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Gegen Olympia und Fackellauf in Fukushima

Zwischen dem 26. und 28. März soll mit einem Fackellauf für die Olympischen Spiele in Tokio geworben werden. Dieser Fackellauf führt durch ehemals evakuierte Gebiete in Fukushima. 9 Jahre nach dem Tsunami und der Reaktorkatastrophe wird Normalität suggeriert.
Auf der 16. Atommüllkonferenz am 29.Februar 2020 in Göttingen wurde die Gestaltung der Olympischen Spiele 2020 thematisiert. Die rund 60 Teilnehmenden solidarisierten sich mit den japanischen Atomkraftgegner*innen, die sich gegen diesen olympischen Fackellauf in Fukushima und gegen olympische Wettbewerbe in der vom Atomunfall betroffenen Region aussprechen.

Die Veranstaltungen würden zudem der Stärkung des „japanischen Atomdorfes“ in Japan dienen, hieß es. Der Spiegel (14/2011) umriss diesen Begriff wie folgt:

„Die Atomabteilung bei Tepco ist schon eine sehr besondere Gruppe, sie bildet eine verschlossene Welt. Einige nennen sie das „Atomdorf“. Es ist ein eigenes Unternehmen im Unternehmen. Auf der praktischen Arbeitsebene gibt es fast keinen Austausch des Atomdorfs mit anderen Tepco-Abteilungen.
Dieses geschlossene Dorf hat sich bisher erlaubt, Daten und Prüfberichte aus Atomkraftwerken zu verbergen, zu fälschen und zu erfinden. 2002 traten deswegen der Präsident und der Vizedirektor zurück. Die neue Spitze von Tepco versucht, das Atomdorf durch Versetzungen und Umstrukturierungen zu öffnen, aber im Grunde ist alles gleich geblieben.“

Die Erklärung der Konferenzteilnehmer*innen im Wortlaut:

„Nein zu Fackellauf und Olympia in Fukushima“

Am 24. Juli 2020 sollen in Tokyo die Olympischen Spiele eröffnet werden. Einige Wettbewerbe sollen auch in Fukushima-Stadt zur Austragung kommen. Zuvor, am 26. März, wird in unmittelbarer Nähe des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi der olympische Fackellauf gestartet.

In Fukushima gibt es jedoch Wichtigeres als Olympische Spiele oder den olympischen Fackellauf durch verstrahltes Gebiet! Japan leidet noch immer unter dem radioaktiven Fallout.

Wir sagen Nein zu dem Versuch, mit den Olympischen und Paralympischen Spielen 2020 in Tokyo gegenüber der Weltöffentlichkeit Normalität in den von der Atomkatastrophe in Fukushima betroffenen Gebieten vorzutäuschen!

Damit sollen die Geschäftsinteressen des japanischen ‚Atomdorfes’ bedient und die ethisch nicht verantwortbare Atomkraft in Japan wieder gestärkt werden.

Wir unterstützen den Olympiaprotest der japanischen Anti-Atom-Bewegung und erklären unsere Solidarität mit den von der Atomkatastrophe betroffenen Menschen.
Göttingen, 29. Februar 2020

Nakajima Takashi, einer der Kläger der „Nariwai-Klage“ sagt beispielsweise: „Ich bin gegen die Olympischen Spiele in Tokyo. Ministerpräsident Abe hat bei der Abstimmung des IOC gesagt, die Strahlenproblematik sei vollständig unter Kontrolle. Er verwendet die Olympischen Spiele, um von den Strahlenschäden des Atomunfalls abzulenken.“

Hintergrund: Betroffene legten dem Gericht die Fukushima-AKW-Klage „Nariwai o kaese, chiiki o kaese!“vor, um Staat und Tepco zur vollen Verantwortung zu ziehen sowie Abhilfe der Not der Geschädigten zu fordern.

Ein anderer Aktivist, Konno Sumio, meint zutreffend: „Das Geld, das für die Olympischen Spiele ausgegeben wird, sollte für die Wiederherstellung, den Wiederaufbau ausgegeben werden.“

Referat und Homepage Andreas Singers Auseinandersetzung um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2020 in Japan Andreas Singler

Wolfgang Ehmke

Wolfgang ist langjähriger Pressesprecher der BI.