GORLEBEN RUNDSCHAU

Die Gorleben Rundschau ist das Mitteilungsblatt der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.
Sie erscheint etwa alle zwei Monate und wird an interessierte Leserinnen und Leser kostenlos verschickt.

Ausgabe April-Juni 2022

Mit dem Werk Wolfgang Borcherts versuchte meine Mutter schon sehr früh, mir das Kriegstrauma meines Vaters nahe zu bringen und damit auch ihr eigenes, das eingebrannte Trauma einer ganzen Trümmergeneration. „Sag Nein!“ wurde zum Credo in dem klaren Bewusstsein, dem Volk der Täter zu entstammen, das über die unfassbare Shoa und den Porajmos, über Euthanasie und Rassenwahn hinaus auch millionenfachen Tod in seinen verbrecherischen Angriffskriegen über die Völker der Welt gebracht und die Städte Europas in Schutt und Asche gelegt hatte.

Es zerreißt das Herz, mitten im 21. Jahrhundert Millionen Alte, Frauen und Kinder auf der Flucht erleben und die Logik ertragen zu müssen, nach welcher Männer zurück an die Front geschickt werden. Es zerreißt die Seele, ein Menschenleben nach der Apokalypse des zweiten Weltkrieges wieder Städte inmitten Europas in Trümmer fallen zu sehen. Und es zerreißt mein Hirn, dass nach 77 Jahren wieder Waffen in genau jene Region gesandt werden, in der mein jugendlicher Vater erstmals in das Grauen des nationalsozialistischen Krieges gezwungen wurde. Eine Mahnung auf ewige Zeiten, hatten wir gedacht. Aber ich gestehe, dass ich einen verbrecherischen, totalitären Aggressor von anderswo nicht in letzter Konsequenz mitgedacht hatte. In den Tiefen meiner Erinnerung erklingt Churchills Rede „Blood, Sweat, Tears“.

Natürlich war es richtig gewesen, nach dem Ende des kalten Krieges die Annäherung an Russland im fairen Handel zu suchen. Aber ebenso ist es nun angesichts der brutalen Fakten geboten, die in diesen Jahren entstandene Abhängigkeit sofort zu beenden. Unerträglich dabei unser Kriegs-Merkantilismus, auch nur einen Tag weiter die Waffen der anderen Seite zu finanzieren, während wir sie der einen liefern. Selbstverständlich müssen jetzt die schweren Versäumnisse der Ära-Merkel aufgeholt und unverzüglich der Ausbau der Erneuerbaren vorangetrieben werden. Aber das wirkliche Potenzial, welches sich darüber hinaus auch noch schnell realisieren ließe, liegt ohne Zweifel in der Energieeinsparung. Sollte es uns gelingen, den russischen Anteil an unserem Energieverbrauch von ungefähr einem Drittel sofort einzusparen, hätten wir nicht nur den Menschen in der Ukraine geholfen, sondern uns auch schlagartig unseren Klimazielen angenähert und damit auch zukünftigen Versorgungskriegen vorgebeugt. Dass derart große Einsparungen gar nicht so unrealistisch sind, zeigt beispielsweise die Anpassung der allgemeinen Fahrweise an die gegenwärtigen Benzinpreise, die zwar von Spekulationen der Erdölkonzerne bestimmt sind, aber noch weit von ihrem wirklichen Klimapreis entfernt liegen. Dass Atomkraft keinen Beitrag mehr zur Energielücke leisten kann, belegt nicht nur eine aktuelle Prüfung des Wirtschaftsministeriums. Atomare Anlagen erweisen sich darüber hinaus fast täglich als unmittelbare nukleare Bedrohung des Krieges in Europa.

„Verdunkeln für den Frieden“! Senken wir also unseren Energieverbrauch in allen Sektoren. Wir bleiben auch dann noch eines der reichsten Länder der Erde und weit von dem entfernt, was uns blühen könnte, wenn wir diesen Krieg weiter nähren oder unsere Klimaziele verfehlen.

Martin Donat,
Vorsitzender der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg

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