GORLEBEN RUNDSCHAU

Die Gorleben Rundschau ist das Mitteilungsblatt der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.
Sie erscheint etwa alle zwei Monate und wird an interessierte Leserinnen und Leser kostenlos verschickt.

Ausgabe Dezember 2020

Editorial

Es ist zwar kein Wunder, aber es verwundert uns doch; es ist kein Sieg, aber ein beachtlicher politischer Erfolg ist es doch, zusammen mit dem Atomausstieg wohl der größte der vergangenen Jahrzehnte. Und es ist vollkommen eure Errungenschaft, das Werk der Leser/-innen der Gorleben Rundschau und aller Sympatisant/-innen. Was an Küchentischen und auf Waldspaziergängen begann, was aus der Friedensbewegung und der Frauenbewegung auf den Weg kam, was von Spinnern und Alternativen propagiert und von Künstler/-innen unterstützt wurde, was von Student/-innen und Bäuer/-innen in heißen Tagen und eiskalten Nächten verteidigt wurde, ist jetzt Realität geworden. Ein Endlager in Gorleben ist endlich das, was es immer war: ein gefährliches Hirngespinst der Atomindustrie, einer in diesem Land aussterbenden Spezies. Unsere Kritik, unsere Argumente und unser Aufschrei mussten schließlich erhört werden, und wissenschaftsbasierte Vernunft hat sich begründet durchgesetzt.

Mehr als die Hälfte der Republik ist offenbar schon beim ersten qualifizierten Drüberschauen besser für die tiefe geologische Dauerlagerung von Atommüll geeignet, als der 40 Jahre und 1,6 Milliarden Euro lang von den Verantwortlichen propagierte Salzstock. Ist dann jetzt also endlich alles gut? Mitnichten! Nicht nur, dass all die Wut und die Tränen unvergessen bleiben. Unsere Kritik am laufenden Verfahren verhallt auch (noch) ungehört. Selbst der demokratisch legitimierte Staat braucht da, wo er nur durchsetzungsorientiert daherkommt, dringend zivilgesellschaftliche Kontrolle. Wissenschaftlichkeit allein ist noch nicht der Garant für ein verantwortbares Ergebnis. Die Entscheidungen trifft immer noch die Politik, und jahrzehntelang waren schließlich auch Gutachten eingekauft worden, die das Unübersehbare gesund beteten; erst der eingeforderte Vergleich brachte Klarheit. Corona führt es uns vor Augen, dass auch und gerade Wissenschaft den Diskurs braucht und selbst begründete Entscheidungen am Ende von den Betroffenen getragen werden müssen.

Einst sollten wir entsorgt werden; haben wir denn jetzt also ausgesorgt? Auch das nicht! Wir müssen uns als einer von sechzehn Zwischenlagerstandorten im Lande auch zukünftig noch weiter um den Atommüll sorgen. Atomkraft war aber immer nur die Spitze eines Eisbergs aus lebensverachtenden und nicht nachhaltigen Technologien. Leider baut unsere ganze Gesellschaft (noch) auf derartigen Wirtschaftsweisen auf. Hätte man damals gleich auf uns gehört, hätten wir heute gar nicht das epochale Problem des Atommülls, zumindest nicht in diesem Ausmaß. Hören wir also heute auf die Generation, die uns vor den unausweichlichen Folgen des Klimawandels warnt und sofortiges Umdenken und Handeln beziehungsweise Unterlassen einfordert!

Trotz allem, mit Anstand und Abstand, ein schönes Weihnachtsfest! Gorleben lebt! Bleibt auch gesund!

Martin Donat, Vorsitzender der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg

 

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