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„Das Wunder von Gorleben“ – Neuauflage

Wie die Zeit vergeht!

Vor 49 Jahren, am 22. Februar 1977, benannte Ernst Albrecht (CDU) Gorleben als Standort für ein Nukleares Entsorgungszentrum.

Er brachte mit seiner Entscheidung prompt die Landwirte, seine Kernwählerschaft, gegen sich auf. Im Lüchower Gildehaus referierte auf Einladung des Landvolks just an diesem Tag Dr. Carsten Salander von der späteren Deutschen Gesellschaft zur Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen (DWK), die mit ihren Atomplänen in Gorleben, Dragahn, Wackersdorf und anderswo für Furore sorgte.

Da saßen sie alle zusammen, als die Gorleben-Entscheidung verkündet wurde, und kamen aus dem Staunen nicht heraus. Eine Wiederaufarbeitungsanlage ist ein Atom- und Chemiefabrik. Der Acker, das Wasser, die Luft würden kontaminiert. Wenige Tage später rollten die ersten Trecker durch die Kreisstadt Lüchow.

Das „Wunder von Gorleben“ erscheint jetzt in einer Neufassung

In seinem Essay-Band „Das Wunder von Gorleben“ stellt Wolfgang Ehmke die steile These auf, dass dieses verstörende Timing einer der Treibsätze für den Gorleben-Widerstand war, in einer Kette von vielen Zufällen, Glücks- und Unglücksfällen, die der Bewegung schließlich zum Erfolg verhalfen. (mehr …)

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1995

Es gibt prägende Zeiten im Leben, und von einer erzählt die neue Single „1995“ von Madsen – die bekanntlich im Wendland zuhause sind. Nach jahrelangen Debatten und Protesten rollte nämlich 1995 der erste Castortransport ins Wendland, ein ganzer Landkreis war im absoluten Ausnahmezustand. Madsen mittendrin. Die Band stand oft – zuletzt 2022 – auf den Bühnen rund um Gorleben, unterstützte mit ihren Auftritten den Widerstand und bezog immer wieder klar Position gegen Atomkraft. (mehr …)

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BI-Stellungnahme zum BGZ-Forschungsprogramm Zwischenlager

Die Zwischenlagerung hochradioaktiver Abfälle ist in Deutschland auf 40 Jahre befristet, die Genehmigungen für die Zwischenlager laufen ab 2034 sukzessive aus. Die BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung versucht, wissenschaftliche und technische Aspekte der verlängerten Zwischenlagerung hochradioaktiver Abfälle zu erforschen. Das Ziel: der Nachweis, dass die „sichere Zwischenlagerung“ auch deutlich über einen Zeitraum von 40 Jahren hinaus möglich ist.

Die Fachgruppe Radioaktivität der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg hat Anfang Februar eine Stellungnahme zum BGZ Forschungsprogramm Zwischenlagerung veröffentlicht. Darin werden kritische Fragen gestellt zur künftigen Sicherheit der Castor-Behälter, des radioaktiven Inventars, der baulichen Anlagen und dem Transport in ein Endlager. (mehr …)

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Endlagersuche: Wendland weiter dabei

Die BGE präsentiert den neuen Arbeitsstand: Das Wendland ist bei der Endlagersuche noch mit großen, grauen Flächen dabei. „Wir hatten die Hoffnung, dass unsere fachlichen Hinweise – Anfragen, Hinweise auf wissenschaftliche Aufsätze und Forschungsergebnisse – zu den Tongebieten und den Auswirkungen kommender Kaltzeiten auf den Untergrund Berücksichtigung finden“, so BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. – mehr hier

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Fundstücke des Monats November

„Voraussichtlich können fünf der insgesamt zwölf an deutschen Reaktorstandorten geplanten Zwischenlager für hochradioaktive Brennelemente nicht wie vorgesehen errichtet werden. Nach den Terrorattacken in den USA hält das für die Genehmigung der atomaren Lagerhallen zuständige Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter die beantragten Decken- und Wandstärken (0,55 bis 0,85 Meter) nicht mehr für ausreichend. (mehr …)

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Flugverbot über Gorleben, Ahaus & Lubmin kommt!

Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) begrüßt die Entscheidung der Deutschen Flugsicherung. Immer wieder war Gorleben sogar Ziel- und Wendemarke für Flüge der Luftwaffe. Die BI fordert, dass es in der Auseinandersetzung um die verlängerte Zwischenlagerung auch um einen möglichen Flugzeugabsturz und gezielte Terrorschläge gehen muss. – mehr hier

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Atommüllkonferenz kritisiert BASE und fordert echte Beteiligung und Zwischenlagerkonzept

Am letzten Samstag befassten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Atommüllkonferenz in Göttingen unter anderem mit der verlängerten Zwischenlagerung hoch radioaktiver Abfälle, dem Beteiligungsverfahren in Gorleben sowie dem Informations- und Dialogkonzept des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE). Sie erklären dazu: (mehr …)

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Atompoker mit Russland – Ein brisantes Hörfeature

Die Firma ANF im niedersächsischen Lingen produziert Brennelemente für Atomkraftwerke in Westeuropa – beliefert mit russischem Uran. Jetzt soll eine direkte Zusammenarbeit mit dem russischen Staatskonzern Rosatom auf den Weg gebracht werden. (mehr …)

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Protest vorm Zwischenlager Gorleben

Rund 80 Menschen, umrahmt von zwei Traktoren, fanden sich heute vor den Toren des Zwischenlagers Gorleben zur Kundgebung ein, zu der die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) und die Bäuerliche Notgemeinschaft aufgerufen hatten.

Die Empörung sei groß, so BI-Sprecher Wolfgang Ehmke, dass zwei Tage später in Salzgitter, dem Sitz des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), fernab vom Ort des Geschehens in einem kleinen Kreis über die Pläne, die Zwischenlagerung in Gorleben zu verlängern, debattiert würde. (mehr …)

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PRESSEMITTEILUNGEN

Debatte um die Windkraft in der Region

22. April 2026

Das geplante Ausmaß des Ausbaus im Wendland stand am Montagabend im Dannenberger Ostbahnhof zur Diskussion. Eine technische Panne sorgte dafür, dass Dieter Schaarschmidt von der Energiegenossenschaft Wendland-Wind seinen Beitrag nicht präsentieren konnte. Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) hat jetzt alle Vortragsfolien für Interessierte auf ihrer Homepage veröffentlicht. „Wir sind uns sicher, dass die Kontroverse andauernd wird“,…

40 Jahre Tschornobyl und Atomdebatte mobilisiert Atomkraftgegner:innen

20. April 2026

Rund 60 Menschen folgten am Sonntag der Einladung zum 861. Sonntagsspaziergang in Gorleben. 40 Jahre Tschornobyl, der Hype um die Atomkraft und das Ausbremsen der Regenerativen durch Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) – dieses Bündel aus Rückbesinnung und die aktuellen Debatten waren der Treibsatz für den großen Zulauf.

Deklaration von 32 Umwelt- und Sozialverbänden sowie Anti-Atom-Inis

16. April 2026

Eine konsequente Energiewende gibt es nur ohne Atomkraft. In den letzten Jahren wird immer deutlicher, dass die Energiewende kein reines Umwelt- und Klimaschutzprojekt ist. Für Menschen in Europa geht es um Energiesicherheit, stabile Preise und die Unabhängigkeit von autoritären Regimen. Das Abschalten der letzten Atomkraftwerke vor drei Jahren war dafür ein wichtiger Schritt. Trotzdem profilieren…

TERMINE & AKTIONEN

So. 03.05.2026
13 Uhr
Gorleben,
Atomanlagen
Beluga-Schiff
Sonntagsspaziergang rund um das Gelände des ehemaligen Endlagerbergwerks, findet seit dem 25.10.2009 jeden Sonntag ohne Unterbrechung statt, solange bis das Bergwerk wieder verfüllt ist
So. 03.05.2026
14 Uhr
Gorleben,
Atomanlagen
an den Kreuzen
Mastenweg
Gorlebener Gebet - jeden Sonntag um 14.00 Uhr versammeln sich Menschen im Wald von Gorleben unter Kreuzen zu einer etwa halbstündigen Andacht
So. 10.05.2026
13 Uhr
Gorleben,
Atomanlagen
Beluga-Schiff
Sonntagsspaziergang rund um das Gelände des ehemaligen Endlagerbergwerks, findet seit dem 25.10.2009 jeden Sonntag ohne Unterbrechung statt, solange bis das Bergwerk wieder verfüllt ist
So. 10.05.2026
14 Uhr
Gorleben,
Atomanlagen
an den Kreuzen
Mastenweg
Gorlebener Gebet - jeden Sonntag um 14.00 Uhr versammeln sich Menschen im Wald von Gorleben unter Kreuzen zu einer etwa halbstündigen Andacht

