GORLEBEN RUNDSCHAU

Die Gorleben Rundschau ist das Mitteilungsblatt der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.
Sie erscheint etwa alle zwei Monate und wird an interessierte Leserinnen und Leser kostenlos verschickt.

Ausgabe Juli / August 2021

Editorial

„Das Kreuz mit Kohle und Atom“ betitelt Greenpeace Energy seine Aufklärung für den diesjährigen „Kreuzweg für die Schöpfung“ von Gorleben nach Lützerath in den Braunkohletagebau Garzweiler. Allein erneuerbare Energien sind eine sichere Bank für eine nachhaltige Zukunft. „Gorleben soll leben“ findet mit dieser Mahnung seine konsequente Fortsetzung in den Initiativen „Alle Dörfer bleiben“ und „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ gegen den brutalen Braunkohleabbau der Energiekonzerne. Und hier wie dort kämpfen Menschen eben nicht nur um den Fortbestand ihrer kleinen Welt, sondern um nichts weniger als den Fortbestand der Schöpfung selbst.

Ich gestehe: als ich das erste Mal das gelbe X in der Blockade von Kohlezügen sah, erschrak ich, denn noch hatten wir das Nuklearzeitalter und seine strahlenden Hinterlassenschaften nicht hinter uns gelassen. Aber angesichts abschmelzender Polkappen, dramatischer Wetterkapriolen und tiefgreifender Veränderungen unserer gesamten Umwelt begriff ich, dass Kohle und Atom derselben Hybris entsprungen sind: der gnadenlosen industriellen Verwertung unserer Umwelt zugunsten kurzfristiger Energiegewinnung und schneller Profite. „Es geht doch nur um Strom!“ rief bei meinem Besuch in Japan ein kleines Mädchen angesichts der Zerstörung seiner Welt und seiner Zukunft in der Nuklearkatastrophe von Fukushima. Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Klimagerechtigkeit vom März dieses Jahres ist klar: Der grundgesetzliche Schutz des Lebens und der körperlichen Unversehrtheit schließt den Schutz vor Beeinträchtigungen durch Umweltbelastungen ein, gleich von wem und durch welche Umstände sie drohen. Dem Staat obliege es aber darüber hinaus, auch die Freiheit künftiger Generationen zu schützen, indem er unverzüglich geeignete Vorkehrungen zur verlässlichen Reduzierung von Treibhausgasen und zum Übergang in die Klimaneutralität ergreift.

Wer nun aber annimmt, mit dem schnellen Umstieg auf Sonne, Wind und Biomasse alleine wäre es schon getan, sei hier gewarnt. So viele Windräder, dass wir alle grenzenlos mit dem Elektro-SUV durch die Landschaft brausen könnten, verträgt dieselbe womöglich gar nicht. Denn neben der Bedrohung durch die menschengemachte Klimaerwärmung haben wir es auch mit einem rasanten Artensterben zu tun, so dass die Wissenschaft bereits von Anzeichen eines anthropogenen Zeitalters des „sechsten Massensterbens“ auf unserem Planeten spricht. Konsequente Energieeinsparung und Steigerung der Effizienz sind jetzt gefragt. Es geht um einen sanften Umgang mit der Schöpfung und eine Abkehr von der Gewalttätigkeit, mit der wir die Ressourcen unseres Heimatplaneten verschleudern, als ob es kein Morgen gäbe.Das wird nur möglich sein, wenn wir Innovationen zulassen, klug regional angepasste Konzepte verfolgen und uns vom Größenwahn der Industrialisierung von Landschaft abwenden. Denn noch haben wir Handlungsoptionen und noch sind große Teile einer lebendigen Welt vorhanden, die wir eines Tages schmerzlich vermissen könnten.

Und bei allen derartigen Entscheidungen muss die Zivilgesellschaft sorgfältiger mitgenommen werden, denn Rechnungen ohne den Wirt können wir uns jetzt nicht mehr leisten. Nicht beim Klima und nicht beim Atommüll.

An unsere Gäste: Genießen Sie die Artenvielfalt einer überwältigend vielgestaltigen Landschaft und gehen Sie bitte achtsam damit um.

Martin Donat, Vorsitzernder der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg

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