GORLEBEN RUNDSCHAU

Die Gorleben Rundschau ist das Mitteilungsblatt der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.
Sie erscheint etwa alle zwei Monate und wird an interessierte Leserinnen und Leser kostenlos verschickt.

Ausgabe März / April 2020

Editorial

Plötzlich ist nichts mehr, wie es war.

Der Staat erlässt Kontaktverbot und aus Einsicht, Solidarität und Menschenliebe gehen wir in die soziale Isolation oder gar in häusliche Quaratäne. Wenn unser Verhältnis zur Natur zur sozialen Frage des 21. Jahrhunderts geworden war, ist nun das Verhältnis dieser Natur zu uns zu unserer Überlebensfrage geworden. Vor dem Hintergrund existenzieller Bedrohung werden mit einem Mal aber auch gesellschaftliche Veränderungen möglich, die wir uns vor kurzem noch garnicht hatten vorstellen können. Vielleicht sollten wir uns diese Möglichkeiten auch dann noch in Erinnerung rufen, wenn wir das Schlimmste überstanden haben werden, und gut abwägen, ob wir gemeinsam nicht auch anderen Krisen vernünftig, wissenschaftsbasiert und solidarisch begegnen könnten.

Und so zwangsläufig, unvermeidlich und erforderlich die Eingriffe in unser tägliches Leben auch der zeit sind, scheinen wir trotzdem aufgerufen, gemeinsam darüber zu wachen, dass die Einschränkungen nachvollziehbar, maßvoll und verhältnismäßig bleiben und in ihrem Windschatten nicht der eine oder andere „Beifang“ mit durchgeschleift wird. Wie immer in der Demokratie sind transparente „checks and balances“ gefordert. Aber auch die kritiklose Begeisterung an grenzenloser Digitalisierung kann ich schon allein wegen ihres sprunghaft gestiegenen Ressourcen- und Energieverbrauches nicht teilen. Und dem Lädensterben gilt es ebenfalls dringend etwas entgegen zu setzen, dem Niedergang von Kultureinrichtungen und Clubs oder gar der Schließung sozialer Einrichtungen.

Wenn wir nicht wollen, dass am Ende nur der eine große Onlinehandel und ein paar Desinfektionsmittelspekulanten zum Krisengewinner werden, dann macht es vielleicht Sinn, seine Kleidung, Bücher, Gebrauchsgegenstände auch mal telefonisch oder online beim Traditionsladen zu bestellen, seinem Kulturladen mal eine Spende zukommen zu lassen oder jetzt soziale Einrichtungen zu unterstützen, die täglich für den inneren Zusammenhalt unserer Gesellschaft arbeiten.

Wenn Sie beispielweise dieses Jahr auch nicht ins Wendland zur Kulturellen Landpartie kommen können, so können Sie doch zum Solidaritätspreis exklusiv einen der bereits gedruckten Reisebegleiter erstehen, in dem Sie wehmütig nachschlagen können, was Sie sich hätten anschauen können...

Und vielleicht können wir die unverhofft gewonnene Zeit auch nutzen, um gemeinsam darüber nachzudenken, was es bräuchte, damit Mitgefühl, Solidarität und Vernunft in unserer Gesellschaft auch ohne virösen Ausnahmezustand dauerhaft möglich sind.

Martin Donat, Vorsitzender der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg

 

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