GORLEBEN RUNDSCHAU

Manche Fehler sollte man nur einmal machen. Die Tochter des CDU-Politikers Ernst Albrecht , der uns 1977 den Schlamassel mit Gorleben beschert hat, die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, eben noch eine glühende Verfechterin des „Europäischen Green Deals“, weinte in den Iden des März der Atomkraft Krokodilstränen hinterher. Der deutsche Atomausstieg sei angeblich ein „strategischer Fehler“ gewesen. Pünktlich zum 15. Jahrestag der unbewältigten Nuklearkatastrophe von Fukushima nannte sie diese Hochrisiko-Technologie „zuverlässig, bezahlbar und emissionsarm“. Sie sprang damit dem französischen Premier Macron bei, der nach einem Atomenergie-Gipfel in Frankreich die Renaissance der ständig abgeschalteten französischen Pannenreaktoren verkündete. Private Investitionen in angeblich so nachhaltige Atomtechnologien will die EU zukünftig aus dem Emissionshandel absichern.

Kleine modulare Reaktoren, einst als Antrieb für Atom-U-Boote entworfen und bis heute nicht serienreif entwickelt, seien angeblich sicherer und könnten bei Stromlücken der Erneuerbaren hoch- und runtergefahren werden. Tatsächlich aber würden Tausende oder gar Zehntausende Reaktoren benötigt, womit sich nicht nur das Risiko von Unfällen vervielfachen würde, sondern auch das Risiko der Proliferation, also der Entwendung von radioaktivem Material, von potenziellen Zielen im Kriegsfalle ganz zu schweigen.

Bis eine derartige Zukunftstechnologie einen nennenswerten Beitrag zur Stromsicherheit liefern könnte, sollten wir ohnehin längst bessere Speichertechnologien entwickelt haben, weil wir sonst das Rennen um eine nachhaltige, klimagerechte Zukunft lange verloren hätten. Für diese Forschung und Entwicklung fehlte aber jeder Cent, der in die rückwärtsgewandte Technologie Atomkraft vergeudet würde. Die Menge des zu lagernden Atommülls würde sich allerdings je nach Konzept verdrei- bis verzwanzigfachen.

Was meinte Frau von der Leyen also mit „Strategie“? Shinzo Abe, der japanische Premier nach der Nuklearkatastrophe, sagte 2013 anlässlich des Hiroshima-Gedenkens, Japan brauche Atomkraft aus „geopolitischen Gründen“. Seine Nachfolgerin, die Premierministerin Takaichi, möchte nun nach ihrem Erdrutschsieg mit Zwei-Drittel-Mehrheit und ihrem rechts-nationalen Koalitionspartner die japanische Nachkriegs-Verfassung ändern und zuvorderst den Pazifismus-Artikel abschaffen. Ihre ultranationalistische Interessengruppe Nippon Kaigi tritt derweil offen für Geschichtsrevisionismus ein und möchte die Verbrechen des japanischen Militärs im zweiten Weltkrieg in eine „Befreiung Ostasiens“ umdeuten. Vor diesen Hintergründen ist es nicht ganz unbedeutend, dass die meisten Konzepte von SM-Reaktoren auf der Abspaltung von waffenfähigem Plutonium basieren.

In einer Zeit, in der Multimilliardäre der Tech-Konzerne Kriege mitentscheiden, wo künstliche Intelligenz nicht nur alle Energie verschleudert, die wir einsparen, sondern auch noch Bombardierungsziele aussucht und „Kollateralschäden“ verantwortet; wo auch westliche Demokratien drohen, in die Hände von Oligarchen und korrupten Strukturen zu fallen, sollten uns diese Überlegungen und Entwicklungen wirklich Angst machen. 76 Jahre Frieden in diesem Land haben wir einer mühsam ausgehandelten „regelbasierten Weltordnung“ zu verdanken. Die angebliche Abschreckung von Atomwaffen basiert lediglich auf der Annahme, man könne dem Gegner glaubhaft machen, eher die Sicherheit und das Leben zu riskieren, als Freiheit und Selbstbestimmung aufzugeben. Es erscheint aber wahrscheinlich, dass Islamfaschisten und andere totalitäre Regimes hier weitaus opferbereiter sein könnten als westliche Demokratien. Außerdem steigt mit weiterer nuklearer Aufrüstung die Gefahr, dass die roten Knöpfe in die Hände von korrupten Kräften fallen könnten, die womöglich nur an den Börsen auf den Ausgang dieses letzten Abenteuers der Menschheit wetten.

Martin Donat,
Vorsitzender der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.