und Günter Hermeyer an der Konferenz zum Thema „LAUFZEIT. VERLÄNGERT. GEFAHR.“ teil.

Wolfgang Renneberg, der Physiker ist und lange Jahre in leitenden Funktionen der nuklearen Sicherheitsabteilungen von Ministerien in Deutschland tätig war, jetzt der INRAG (International Nuclear Risk Assessment Group) angehört, verdeutlichte mit Nachdruck, dass die vielgepriesenen Nachrüstungen von Atomkraftwerken meistens keine sind, sondern lediglich die zum damaligen Zeitpunkt der Inbetriebnahme geforderten Standards nachträglich sichern. Nachrüstungen seien technisch oftmals schlicht und einfach in vielen Bereichen gar nicht möglich. Dies führe zu einem exponentiellen Anstieg der Gefahren im Betrieb der AKW, insbesondere über das 40. Betriebsjahr hinaus. Aus diesem Grunde seien Laufzeitverlängerungen unbedingt aus sicherheitstechnischer Sicht abzulehnen.

Bruno Chareyron ist ein französischer Ingenieur für Energie- und Kernphysik mit einem Master in Teilchenphysik, seit 1993 ist er Direktor des CRIIRAD-Labors, dass sich für unabhängige Forschung und Information über radioaktive Strahlung engagiert. Neben der aktuellen Situation in Frankreich – inklusive des Betrieb von 58 Atomkraftwerken – berichtete Bruno Chareyron von fehlender Transparenz und dem Umstand, dass zwar Sicherheitsberichte abgeliefert würden, jedoch keine Risokoberichte; diese seien eigentlich notwendige Grundlage zur Beseitigung eklatanter Sicherheitsmängel, gerade auch in Bezug auf in einigen Staaten, so auch Frankreich, geplanten Laufzeitverlängerungen.

Die Finnin Ulla Klötzer ist ehemalige Lehrerin, war Politikerin und ist Friedens- und Umweltaktivistin. Als Gründerin und Vorsitzende der Finnischen Frauen gegen Atomkraft engagiert sie sich seit Jahren hartnäckig gegen Gefahr und Unsinnigkeit von Atomkraft und tritt als Mediensprecherin, Referentin, Netzwerkerin, Organisatorin und immer wieder als Initiatorin internationaler Kampagnen in Erscheinung – in ihrem atomeuphorischen Heimatland genauso wie auf EU-Ebene. Ulla Klötzer referierte in Linz über die vielen Verzögerungen, Verteuerungen und Komplikationen der finnischen Atomprojekte. Insbesondere die finnischen Endlagerpläne werden von der internationalen Atomlobby gern als Beispiel für eine erfolgreiche schnelle Endlagersuche und -realisierung herangezogen. Nach dem Referat von Ulla Klötzer bleibt hiervon keine Spur der tatsächlich gelösten oder lösbaren Konflikte auch im finnischen Endlagersuchverfahren und Prozess zur Errichtung eines Endlagers in Granit.

Der unabhängige Schweizer Ökonom Kaspar Müller widmet sich in seiner umfangreichen Arbeit dem Spannungsfeld zwischen Ethik und Wirtschaft, Nachhaltigkeit und Finanzmarkt, Ökologie und Demokratie. In seinem Vortrag legte Müller dar, dass die Atomkraft nie rentabel war und es nie sein wird, auch nicht wenn man die Laufzeiten verlängert, im Gegenteil. Es sei ein Schnitt notwendig, um die ewig subventionierten Atomgeschäfte endlich im finanziellen Schadensausmaß für die Gesellschaft zu beenden.

Auf der Webseite werden in Kürze auch die Präsentationen dokumentiert und Fotos der Konferenz bereitgehalten. Ein Interview mit Bruno Chareyron folgt ebenfalls in Kürze, in dem Bruno Chareyron neben den bereits angerissenen Themen auch über die Problematik der Klimakatastrophe spricht und ob Atomkraft geeignet ist, die Klimakrise zu lösen.

Fotos: Harald Steinbichl, roadside-picnic.com

Kerstin Rudek

Kerstin war viele Jahre Vorsitzende der BI und berichtet hier über ihre vorwiegend internationalen Aktivitäten.